Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 12 (23.3.1917)
- Date
- 1917-03-23
- Page
- Seite 137 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 137 Eilig jüdische Renaissance in Madrid. Wer hätte das geglaubt? Wer hätte das gedacht?! So wird jeder Jude ausrufen, der nach Spanien kommt. Es kann kein Zweifel darüber sein, daß — da wir uns im traurigen Zustand des Golus befinden — es fast überall Juden gibt, selbst in Spanien. Aber niemand hätte gerade jüdisches Leben vermutet in dem Lande, in dem sich die grausamsten und traurigsten Ereignisse unserer Geschichte abgespielt haben. Und dennoch hat Sevilla eine aus marokkanischen Juden bestehende jüdische Gemeinde, Barcelona hat auch eine, und eine dritte hat sich gerade in Madrid gebildet. In dieser Stadt gibt es Juden, aber nur wenige und diese stehen mit zwei oder drei Ausnahmen nicht in Beziehung zu einander. Ich möchte noch eine merkwürdige Tatsache erwähnen, bevor ich mit dem Hauptthema dieses Artikels fortfahre. Im Jahre 1492 trugen die Juden durch ihre Austreibung zugleich die Zivilisation ihrer Epoche aus dem Lande. Und im 19. Jahrhundert war es eine durch jüdisches Kapital in Bewegung gesetzte Lokomotive, die zeitgenössischer Zivilisation in Spanien Einlaß verschafft. Der Schöpfer der kleinen jüdischen Kolonie in Madrid ist ein französischer Jude, Herr Albert Salvedo. Tatsächlich wird jüdische Tradition streng innegehalten von ihm, denn er stammt aus gutem Hause und ist aus Bayonne, was viel besagt. In seinem Hause konnten unsere Glaubensgenossen sich zu den hohen Feiertagen treffen, dank der Hilfe des Herrn Farache aus Gibraltar, der seit dreißig Jahren in Madrid ansässig, immer seinen Einfluß geltend gemacht hatte, um den Spaniern die Irrtümer ihrer Vergangenheit klar zu machen, die sie immer bereut haben und die, eingestandenermaßen, die Periode der Dekadenz bei ihnen einleiteten. Herr Farache wurde ein wichtiger Mitarbeiter an der edlen Mission, die von dem bekannten Senator Dr. Angel Pulido unternommen wurde, der wiederum wirksam unterstützt wurde von einem talentierten Publizisten, Senor Rafael Causinos Assens. Wie Dr. Pulido arbeitete und wie unser Glaubensgenosse Dr. Jahuda nach Madrid kam und zum Professor der hebräischen Sprache und Literatur an der Madrider Universität ernannt wurde, ist schon bekannt. Ich möchte spätere Ereignisse schildern. — Die Bildung der Madrider jüdischen Gemeinde ist Dr. Jahudas Werk. Er arbeitete darauf hin, sobald er wußte, daß sein Aufenthalt in Spanien von Dauer sein würde. Die ersten Resultate seiner Tätigkeit zeigten sich in der Zeit der hohen Feiertage, die mit ungewöhnlichem Eifer im Hause des Herrn Albert Salvedo gefeiert wurden. Der Gottesdienst zu Rosch haschana und Jom Kippur wurde von 4 Herren geleitet: Herrn Moise Salvedo (einem Bayonner Rechtsanwalt), J. Farache, S. Melamed und J, Alcheli, früherem Direktor der Handelsschule in Saloniki, Herr Salvedo, früherer Student des Rabbiner-Seminars in Paris, war mit dem Schofar-Blasen betraut worden. Die Laute, die vom Munde eines wahren Abkömmlings der im Jahre 1492 Exilierten kamen, verursachten tiefsten Eindruck und Rührung bei der Gemeinde. Herr Melamed las die Thora, Herr Farache sang Lieder nach alten Melodien aus der Zeit des Jehuda Halevi und Herr Alcheli sprach die Gebete nicht nur nach sephardischem Ritus, sondern auch nach Salonikischer Sitte, ein Chor sang einige Gesänge meisterhaft und das Ribono Schel Olam wurde sehr schön von Herrn Moise Salvedo vorgetragen. Durch diese Festtage kamen auch die Mittel zur Bildung einer Gemeinde zusammen. In Ermangelung eines eigentlichen Gebetshauses wurde ein solches im Heim von Herrn Melamed improvisiert und dort wurde das Chanukahfest in würdiger Weise gefeiert und dort sangen Juden zum ersten Mal seit 425 Jahren Haneroth Hallelu, als die historischen Lampen (sorgfältig gefüllt von Frau Melamed, einer wahren Mutter in Israel, und ihrer jungen Schwester, einem Juwel ,von Güte und Bescheidenheit) am Abend des 19. Dezember 1916 angezündet wurden. Nachdem die für Chanukkh vorgeschriebenen Gebete gesprochen waren, hielt Dr. Jahuda aus dem Stegreif eine Ansprache. Er sprach mit großer Bewegung, welche zeitweise beinahe seine Stimme erstickte, und betonte die Wichtigkeit des Festes der Lichter, welche das Leben, die Reinheit und die Ewigkeit symbolisieren. Er ermahnte seine Glaubensgenossen, sich zusammenzuschließen und zu der Gründung einer Gemeinde1 beizutragen, welche in demselben Glanz strahlen würde, wie jene historische Begebenheit. Dr. Jahuda wurde herziichst gedankt und es wurde ihm versichert, daß es ihm für die Verwirklichung seines umfangreichen Programms nicht an Unterstützung mangeln werde. Diese Versicherungen wurden später in die Tat umgesetzt, als Dr. Jahuda eine Missionsreise nach Barcelona unternahm, um unseren dortigen unglücklichen Glaubensgenossen Beistand zu bringen, welche in einem neutralen Lande das Ende des Weltkrieges ab warten müssen. Aber kehren wir zum Chanukahfest zurück. Die Feier dauerte die ganzen acht Tage und ihren Höhepunkt bildete eine Ansprache über Chanukah, gehalten von Dr. Max Nordau. Der Redner begann mit dem Ausdruck seiner angenehmen Überraschung, in Madrid so viele Juden zu finden, und bevor er auf Chanukah einging, berührte er die Wichtigkeit eines jeden unserer Feste, wobei er die tiefe moralische und feierliche Bedeutung des Versöhnungstages Bekanntmachung. Zucker für das Passahfest. In Erledigung vielfacher Anfragen geben wir hierdurch im Einverständnis mit der Reichszuckerstelle bekannt, daß diejenigen Haushaltungen, die aus rituellen Gründen ihren Bedarf an Zucker für das Passahfest nicht bei den seitens des Vorstandes ihrer Kultusgemeinde mit dem Vertrieb betrauten Händlern decken wollen, die Möglichkeit haben, denselben direkt bei den folgenden seitens der Reichszuckerstelle zugelassenen Großhändlern unter Ablieferung der entsprechenden Zuckerkarten zu beziehen: David Bauer, Frankfurt a. M., Boernestraße 29. M. M. Rapp, Frankfurt a. M. J. Anton Alexander, Berlin N. 24, Oranienburgerstraße 3. Adolf Goldschmidt, Berlin C. 2. Neue Friedrichstraße 5. Samuel Haasz, Berlin C. 54, Gipsstraße 12a. Die betreffenden Familien müssen jedoch den zuständigen Kommunalverband hiervon vorher verständigen. Größte Eile ist hier geboten! (rlegsHsslon iür rilueile lebensroiliel, C. tu. b. B., Berlin.