Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1917-04-06 · 14 (6.4.1917) · p. Seite 155

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
14 (6.4.1917)
Date
1917-04-06
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/9072829-9102967-9138094--01388-9074212
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 14 Das Jüdische Echo 155 Ich ging hinaus und fragt’ die lieben Sterne: Saht ihr im Wald, saht ihr am Strand ihn nicht? Die Arme streckt ich sehnend in die Ferne. Ich sucht’ ihn überall und fand ihn nicht. Die Wächter höhnten mich in meinem Trauern. Sie schlugen mich, als wär’ ich eine Dirne. Dann fragte ich die Hüter an den Mauern, Die rissen mir den Schleier von der Stirne. Ihr Töchter Zions! Wollet ihr mich hören: „Wißt ihr vielleicht, wo mein Geliebter bliebe? Sagt ihm, o sagt ihm, lasset euch beschwören. Sagt Sulamith ist krank, ist krank vor Liebe.“ Chor der Mädchen: Wer ist dein Freund, daß du mit bitteren Tränen Uns hast beschworen, schönes Schwesterlein; Wer ist dein Freund von Judas starken Söhnen, Daß du ihn suchest hier im Lorbeerhain? Sulamith: Kennt ihr ihn nicht, nach dem ich sehnend kranke? Hoch ragt er, wie am Libanon die Zedern; Auf seiner Stirn träumt lächelnd der Gedanke. Die Locken schimmern schwarz wie Rabenfedern. Sein Leib ist Elfenbein. Wie Eichenpfähle Durch Eisenbande wetterhart vereint. Sind seine Arme, süß ist seine Kehle. Salomo ist’s, mein königlicher Freund! VI. Sulamith: Nun ruht mein Freund im grünen Lorbeerhain Den Kidrons Silberbächlein plätschernd schneidet. Mein Freund ist mein, und ich bin sein, Der unter Sarons Zauberrosen weidet. Salomo: Schön bist du, Sulamith, wie Thirzas Pracht Und lieblich wie Jerusalems Gefilde. Dein Auge funkelt wie in heißer Schlacht Die Lanzenspitzen und die blanken Schilde. Wend’ ab den Blick! Dein Auge macht mich rasend! Die Zöpfe schimmern schwarz wie Ziegenherden, Die von des Karmel rauhem Gipfel grasend Zur Abendrast ins Dorf getrieben werden. Sieh! Sechzig stolze Königinnen zittern Vor meinem Blick, und hundert edle Frauen Sehnsüchtig harren mein an Gartengittern Die schönsten Mädchen von Judäas Gauen. Doch eine ist mein Täubchen, mein Verlangen, Dochi eine ist mein Singen und mein Sinnen, Die Tochter Zions preist ihr Jugendprangen Und vor ihr neigen sich die Königinnen. Sulamith: Wer ist’s, der herrlich wie der Morgenschimmer Empor aus Wolken taucht gleich Sonnenblitzen, Wie durch die dunkle Nacht der Mondscheinflimmer, So strahlt sein Auge scharf wie Lanzenspitzen. Ich ging, zu schauen, ob die Sträucher grünen. Und ob am Weinstock neuer Segen quelle. Ich ging, zu schauen nach den ems’gen Bienen Und — traf den Liebsten an der Gartenschwelle. VII. Salomo: Auf schlanken Füßen, o Gazellengleiche, Schwebst du hernieder von betauten Hügeln, Dein Aug’ ist abgrundtief wie Hesbons Teiche. In denen sich die Abendsterne spiegeln. Dein Hals, ein Turm von Elfenbein gedrechselt. Der hoch am Berge gen Damaskus späht. Wie Karmels Gipfel, wenn der Mondschein wechselt. Blinkt stolz dein Haupt, von Perlen übersät Wie faltenreiche Königsmäntel wallen Die Locken über deinen Alabasternacken. Schön bist du wie des Meeres Prachtkorallen. Die purpur glühn auf schwarzen Felsenzacken. Du gleichst der Wüste schlanken Dattelpalmen, Die träumend sich im Abendwinde wiegen, Wenn Demanttropfen glitzern an den Halmen Und in ihr Nest sich scheu die Vögel schmiegen. Sulamith: Komm, Freund! Laß uns durch alle Felder streifen. Laß singend uns durch alle Dörfer ziehn. Wo reiche Trauben an den Reben reifen Und scharlachrote Mandelsträucher blühn. Die Rosen duften süß an meinen Pforten. Um meine Pfosten ranken grüne Kränze. Doch lausch’ ich meines Freundes Zauberworten. Wenn er mir singt von unserem Liebeslenze. VIII. Sulamith: Fänd’ ich dich draußen in den grünen Matten, Fänd’ ich dich an des Jordans Wasserflüssen, Fänd’ ich dich in den kühlen Zedernschatten Des Libanon! Wie wollte ich dich küssen. Ich wollt’ dich führen in die Gartenlaube, Dort lehre mich die Hirtenweise singen. Ich pflücke dir dort manche gold’ne Traube Und will dir süße, rote Äpfel bringen. B. Müllers Musikinstitut München Fraunholerstr. 29 :: Telephon 24540 Inhaber: Bruno Müller, Konzertmeister a. D. Schüler von: Prof. Dr. Jotaph Joachim, Prof. Dr. Carl Reiaeeke, Prof. Dr. Helnrioh Bellermann und Hofoperndirektor Quatav Mahler Unterricht in allen praktischen (Klavier, Violine, Orgel, Cello usw.) u. theoretischen Fächern (Harmonie, Kompositions- und Instrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene (Kinder werden vom 6. Lebensjahre an aulgenommen) Prüfung, Auskunft und Einschreibung kostenlos.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.