Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 11 (16.3.1917)
- Date
- 1917-03-16
- Page
- Seite 121 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 121 ganisieren und an den Wiederaufbau der Föderation zu schreiten. Es ist herzerfreuend, wie die Jugend hier stürmt, die ältere, Initiative und Entschlußkraft entbehrende Generation mahnt, ihre Pflicht zu erfüllen und ihr in kräftigen Worten sagt, daß der Ernst und die Bedeutsamkeit der Zeit Schweigen oder Resignation nicht vertrage. Die Energie, mit welcher die Jugend ihre Bestrebungen verfolgt, berechtigt zur Hoffnung, daß sie ihr Ziel der Aktivierung und organisatorischen Zusammenfassung der ostjüdischen Zionisten in Holland und ihrer der Schwere des Augenblicks entsprechenden Stellungnahme zur Zeitlage erreichen wird. Der Eintritt östlicher Zionisten in den holländischen Zionistenbund verwandelte das hier bisher theoretische Problem Ost und West in eine aktuelle Frage, die in steigendem Maße auf die innere Entwicklung des Bundes einwirkt. Die Plötzlichkeit der Einwanderung, ihr Massencharakter und die gerade in Holland scharf ausgeprägte Gegensätzlichkeit zum ostjüdischen Wesen und Milieu machten naturgemäß restlose Übereinstimmung in Arbeitsweise und Parteitaktik zur Unmöglichkeit. Das rein organisatorische Moment überwuchert im holländischen Judentum und Zionismus. Nüchterne Theorie ist hier die Grundlage zionistischer Gesinnung. Temperament, Tiefe der Empfindung, Enthusiasmus, die Grundzüge des östlichen Zionismus sind in Holland unbekannte Erscheinungen. Sie finden hier bestenfalls Verständnis, selten Widerklang. „Das holländische Judentum schwimmt in Organisationen“, wie ein ausnahmsweise sehr temperamentvoller Zionist unlängst im holländischen Parteiblatt, dem „Joodschen Wächter“ erklärte, aber das jüdische Zusammengehörigkeitsgefühl ist nur sehr schwach entwickelt. Betrübende und beschämende Kennzeichen dieses Mangels wahrer Solidarität ist die Ignorierung der durch den Krieg so akut gewordenen Ostjudenfrage durch die kürzlich abgehaltene Zonistentagung. Man streifte sie nur mit wenigen Worten in der Eröffnungsrede. Das gleiche Schicksal hatte die amerikanisch-jüdische Kongreßbewegung. Hier allerdings war vielleicht auch, eine gewisse Skepsis mitbestimmend. Man sieht in Amerika das Land des Bluffs und hat kein rechtes Zutrauen gegenüber amerikanischen Berichten. Auch von einer Besprechung der Situation im Zionismus sah man ab. Der Gesichtskreis holländischer Juden und Zionisten reicht selten über lokale Angelegenheiten hinaus. Man hat und fühlt keinen innigen Zusammenhang mit den Judengemeinschaften des Auslandes, Die jüdische Gemeinde Amsterdam schlug rundweg die Subventionierung einer Vereinigung ab, die sich der Sorge der Flüchtlinge widmet. 1300 jüdische Emigranten sind infolge des Unterseebootkrieges zum Aufenthalt in Rotterdam gezwungen. Sie sind in den Hotels der Holland-Amerika-Linie untergebracht und erhalten als einzige Nahrung Butter, Brot und Hering. Der Rabbiner der Gemeinde Rotterdam hat nicht ein einziges Mal diese Unglücklichen aufgesucht und auch nichts zur Beseitigung der Mißstände getan, während die Missionare unter diesen zermürbten und durch Zukunftssorgen niedergedrückten Flüchtlingen ungehindert ihre Tätigkeit entfalten. Doch sind auch erfreuliche Tendenzen wahrnehmbar. Die lieblose Haltung der Gemeinde Amsterdams fand entschiedenen Protest in der Öffentlichkeit. Auch in dem Zionistenbund fehlt es nicht an Versuchen — sie gehen namentlich von A. B. Kahn in Amsterdam aus — einen frischeren, lebendigeren Kurs durchzusetzen und die heute lediglich durch Doktrinen beherrschte Organisation zu veranlassen, sich der Gegenwartsarbeit zu widmen. Es ist sehr fraglich, ob sich ein festes, ostjüdisches Zentrum in Holland bilden wird. Eine starke Abwanderung nach dem Kriege ist nicht unwahrscheinlich. Auch scheint es, daß Holland zu den ersten Ländern gehören wird, die nach dem Krieg eine Massenzuwanderung von Ostjuden nicht zulassen werden. Die holländische Regierung hat vor wenigen Wochen bereits ein vorläufiges Verbot der Grenzüberschreitung durch Emigranten erlassen, da ihr Weitertransport nach Amerika durch den verschärften Unterseebootkrieg im Augenblick unmöglich ist. Doch wird hoffentlich eine genügende Menge Ostjuden im Lande verbleiben, um das holländische Judentum aufzufrischen und vor der Gefahr der Isolierung, Erstarrung und des Verlustes jedes Zusammenhanges mit dem jüdischen Volke zu bewahren. Was ist die höchste Bestimmung des jüdischen Volkes? Von Hillei Zeitlin-Warschau. (Vergleiche auch die Nr. 9 und 10 des „J. E.“). Leugne ich denn, daß Israel eine besondere Aufgabe auf der Welt zu erfüllen hat? Leugne ich denn, daß Israel überhaupt ein Volk des Geistes ist? Leugne ich denn, daß Israel „ein Licht für die Völker“ und „ein Zeuge für die Nationen“ ist? Ich glaube aber, daß Israel, eben weil es eine sehr hohe Bestimmung in der Welt zu erfüllen hat, vor allen Dingen sein Volkstum befestigen und nach Möglichkeit alle Feinde des jüdischen Nationalismus bekämpfen muß, ganz gleich, ob sie ihre assimilatorischen Lehren offen bekennen, oder unter dem Käppchen eines Orthodoxen verstecken. Israel ist tatsächlich ein „auserwähltes Volk“; unterstreicht man aber das Wort „auser wählt es“, so soll man auch das Wort „V o 1 k“ unterstreichen. Wie kann man sich aber ein Volk ohne eigene Sprache denken, ohne eine eigene Kultur, ohne eigene Lebensformen? Und wie kann ein Volk existieren, wenn es nicht für seine bürgerlichen und nationalen Rechte kämpft? ^AAAAAAAAA^AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAS t tDofjlfeiie KünftIer*poftharten fmö bie „3ugenb"=^3oftharten. 2>ie Sammlung umfaßt 152 uerfdjiebene harten unö 28 Kriegs* ‘pokftarten, alles farbige SBiebergaben nad) in ber SDlündjner „Sugenb“ oeröffentließen 3eid)nungen. 3xo& grojjer ‘Preisfteigerungen in ber <r>erftellung Ijaben mir ben alten ‘preis oon 10 Pfennige für jebe Karte beibetjalten, fo bafj bie (,3ugenb"*lpoftkarten Jjeute öie inlligften Künftlerfarten finb. Slluftr. 33eraeid)niffe oerfenbet hoftenfrei ber Per lag öer „Jugenö" 2 SEKünrfjen, ßeffingftrafje 1