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Das jüdische Echo · 1917-03-16 · 11 (16.3.1917) · p. Seite 128

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
11 (16.3.1917)
Date
1917-03-16
Page
Seite 128 (sequence 12)
Language
German
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128 Das Jüdische Echo Nr. 11 seitens der ungarischen Zionisten in eine Wochenschrift umgewandelt worden. — Ebenfalls seit dem 1. Januar d. J. erscheint in Budapest — unter Mitwirkung des „Mult es Jövo“ — eine in wahrhaft jüdischem Sinne geleitete Monatsschrift für die jüdische Jugend unter dem Titel „Remeny“ (Hoffnung), deren erste Hefte sich inhaltlich sowohl wie auch äußerlich sehr gut präsentieren. Nationalfonds-Einkünfte im Februar. Die im Februar 1917 an das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds abgelieferten Spendengelder betragen 54.526 Mark. Es entfallen auf Nord-Amerika 24.589, Österreich 9.614, österreichisches Okkupationsgebiet 2.432, Deutschland 5.676, deutsches Okkupationsgebiet 5.291, England 3.431, Holland 1.604 (außerdem 500 M. für den Genossenschaftsfonds), Argentinien 733, Schweiz 682, Frankreich 228, Schweden 192 und Belgien 54 Mark. Die Warschauer „Agudas Hoortodoxim“. (eine Gründung der Frankfurter Agudas Isroel) richtete an den Polnischen Staatsrat eine Huldigungsadresse, die zusammen mit der Erwiderung des Staatsrat im „Jüdischen Wort“ abgedruckt ist. Die orthodoxe Vereinigung spricht in ihrer Eingabe die Hoffnung aus, daß es den Juden und ihren Kindern im neuen Polen nicht verwehrt sein werde, „dem Gott ihrer Väter in den geheiligten Formen zu dienen“. Der Staatsrat versichert, daß „das im Entstehen begriffene polnische Reich den zerrissenen Faden der geschichtlichen, durch religiöse Duldsamkeit gekennzeichneten Überlieferung wieder aufnehmen und den in Polen wohnenden Juden das Recht auf ihren uralten Glauben verbürgen werde.“ Irgendwelche nationale oder kulturelle Rechte des jüdischen Volkes werden, bezeichnenderweise, in dSefr Huldigungsadresse wie in der Antwort auf dieselbe mit keinem Worte berührt. Unter den Warschauer Assimilanten. Zu den bis jetzt bestehenden Strömungen der Assimilation in Warschau, wie der „extremen Assimilanten“ und den „Neoassimilanten“ kam vor kurzem eine neue Abart der Assimilation hinzu, die sich „Aktivisten“ nennt. Diese „Aktivisten1“ beschuldigen die alten Führer der Passivität und Isolierung von den jüdischen Massen, die den Weg zur Wahrheit noch nicht fanden. Sie begnügen sich daher nicht mit ihrer persönlichen Polonisierung, sondern fühlen sich berufen, eine ausgedehnte Polonisierungstätigkeit zu entfalten. Zu diesem Zweck planen sie einen jüdischen Turnverein „Berek Joselewitz“ ins Leben zu rufen, der die national-jüdischen Turnvereine „Makkabi“, „Amasa“ usw. bekämpfen soll, einen Verein jüdischer Handelsangestellter zu gründen, der die Mitglieder zu „polnischem Fühlen und Denken“ verpflichten soll, und sogar einen orthodox-assimilatorischen Verein für die chassidische Jugend zu etablieren. Wie die Entente in Amerika Stimmung macht. Arno Dosch-Fleurot, der Petersburger Korrespondent des New Yorker „World“ drahtet seinem Blatte, er hätte „aus einer ausgezeichneten Quelle Kenntnis, daß die russischen Juden noch vor der im Februar erwarteten Dumaeröffnung alle Freiheiten erhalten sollen. Das Projekt werde unterstützt durch den Minister des Innern Protopopow und auch durch die orthodoxe Geistlichkeit.“ Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten, William Taft, hielt in Washington zwei Vorträge über „Die Rolle der Juden in der Geschichte“, die die Aufmerksamkeit der weiten amerikanischen Öffentlichkeit hui sich lenkten. Im ersten Vortrag ging der Redner auf die Eigenart der Juden ein, die sich trotz aller Verfolgungen und trotz ihrer Zerstreuung bis heute ihr individuelles Gepräge bewahrt haben, und schilderte die großen Verdienste der Juden um die wirtschaftliche und geistige Entwicklung aller modernen Staaten Europas und Amerikas, in denen ihnen die rechtliche Freiheit eine hemmungslose Entfaltung ermöglichte. Der zweite Vortrag war der gegenwärtigen Lage der Juden gewidmet. Der Redner sprach die Ansicht aus, daß die einzelnen kriegführenden Staaten beider Koalitionen den aufrichtigen Wunsch haben, nach Beendigung des Krieges die Bedürfnisse ihrer Juden zu berücksichtigen. Er betonte aber, daß eine solche partikuläre Lösung keineswegs ausreichend sein kann und daß die Judenfrage in ihrer ganzen Größe nur auf der bevorstehenden Beratung der Vertreter aller Staaten aufgerollt werden kann und muß. Die Vereinigten Staaten von Amerika — sagte der Redner — sind verpflichtet, ihren Einfluß geltend zu machen, um dieses alte und jetzt so akut gewordene jüdische Problem auf die Tagesordnung des künftigen Friedenskongresses zu stellen. Der französische Munitionsminister über die Zukunft der Juden. Albert Thomas äußerte in einem Interview die Meinung, daß Palästina das Zentrum eines nationalen Lebens der Juden werden könne, das auch diejenigen um sich vereinigen würde, die in andern Ländern wohnen und dort ihr Vaterland haben. Betreff der Juden in Rußland und Rumänien äußerte sich Albert Thomas äußerst reserviert. Er ist der Ansicht, daß sich diese beiden Länder betreffs der Judenfrage nicht viel von den alliierten Ländern beraten lassen werden, da sie diese wichtige Frage als eine reine innere Landesangelegenheit betrachten würden und es ablehnen, sich von befreundeter Seite Vorschriften machen zu lassen. Diese Äußerung des französischen Ministers ist eine äußerst wichtige, aber keinesfalls für die unterdrückten Juden erfreuliche. literarisches Echo Fredrik Book. „Deutschland und Po- 1 e n“. F. Bruckmann, München, M. 2.— Der Schwede Fredrik Book hat im Frühjahr 1916 eine Reise nach Polten unternommen und seine Eindrücke im „Svenska Dagbladet“ veröffentlicht. Diese Zeitungsaufsätze liegen nun gesammelt in der vorzüglichen deutschen Übersetzung von Friedrich Stieve vor. Von der Anschauung ausgehend, daß die Judenfrage eines der wichtigsten Probleme für Polen darstellt, widmet Book den „Juden in Warschau“ und der „Zukunft der Ostjuden“ mehr als ein Viertel seines Buches. Die Warschauer Juden machen auf den unvoreingenommenen Skandinavier einen unerfreulichen und sogar komischen Eindruck: „Es mag für menschenfreundliche Ohren grausam und leichtsinnig klingen, es mag die jüdischen Nationalisten verletzen, aber ehrlich gesagt, es ist unmöglich, der grotesken Komik zu widerstehen, die die Juden umgibt“. Nun, das ist wohl Geschmacksache. Einige weitere Bemerkungen des Autors sind aber mehr nach unserm Geschmack: „Die einzelnen Individuen werden erst begreiflich, wenn man das ganze Volk gesehen hat — sie sind doch

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