Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 11 (16.3.1917)
- Date
- 1917-03-16
- Page
- Seite 127 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 127 mäßige Repräsentanz, jede zwei Delegierte entsenden dürfen, in gleicher Weise, wie die Repräsentanz in dem Senat der Vereinigten Staaten geordnet ist.“ Dadurch wird die Total-Mitgliederzahl des Kongresses ein wenig vermindert werden, da nur 45 derartige Organisationen bestehen. In diesem Falle werden also die Organisationen 90 Delegierte entsenden dürfen und alle Stimmberechtigten zusammen 270. Es wird also insgesamt 360 Delegierte geben. Die Nachmittagssitzung war dem Bericht gewidmet, den die „Kommission zur Wahl von Mitgledern in die verschiedenen Kommissionen“ ausgearbeitet hatte. Es sollten nach dem Vorschlag des Berichtes Kommissionen für die Lage der Juden in Rußland, Rumänien, Galizien, Polen, Litauen, Palästina, Balkan-Staaten und Saloniki ernannt werden. Außerdem wurde die Bildung folgender Kommissionen empfohlen: für Hilfe zum Wiederaufbau, für internationalen Verkehr (Korrespondenz) und eine besondere Kommission, um gegebenen Falles Lücken im Administrationskomitee auszufüllen oder dies zu erweitern. Die Debatte war wieder sehr lebhaft, als die Diskussion über die für die Lage der Juden in Rußland und Palästina einzusetzenden Kommissionen begann. Die einen schlugen vor, daß die Kommission für die Judenfrage in Rußland nicht ihre eigenen Vorschläge dem Kongreß vorzulegen hätte, sondern sich darauf beschränken solle, die Wünsche der verschiedenen Parteien innerhalb der russischen Judenheit vorzutragen. Die anderen behaupteten, daß der amerikanisch-jüdische Kongreß als Sprachrohr der Judenheit der ganzen Welt zu betrachten und deshalb berechtigt sei, seine eigenen Vorschläge zu machen. Es wurde endlich beschlossen, daß die Kommission die Wünsche der verschiedenen Parteien berichten und zu gleicher Zeit auch ihre eigenen Vorschläge vorlegen soll. Welt-Echo Die Judenfrage in der bayerischen Abgeordnetenkammer. In der Sitzung am 9. März sagte Abg. Kohl Gib. Vgg.) im Verlaufe seiner längeren Rede: „Wenn verlangt wird, daß keine geistige Richtung und Anschauung vom Offiziersberuf ausgeschlossen werden darf, dann muß man auch dafür eintreten, daß auch Dissidenten und Juden Offiziere werden können. Der Antisemitismus wuchert jetzt ganz kolossal. Ich bin kein Philosemit und kein Antisemit, ich nehme den Juden einfach als Menschen und, wenn er ein Deutscher ist, als Deutschen. Vor dem Krieg haben die Antisemiten immer gesagt: Wir wollen keine jüdischen Offiziere. Die Folge war, daß der Jude nicht Offizier werden konnte; hatte er nun einen wohlwollenden Vorgesetzten und war der Jude ein tüchtiger Soldat, so sagte der Vorgesetzte wohl zu ihm: Offizier können Sie nicht werden, wie die Verhältnisse einmal liegen, also schlagen Sie die Beamtenkarriere ein! Daher kommt es, daß nun so viele Juden in den Proviantämtern sitzen. Jetzt beklagen Sie sich wieder darüber, Sie haben die Juden aber selbst dahineingezwungen! Was der Abg. Beckh über die Juden gesagt hat, ist nicht zum Heile des Vaterlandes. Seine Ausführungen müssen den Keim der Zwietracht in das Heer hineingetragen. Die jüdischen Soldaten haben ihr Blut und ihr Leben im Kampfe für das Vaterland ebenso geopfert wie die übrigen Soldaten, sie haben diaher auch Anspruch auf dieselbe Achtung. Auch viele jüdische Mütter und Väter beklagen den Tod ihres einzigen Sohnes, und es ist nicht christlich, nicht menschlich und nicht deutsch, in dieser Zeit des allgemeinen Unglücks die bekümmerten Herzen von jüdischen Eltern in dieser Weise anzugreifen. Mir sagte jüngst ein Jude: Wir sind in einem geistigen Ghetto und wir wissen nicht mehr, was wir tun sollen; ich habe 19 Angehörige im Felde und ich habe meinen Sohn verloren; was können wir dafür, wenn einzelne Juden sich so führen, daß alle anständigen Juden dies selbst mißbilligen? Nach dem Krieg wollen wir Abrechnung halten mit denen, die in diesem Krieg sich an der Not des deutschen Volkes bereichert haben. Aber wir wollen dabei Vorgehen, ohne Rücksicht darauf, ob der Betreffende ein Christ oder ein Jude ist. Wenn wir allerdings beim Friedensschluß fremde Bestandteile in unser Volk aufnehmen wollen und wir sind bisher nicht einmal mit den paar Juden fertig geworden, dann sieht es schlecht aus.“ Die neue Augsburger Synagoge an der Haiderstraße soll in wenigen Wochen der Benützung übergeben werden. Das Bauwerk, das in das Stadtbild eine besondere Note gebracht hat, ist aus einem vor fünf Jahren unter den Baukünstlern Bayerns abgehaltenen Wettbewerb hervorgegangen, bei dem dem Projekt der Architekten Dipl.- Ingenieur Fritz Landauer-München und Dipl.-Ing. Heinrich Lömbel-München die beiden ersten Preise mit je 2500 Mark zuerkannt wurden. Dieses Projekt ist mit geringen Abänderungen später auch zur Ausführung gekommen. Jüdische Verlobungen in Hamburg. Einen interessanten Beitrag zur jüdischen Bevölkerungsstatistik bietet ein Vergleich der Anzahl der jüdischen Verlobungen in Hamburg während der letzten vier Jahre. Diese Zahl betrug im Jahre 1913: 122, 1914: 78, 1915: 33 und 1916: 46 Verlobungen. Tritt auch hier die betrübende und schon wiederholt in der jüdischen Presse und Literatur erörterte Algemeinerscheinung eines Rückganges der jüdischen Eheschließungen mit ihrem ungünstigen Einfluß auf die jüdische Bevölkerungsstärke in Deutschland zutage, so ist es doch tröstlich, daß der kolossale Rückgang des Kriegsjahres 1915 (auf etwa 25 Prozent der Hamburger jüdischen Verlobungen des Jahres 1913) im Jahre 1916 wieder einer aufsteigenden Richtung folgt. In anderen jüdischen Gemeinden Deutschlands werden wohl )diese Verhältnisse sich ähnlich gestaltet haben. Die Jüdische Presse in Ungarn. Das Budapester Blatt „Zsido Szemle“, das bisher halbmonatlich erschien, ist dank der tatkräftigen Unterstützung U!!ll!lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!llllill!ll!lllllllllllll!llllll!llllllllllllllllllllllll!ll!l[|||||||||||||im „ES KR" KLEINKÜNST- VER5RND MÜNCHEN PSea5e' Ausstellung aller Zweige des Kleinkunst-Gewerbes ...