Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 13 (30.3.1917)
- Date
- 1917-03-30
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Das Jüdische Echo Nr. 13 Die Notwendigkeit der Konferenz wird von Hillel Zeitiin wie folgt begründet: ..Wenn man das geistige Leben der Juden in der polnischen Provinz betrachtet, so muß man über die Energie der jüdischen Jugend, ihre Bereitwilligkeit zu jeder geistigen Arbeit und ihre aufopfernde Hingabe an jede Kulturtätigkeit staunen; zugleich tut aber das Herz weh, wenn man sieht, wie viel Energie oft ganz unnütz verschwendet wird, wie man sich wegen Bagatellen herumschlägt, wie wenig plan- und zweckmäßig diese Arbeit ist und wie sehr es an Ordnung und System fehlt. Jeder Kulturarbeiter muß die Sache von Anfang an beginnen, ohne Wegweiser und ohne feststehenden Plan. Ein jeder muß als Neuerer, als Pionier und Bahnbrecher kommen; aber nicht jeder hat die Fähigkeiten dazu, und man kann auch nicht von jedem verlangen, daß er ein Held sei. Gewöhnliche Kulturarbeiter sollten vor sich ein bestimmtes, fertiges Programm und eine klare Richtung haben. Die Kulturkonferenz soll diesen Mißständen abhelfen und die zersplitterten Kräfte zur gemeinsamen planmäßigen Arbeit vereinigen; sie soll die einzelnen Teile zu einem großen Bau verbinden, die jüdischen Kulturideale klar formulieren und der 7”^ünftigen kulurellen Tätigkeit Plan und Richtung geben.“ Weit-Echo Eine Judendebatte im Reichstag. In der Sitzung vom 26. März sagte Abg. Bruhn (Deutsche Frakt.) Folgendes: Die Namen unserer Wucherer werden von der großen liberalen Presse, z. B. dem „Berliner Tagblatt“, sorglich verschwiegen. Das Volk weiß aber trotzdem, daß immer eine gewisse Spezies anzutreffen ist, wo es Wucher gibt. Da man ahnt, daß die freie Besprechung nach dem Kriege Unangenehmes zutage fördern wird, hat der Zentralverein der Staatsbürger jüdischen Glaubens ein Rundschreiben erlassen, wonach die Namen christlicher Kriegswucherer gesammelt werden sollen. Auch in Ihren Kreisen verbreitet sich diese Stimmung mehr und mehr. Von liberaler Seite ist das Wort gefallen: Man muß erst Jude werden, um Kriegslieferant zu werden. Abg. Landsberg (Soz.): Abg. Bruhn hat den Deutschen Reichstag mit der Redaktionsstube der „Wahrheit“ verwechselt, und im Interesse des Deutschen Reichstags lege ich dagegen auf das entschiedenste Verwahrung ein. Wenn er gemeint hat, es sei immer wieder eine gewisse Spezies, auf die man stoße, wo Wucher anzutreffen sei, so kann ich ihm nur den Kehrreim einer alten Berliner Posse entgegenlfalten: Ob Christian und Itzig, ’s Geschäft bringt’s mal so mit sich! ..im.hihihi...... „ES KR“ | KLEINKUNST- I VER5RND I MÜNCHEN Promenade- Straße 5 Russtellung aller Zweige | des Kleinkunst-Gewerbes § niiiüiiiiiiiiiiiiiüiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiinniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiimii Wir wissen alle, daß der Wucher keine konfessionelle Erscheinung ist. Wenn Abg. Bruhn das nicht weiß, tut er mir leid, und wenn er es weiß, es aber nicht gesagt hat, so gehört er zu den Leuten, mit denen ich nicht polemisiere, weil ich nur mit solchen Leuten polemisiere, bei denen ich den Willen zur Wahrheit voraussetzen kann. Abg. Bruhn (Deutsche Frakt.) wendet sich gegen den Abg. Landsberg. Beim Wucher sind immer neun Itzige und ein Christian. Abg. Dr. Ablaß (Vpt.): Wir legen schärfste Verwahrung ein gegen die Art und Weise, wie Herr Bruhn hier in durchaus verletzender Weise gegen bestimmte Kreise unseres Volkes vorgegangen ist. Gerade die Kriegszeit eignet sich nicht zu derartigen Hetzreden. Jetzt tut jeder Bürger nach besten Kräften seine Schuldigkeit, und es wird Herrn Bruhn niemals gelingen, nachzuweisen, daß die deutschen Juden irgendwie in der Opferwilligkeit zurückstehen. (Sehr richtig!) Herr Bruhn hat so getan, als ob der Wucher nur in jüdischen Kreisen anzufinden wäre. Wir bedauern außerordentlich, daß derartige Töne überhaupt in diesem Hause angeschlagen worden sind, wo wir alle nur das eine Bedürfnis haben sollten, in Eintracht zusammenzustehen. (Lebh. Beifall.) Die jüdischen Flüchtlinge in Prag dürfen wieder die Elektrische benützen. Bekanntlich wurde im Februar ein Erlaß der Statthalterei herausgegeben, der die Flüchtlinge 'israelitischer Konfession von der Benützung der elektrischen Straßenbahn ausschloß; auch die Benützung der Eisenbahnen durch jüdische Flüchtlinge war in höherem Maße eingeschränkt worden. Nun sprach Abg. Reizes in Wien mit dem Statthalter Grafen Coudenhove und intervenierte überdies mit Herren des Polenklubs und des Bukowinaer Flüchtlingskomitees in Wien beim Ministerium des Innern. Die Intervention hatte die Aufhebung dieser beiden oben genannten Erlässe zur Folge. Die Agitation für die Gemeindewahlen in Warschau. In einigen Wochen wird das jüdische Warschau vor den neuen Wahlen für die Gemeindeverwaltung stehen. Die gewählten Mitglieder werden für die nächsten 8 Jahre über alle inneren Angelegenheiten der. Warschauer Judenheit zu bestimmen haben. Es ist daher begreiflich, daß das nationale Judentum sich rechtzeitig zu diesen Wahlen vorbereiten muß und seine Wahlkampagne schon jetzt beginnt. Am Sonntag, den 4. März, rief die Zionistische Organisation zu diesem Zwecke eine Versammlung im Elysiumtheater ein, an der mehrere Hundert Menschen teilnahmen. Ansprachen hielten der Vorsitzende der Warschauer Zionisten. Ratsmann H. Farbstein und Dr. J. Gottlieb. Im Anschluß an diese Reden wurde folgende Resolution angenommen: „Da die jüdische Gemeinde nicht bloß eine religiöse, sondern auch eine nationale Institution sein muß, die für die religiösen und nationalen Interessen zugleich Sorge zu tragen hat, betrachtet die Versammlung den gegenwärtigen Charakter der jüdischen Gemleinde, die sich als Religionsgemeinschaft kennzeichnet, als Ubergangsform und verlangt von den künftigen Leitern der jüdischen Gemeinden in Polen, entsprechende Schritte zu unternehmen, damit den jüdischen Gemeinden der Name und Charakter einer nationalen Institution, die die jüdische Nation im Lande vertritt, verliehen werde. Dieser Forderung entsprechend appelliert die Versammlung an alle jüdischen Wähler, nur solche Vertreter zu wählen, die gute,