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Das jüdische Echo · 1917-03-16 · 11 (16.3.1917) · p. Seite 130

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
11 (16.3.1917)
Date
1917-03-16
Page
Seite 130 (sequence 14)
Language
German
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130 Das Jüdische Echo Nr. 11 seekrankes jüdisches Äuswandererkind. „Sollst du hingehen“, dachte ich „und das Kind wiegen“ — ich hatte am Tag seine Mutter gesehen, sie war selber seekrank, ein schmales blasses Persönchen; aber ich blieb bei der Lucke stehen. „Ist es wahr“, dachte ich, „daß man vom Schiff aus die Orangen der Küste riechen kann, wenn man auf der Höhe von Jaffa ist?“ Ich hatte es schon oft gehört, aber noch nie selber gerochen. Und ich mußte an die Händel mit den Arabern denken, die einen dort ans Land rudern. Matrosen kamen und zündeten die Lampen an. Ihr Licht war trüb und zu klein für den tiefen Raum. Irgendwo vor mir sah ich zwei deutsche Handwerksburschen wie Bündel aneinandergerollt schlafen, weiter hinten war viel Lärm und Gestöhn, aber ich sah nicht, von wo es kam. Ich wandte mich und stieß an irgend etwas Weiches. Es war ein junger Araber, der an die Wand gelehnt, tief schlief. Er war schön und schlank und stöhnte zuweilen leise im Schlaf. Aber plötzlich sah ich, ein wenig an die Dunkelheit gewöhnt, daß er die Arme über den Kopf gehalten hatte und die Hände im Schoß eines jungen Mädchens barg, das weiter oberhalb saß. Schlief sie? Sie hatte den Kopf gesenkt, so daß man nur das glatt gescheitelte Haar und ein Stück der braunen Stirn sehen konnte. Eine dicke Bernsteinkette hing ihr um den Hals in den Schoß herab und gab zu ihrem schwarzen Kleid aus schlechtem dürftigen Stoff einen seltsamen Kontrast. Schön war sie, darüber bestand kein Zweifel, wenn man auch ihr Gesicht nicht sah. Zwanzig Jahre mochte sie der Gestalt nach sein — aber schlief sie wohl, daß ich so lange nach ihr blicken durfte? Plötzlich hob sie den Kopf und sah mich an und es war, als habe sie die ganze Zeit gefühlt, daß mein Blick auf ihr ruhe. Ich wollte schnell zur Seite schauen, um sie nicht zu beschämen — aber lächelte sie nicht, sprach sie nicht leise ein paar Worte? Sie lächelte immer noch und als sie sah, daß ich näher trat, um sie anzusprechen, tauchte sie ihren schlanken nackten Arm in einen großen Korb, der neben ihr stand und, bot mir eine Orange an. Ich nahm sie an und bedankte mich auf arabisch. Sie sah mich groß an, und ich fühlte, daß sie mich nicht verstanden hatte. Welche Sprache sprach sie? War sie eine Abessynierin? Aber dazu war sie zu hell in der Farbe und zu vertraut in ihren Gebärden. War sie keine Orientalin? War sie eine Spanierin? Seltsam bekannt war mir die Linie ihrer Züge. Sie merkte meinen Zweifel und sagte auf einmal ganz leise und fragend: „Jeruscholaim?“ Ob ich auch nach Jerusalem reiste — eine Hebräerin war sie. Und plötzlich merkte ich einen kleinen polnischen Kaftanjuden neben mir, der auf deutsch sagte: „Das Fräulein ist eine Jüdin aus Aden, Herr. Sprechen Sie hebräisch mit ihr“. Seltsam überfiel es mich damals, alis ich vor der asiatischen Jüdin stand und kein Wort Hebräisch fand, ihr zu danken. Ich hatte auf dem Gymnasium Hebräisch gelernt, ich hatte das Pentateuch gelesen und hatte oft der Großmutter zugehört, wenn sie vor dem Schlafengehen das Abendgebet sprach. Aber kein Wort wußte ich mehr, nichts fiel mir ein, so fest ich mich auch besann. Nur ein Singen, nur der Tonfall, der vorhin aus der Ecke geklungen war, lag mir im Ohr. Aber ich wollte mich zu erkennen geben als Jude, ich war zum erstenmal stolz darauf, jemand getroffen zu haben, der tief aus dem Süden war und die gleiche Sprache sprach, die eigentlich auch meine Sprache war, wenn ich auch nur ihren Klang im Ohr hatte, ich wollte der schönen Blutsverwandten danken — und da fielen mir ein paar Worte ein, sinnlos, aus dem Zusammenhang gerissen, ohne jede Bedeutung, wenige Worte, aber sie würden vielleicht genügen, sie zu begrüßen: „Jisgadal,“ stammelte ich, „leolom — Schema Jisroel — weijisgadal —“ es mußte sich lächerlich für die Hebräerin anhören. Aber sie lachte nicht, sie verstand mich, sie gab mir ihre Hand und ich streichelte sie und war froh. Und dann trat ich wieder zu meiner Lucke zurück und habe das Mädchen nicht mehr gesehen, auch nicht beim Ausschiffen in Jaffa am andern TO Bad Reichenhall to Pension Markowics Villa Gerstmayr bleibt auch über Pesach geöffnet. M a z z o s sind mitzubringen. Anmeldung bis 20. März erbeten. lOiffertoHonen 2Berfe 3ettfdjriften ta£ant><u.:Waf<$fiu* jofe liefert raf# £tt$i>rutferet Äj&eUer, 3Jiünd?en ömopmatitrA Graphologie CMieMeiliing aus der Handschrift Einzusendendes Material: zwanglos geschriebenes Schriftstück, a. I. Brieffragment ca. SO Zeilen. Charakterskizze: 1 Mark Charakterbild: 2 Mark Rückporto beil. LBeimer, Graphologe Mönchen, Kanlbacbstrafie 22a MAL-SCHULE F. Potocki u. L. H. Ballabene, München Unterricht im Zeichnen, Maien und Modellieren, Kopf, Kostüm, Akt und Stilleben. Abend-Akt mit und ohne Korrektur. Vorbereitung zur Akademieprüfung. Anmeldung Dienstag und Donnerstag von 10—12 Uhr. BlUtenstraBe 3/n, Gartenhaus. FREY & Ca Bankgeschäft Manchen, Residenzstraße 3 (Eingang Hofgraben) Tel. 27946 Erledigung aller Ins Bankfach einschlägigen Geschäfte

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