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Das jüdische Echo · 1917-03-09 · 10 (9.3.1917) · p. Seite 114

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
10 (9.3.1917)
Date
1917-03-09
Page
Seite 114 (sequence 6)
Language
German
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114 Das Jüdische Echo Nr. 10 Die Teilnahme ist unentgeltlich. Für die Teilnehmerinnen an den Kursen stehen aus dem Julius Bleichröderschen Legat einige Stipendien zur Verfügung. Ein Oberfeldrabbiner für die von den österreichischen Truppen besetzten Gebiete in Polen ist in der Person des bekannten Lemberger Historikers Professor Dr. Meyer Balaban ernannt worden. Zu den Obliegenheiten des neuen Oberfeldrabbiners gehört die Organisation der jüdischen Feldseelsorge und die Vertretung der jüdischen Feldseelsorger nach außen hin bezw. gegenüber dem Oberkommando und den Organisationen der beiden christlichen Bekenntnisse. Der neue Oberfeldrabbiner, der in Lemberg als Religionsschullehrer und als Privatdozent tätig ist, hat sich durch seine historischen Arbeiten zur Geschichte der Juden in Polen einen ansehnlichen Ruf erworben. Amerikanische Hilfe für jüdische Flüchtlinge. Der amerikanische Botschafter in Wien, Penfield, hat, wie die „Voss. Ztg.“ meldet, im Aufträge des Staatssekretärs Lansing die von einflußreichen israelitischen Wohltätigkeitsgesellschaften in New York gesammelten 250 000 Dollars der Wiener Abteilung der „Alliance Israelite“ übergeben. Der Betrag ist zur Unterstützung galizischer Juden und jüdischer Flüchtlinge in den besetzten Gebieten und galizischer Flüchtlinge in Österreich bestimmt. 25 000 Dollars sind zur Unterstützung von Juden in den besetzten Gebieten Rumäniens und Serbiens bestimmt. Zum Verbot der Trambahnbenützung durch jüdische Flüchtlinge in Prag lesen wir im letzten „Simplicissimus“: In Prag ist den galizischen Juden die Benützung der elektrischen Straßenbahn untersagt. Seit gestern ist der Verkehr auf der letzteren wegen Kohilenmangels eingestellt. Heute erschien in der „Bohemia“ nachstehende Notiz: „Wie wir hören, beabsichtigt der Prager Magistrat für die Dauer der Verkehrseinstellung das Verbot der Straßenbahnbenützung durch die galizischen Juden aufzuheben.“ — Weit schlimmer als das Verbot ist vielleicht, daß die armen Flüchtlinge zu solchen und ähnlichen Witzen herhalten müssen! Eine Millionenstiftung für jüdische Waisen. Dem „Lemberger Tagblatt“ zufolge hat Herr Baruch Lindenbaum aus Boryslaw 2V2 Millionen Kronen für jüdische Waisen gestiftet. Uber den bekannten Bundistenführer W. Medern lesen wir im Londoner „Jewish Chronicle“ vom 3. Februar, daß er von den deutschen Behörden (die ihn bekanntlich bei der Besetzung Warschaus aus dem Gefängnisse befreiten) in ein Konzentrationslager verbracht worden sei. — Diese aus Petersburg (!) datierte Nachricht ist glatt erfunden: Mederns Wochenschrift „Lebensfragen“ erscheint nach wie vor und ist immer noch von ihm selbst verantwortlich gezeichnet. Aus Brüssel meldet das „Joodsch Corresp.-Bureau“, daß sich dort, in Gegensatz zu den Friedenszeiten, ein starkes jüdisches Leben entwickelt, das sich bereits in der Gründung einer jüdischen Schule auf nationaler Grundlage, die etwa hundert Schüler zählt, geäußert hat. Judenfeindliche Strömungen in England. Deutliche Symptome judenfeindlicher Tendenzen im öffentlichen Leben Englands erzeugen eine wachsende Unruhe in den englisch-jüdischen Kreisen. Die Leitung des Board of Deputies, der größten jüdischen Organisation Englands, beschäftigte sich in einer ihrer letzten Sitzungen mit der Frage rechtzeitiger und planvoller Maßnahmen zur Abwehr der erwachenden antisemitischen Strömung. Die Haltung der kanadischen Lokalregierung, welche einen jüdischen Farmer wegen „Sonntagsentweihung“ bestrafte, der Beschluß einer englischen Schule, jüdische Schulkinder, wenn sie keine Sabbathentweihung vornehmen wollen, vom Schulbesuch auszuschließen, der in der englischen Presse geäußerte Wunsch, die jüdischen Blätter zu verbieten, die neuen Naturalisationsgesetze, welche auch einem großen Teile im Lande geborenen Juden das Bürgerrecht nehmen, lassen die Besorgnisse der englischen Judenheit gerechtfertigt erscheinen. (Isr. Fambl.) Die Entente und die Judenfrage. Wie dem „Nieuwe Rotterd&msche Courant“ aus England berichtet wird, veröffentlicht Kapitän Trumpeldor, der in dem zionistischen Mauleseltierkorps, das seinerzeit in Alexandrien gebildet worden war, dient, in den englischen Blättern einen Brief, in dem es unter anderem heißt: Bis jetzt haben die Alliierten kein Wort über die Judenfrage gesagt. In ihrer Antwort an Wilson wird jede bedeutsame Frage berührt, aber die Judenfrage wird nicht erwähnt, als ob diesbezüglich alles in Ordnung wäre, und sie nicht in Wahrheit ein vitales Problem wäre, das seit Jahrhunderten für Juden und Nichtjuden an Bedeutsamkeit gewinnt. Hat man sie vergessen oder ihre Existenz geleugnet? Ist es möglich, daß die Alliierten glauben, daß eine durch Blut gereinigte neue Welt auf humaner Grundlage entstehen kann, ohne daß die Judenfrage zur radikalen Entscheidung gebracht wurde? Die Juden haben in England immer ihren besten Freund und Beschützer erblickt, aber das Bündnis mit Rußland und Rumänien, wo die Juden nur Stiefkinder sind —■ hat die Sympathie vieler Juden für England erkalten lassen. Jüdische Flüchtlinge in England. Die „Frankf. Ztg.“ meldet aus dem Haag: Im englischen Unterhause regte Dalziel die Frage der Behandlung jener aus Rußland wegen Mißhandlung nach London vor dem Kriege geflüchteten Juden an, von denen Hunderte wieder nach Rußland ausgeliefert worden waren. Bonar Law sagte, die Regierung begreife es, daß es Ärgernis errege, wenn zahlreiche Ausländer an ihren Wohnorten verbleiben dürfen, während die englischen Untertanen in demselben Lebensalter gezwungen würden, die Waffen zu ergreifen. Immerhin seien Verhandlungen zwischen der englischen und der russischen Regierung im Gange. Dabei sei grundsätzlich festgelegt worden, daß Männer, im dienstfähigen Alter vor die Wahl gestellt werden sollen, ob sie sich dem englischen Heere anschließen oder in ihr eigenes Land zurückkehren wollen. Der irische Nationalist Dillon stellte hierauf die Frage, ob man die russischen Juden nicht nach Amerika auswandern lassen könne, was Bonar Law verneinte. Auf eine weitere Frage des nationalisti- TO Bad Reichenhall to Pension MarKowlcs Villa Gerstmayr bleibt auch über Pesach geöffnet. M a z z o s sind mitzubringen. Anmeldung bis 20. März erbeten.

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