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Das jüdische Echo · 1917-04-06 · 14 (6.4.1917) · p. Seite 156

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
14 (6.4.1917)
Date
1917-04-06
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 Das Jüdische Echo Nr. 14 An deinen starken Arm will ich mich lehnen. Du streichelst lächelnd meine schwarzen Flechten Und flüsterst mir vom glühend heißen Sehnen, Das dich gequält in stillen Sternennächten. Salomo: Preß’ auf dein Herz mich, wie ein roter Siegel! Denn Lieb’ ist stark, ist stärker als der Tod. Die Liebe sprengt die festen Eisenriegel Und brennt wie Feuer, das zum Himmel loht. Kein Wiasser löscht die Glut, und stürzt in Traufen Das Meer und alle Ströme dieser Welt. Wollt’ einer Lieb’ für Schätze sich erkaufen, Das Gold der Erde wäre Bettelgeld. Ist Lieb’ ein Mauerwerk, das uns umtürmet. Laß ich ein silbern Bollwerk darum bau’n. Ist Lieb’ ein Tor. das unser Herz beschirmet. Laß ich mit Zederbohlen es behau’n. Sulamith: Reich ist mein Freund! Er gab den Rebengarten Den Wächtern zu Bal-Hemon, daß man bringe Auf seinen Tisch die besten Traubenarten, Und jährlich an die tausend Silberlinge. Salomo: 0, die du weilest hinter Rosenhecken Laß deiner Stimme süßen Klang mich lauschen! Flieh’ wie das Reh, das keucht im Todesschrecken, Wenn abendlich die Zedernwipfel rauschen. iJttstfjt widjt Srntgsnnlcibt?n seinen! Von religiöser Erneuerung. Dr. Nathan Birnbaum hielt neulich in engem Freudeskreise eine Art Vortrag über seine heutige Stellung zur jüdischen Frage. Wir geben die bedeutsamen Äußerungen Birnbaums nach dem' Berichte Bernhard Taglichts in der „Jüdischen Zeitung“ wieder. Birnbaum ging aus von dem Unterschiede in der Weltanschauung zwischen den Juden und den anderen Völkern. Mit Schärfe, die denen, welche seinen kürzlich an der Universität gehaltenen Vortrag über den Chassidismus gehört haben. S»axS>6X9GX9GXS><2XS>3a&X9ex£>äOE<2X2><2XS>(2X£>©X£>jIf 1 £Kg[. (Bayer. && Porzeffan* 1 \TRanufakfur (Rympßenburg Maup fnie der läge QTiüncßen: Odeonsplafi 1 |j [Kunst“ a. ßuxusgegenstände, ‘Cafel*, ‘Dessert*, * [Kaffee* u. ‘Ceegescßirre, ‘Figuren, Gruppen etc. Q nac6 affen flymphenburger Original. IRodellen. H Außerdem neue ‘Formen und ‘Modelte naeß Gnt* K würfen erster ‘Müncßner [Künstler. ( noch erinnerlich ist, rückte er auch diesmal der modernisierenden jüdischen Intelligenz im Westen und im Osten an den Leib, fand sie im Gegensätze zu dem geistlichen Wesen des Judentums und im Dienste der fremen, heidnisch-weltlichen Rebellion gegen die jüdische Wesensidee und stellte sich ohne Rückhalt und .ohne Kompromisse auf den Boden der jüdischen Lehre. Selbst die Verbesserung und Verschönerung seiner materiellen Existenz könnte dem jüdischen Volke, dessen Seelenachse geistlicher Art sei, nur auf dem Wege seines wahren Wesens werden. Die gläubige jüdische. Masse des Ostens sei die einzige wirkliche Bewahrerin des jüdischen Glaubensgutes: doch haften auch ihr Gebrechen an. Birnbaum erklärte diese als die Wirkung einer eigentümlichen religiösen Inaktivität, der das jüdische Volk bei all seiner Glaubenstreue seit langer Zeit verfallen sei. Diese Erscheinung erklärte er aus zwei Ursachen. Einerseits, indem er die Auserwähltheitsreihe: Thora, fortschreitende Heiligung, Messias aufstellte, daraus, daß der Messias im religiösen Ideenleben auch der frömmsten Juden zu sehr in den Hintergrund getreten, vor allem ganz außer der ihm zukommenden Beziehung zur Auserwähltheit und zur Lehre von Lohn und Strafe gesetzt sei. Andererseits aus dem Mangel einer hierarchisch geordneten autoritären Glaubenshütung. An diese Ausführungen knüpfte Dr. Birnbaum die Mitteilung, daß er, schon seit mehr als Jahresfrist im Sinne dieser Erkenntnis tätig, darauf bedacht gewesen sei, Mitstrebende zu finden. Er sei dabei nicht ohne Erfolg geblieben. Bald würde der Anfang zu dem Zusammenschluß derjenigen gemacht sein, die sich durch strengste Thoratreue und intensivstes Streben nach Heiligung und Unterordnung unter eine geordnete rabbinische Glaubenshüterschaft das Kommen des Messias erarbeiten wollen. Mit Rücksicht darauf, daß unter den gläubigen Juden das Gefühl der drohenden Gefahr gesteigerten Abfalls und der trägen Unzulänglichkeit der Abwehr allgemeiner wird, hoffe er auf die wirkende Kraft des Beispiels. Dr. Birnbaum schloß seine Ausführungen sehr eindrucksvoll damit, daß er Leitsätze, welche er für sich und seine Mitstrebenden als offiziellen Ausdruck ihres Wollens formuliert hatte, in hebräischer und dann in deutscher Übersetzung vorlas. Die Zuhörer lernten daraus insbesondere noch die Auffassungen und Forderungen Birnbaums in Bezug auf Heiligkeit und Heiligung (drei Arten der Heiligkeit: des Erkennens, des Erbarmens und der Gott entliehenen Pracht) sowie die Anwendung des Begriffes der „Umzäunungen“ auf die Pflichten der Gesamtheit kennen . Zum Schlüsse bemerkte noch Dr. Birnbaum, er glaube nach seinen Worten nicht erst hervorheben zu müssen, daß seine Bestrebungen mit denjenigen gewisser intellektueller Kreise, die eine Art. Religiosität des jüdisch-literarischen Salons kultivieren, nichts zu tun habe. Im Übrigen werde er so fernab von diesen und allen anderen Kreisen des modernisierenden Judentums zu wirken haben, daß er kaum mit ihnen in Berührung kommen, jedenfalls sich um sie nicht kümmern werde. Birnbaums Worte haben auf die Hörer des kleinen Kreises seiner Gäste starken Eindruck geübt, auch auf diejenigen, denen die Entwickelung dieses Mannes zu seinem heutigen Standpunkt nicht verschlossen geblieben war,

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