Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 11 (16.3.1917)
- Date
- 1917-03-16
- Page
- Seite 126 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Das Jüdische Echo Nr. 11 dingungen zu offenkundigen Realitäten werden, stoßen sie auf heftigen Widerstand. Es mag von einem persönlichen Standpunkt tragisch erscheinen, daß ein Mann wie Schiff, der in seinen früheren Mannesjahren viel Zeit und Gedanken auf die Probleme des Judaismus verwendet hatte, in seinem Alter einen Widerstand erfahren muß, der seine Absichten als veraltet und jedes Verständnisses für die wichtigsten jüdischen Tagesbedürfnisse bar bekämpft. Und doch kann niemand, der das Problem philosophisch betrachtet, in ihm etwas anderes sehen als die tägliche Tragödie der menschlichen Entwicklung, welche unter Mißachtung der Dankbarkeit und in Erfüllung ihrer eigenen natürlichen Gesetze vorwärts drängt. Gleichzeitig mit dem wachsenden Übergewicht der amerikanischen Judenheit auf dem Kongreß, der über die jüdische Weltfrage beraten soll, wuchs auch die Wichtigkeit des Problems der inneren amerikanischen Uneinigkeiten. Der Wohnsitz der östlichen Judenheit wurde zum Schauplatz eines Weltkrieges, was den ostjüdischen Problemen auch innerhalb des Wirkungskreises der Westmächte eine politische Bedeutung verleiht. Für die Behandlung dieser Probleme ziehen die Mächte ihre eigenen westlichen Juden als Berater heran. So lange sie ihre Ratschläge vom Standpunkte Außenstehender erteilen, wird ihre Interpretation östlicher Probleme, trotz aller Brüderlichkeitsgefühle, eher vei letzend als fördernd wirken. Und so hören wir Herrn Schiff die verderblichen Anzeichen des jüdischen Nationalismus, des einzigen ohne Kompromisse wahrhaften Ausdrucks des Lebens jüdischer Massen auf ihrem heimatlichen Boden, in leidenschaftlicher Weise anklagen, und mit einem Paul Nathan und James Simon in einem unnatürlichen Bunde Hand in Hand arbeiten! Aber trotz aller dieser Kritik wird das jüdische Amerika und das Judentum überhaupt Herrn Schiffs Großtaten nicht so leicht vergessen. Und bei ihrer Würdigung legen wir weniger Gewicht auf jene finanziellen Aktionen der Mildtätigkeit, welche am heutigen Tage überall gefeiert werden dürfen, Geldunterstützungen, welche vielleicht auch von viel ärmeren Leuten im Verhältnis erreicht oder überboten wurden. Was wir nachdrücklicher als alles andere hervorheben, ist seine ernste Auffassung der Pflicht gegen alles, was jüdisch ist, ein ethischer Ernst, den selbst seine Gegner anerkennen, und seine immer vorhandene Bereitschaft, für die Lösung jüdischer Fragen zu arbeiten, nicht nur mit seiner Börse sondern mit größtmöglicher Anstrengung seiner geistigen Hilfsmittel. In Anbetracht dessen kann es sich Herr Schiff wohl leisten, auf alle Angriffe, die gegen ihn gerichtet wurden, mit ruhiger Resignation zu blicken. Sein Verlangen nach Frieden in Israel ist der natürliche Wunsch eines Mannes, welcher nach langen Kämpfen sich eines friedlichen Alters erfreuen möchte. Aber das jüdische Volk und dessen Probleme gestatten kein Nachlassen des Wettstreites. Friede, ein Zeichen der Resignation, ist schon für das Individuum abträglich, und noch viel mehr für ein Volk. Jakob Schiff feiert seinen siebzigsten Geburtstag in der Mitte eines jüdischen Volkes, das neuerdings in Aufregung versetzt ist und für neue Ziele kämpft, die in den Einzelheiten ihrer Begründung ihm vielleicht wesensfremd sind. Aber trotz der instinktiven Selbstsicherheit einer siebzigjährigen Erfahrung und Autorität wird er, denken wir, in der Stille seines Heims am Getümmel jüngerer Kräfte draußen einige Freude haben, und er kann sich mit Zuversicht ein großes Maß jüdischen Fortschritts für die Zeit versprechen, wenn unsere rührige Jugend sein Alter und seine Erfahrung erreicht haben wird. Deutsch von P. E. Vom amerikanisch»jüdischen Kongreß. Am 14. Januar hielt das Administrationskomitee des Exekutivkomitees seine zweite Sitzung ab. Professor Isaac H o u r w i c h beantragte die Wahl von 295 Delegierten aus den verschiedenen Kongreßdistrikten, in welche die Vereinigten Staaten zu diesem Zwecke eingeteilt werden müßten. Außerdem sollten noch 100 Delegierte (25 Prozent der Gesamtzahl nach dem Übereinkommen) von den verschiedenen amerikanisch-jüdischen Organisationen gewählt werden. Allen Juden und Jüdinnen im zur Wiahl berechtigten Alter steht die Wahl frei. Diejenigen jedoch, die keiner Organisation angehören, können sich zum Zwecke der Kongreßwahlen in besondere Kongreßorganisationen zusammenschließen. Es folgte eine lebhafte Debatte. Louis Marshall trat für die demokratische Durchführung der Wahlen ein. Er schlug für die jüdischen Kongreßwahlen das System der städtischen, staatlichen und nationalen Wahlen vor, nämlich nach Wahldistrikten. Wegen der andersgearteten Konstitution des jüdischen Gemeinlebens in Amerika wurde dieser Vorschlag abgelehnt. Die Hauptdiskussion rief jedoch die Frage der Vertretung der „nationalen (d. h. amerikanischjüdischen) Organisationen“ hervor. Einander widersprechende Definitionen des Begriffes „nationale Organiationen“ wurden gegeben, und der Bericht wurde schließlich dem „Komitee für Wahlmethoden“ zur nochmaligen Beratung zurückgegeben. Der nächste Bericht wird in zwei Wochen erstattet werden. Man glaubt jedoch schon heute, daß folgender Modus angenommen werden wird: „Alle diese Organisationen werden eine gleich- Kostümfabrik F. u. A. Diringer München, Herrnstraße 23, Hochbrückenstraße 13 königl. bayer., königl. Württemberg., grossberzogl. badiaebe Hoflieferanten Bankkonto: K. Filialbank, München und Bankhaus Martini u. Simader, München. — Postscheckkonto: Nr. 3613 München. Telegramm-Adresse: „Diringer München“. — Teiephon-Nr.: 21774, 21775, 21776. Gro&to Fabrik und Verlelhanstalt diaaor Art In Deutschland. Vorrat von Sbor BOOOO Kostümen aus allen Zelten u. allen Landern. 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