Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 10 (9.3.1917)
- Date
- 1917-03-09
- Page
- Seite 113 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 113 Wenn wir den Pentateuch aufschlagen und mit innigem Veiständnis, mit innigem Gefühl und der größten .Aufmerksamkeit jedes Wort lesen, rach dem wundervollen Ausspruch unserer Vorfahren: „Das Tun der Väter ist ein Merkzeichen für die Kinder,“ so finden wir überall das, was man hebräisch fWlN1? nnrvnn (nationale Absonderung) nennt. Und warum erzählt uns die Thora lange Geschichten darüber, daß Joseph durchaus verlangte, daß man seinen Brüdern das Land Gosem gebe, und noch allerlei andere Maßregeln ergriff, wenn er nicht den Zweck verfolgte, seine Brüder von den anderen Völkern abzusondern? Ich könnte leicht beweisen, daß die ganze Thora von der Idee der nationalen Absonderung des Volkes Israel durchdrungen ist. Dies würde mich aber zu weit führen. Ich begnüge mich vorläufig damit, was in meinem ersten Aufsatz gesagt ist, und glaube, daß ich dem Leser genug Anregung gegeben habe, damit er selbst weiter suche. Deutsch von WM Ein Hilfswerk für Palästina. Kurz nach Kriegsausbruch hat eine Anzahl jüdischer Vereine und Organisationen in Deutschland sich zusammengeschlossen, um die blühende jüdische Siedlung in Palästina, die Kolonisten und Arbeiter, die Handwerker und Lehrer, kurz, alle Elemente der jüdischen Bevölkerung, die der Ausbruch des Krieges in schwere Bedrängnis gestürzt hatte, zu stützen, vor dem Hunger zu retten und vor dem vollständigen Zusammenbruch zu bewahren. Das Hilfswerk für Palästina hat vor kurzem seinen letzten Rechenschaftsbericht, erstattet vom Vorsitzenden des Verteiluneskumitees in Palästina, der Öffentlichkeit übergehen. Es geht aus diesem Bericht hervor, daß die Tätigkeit des Hilfswerkes in systematischer Weise erfolgt, so daß sie den größtmöglichsten Erfolg bringen konnte. Bis zum 1. Dezember 1916 wurden ca. 200 000 Mk. überwiesen. Bis zum 30. Juli 1916 wurden hiervon über 100 000 Francs ausgegeben, davon ca. 80000 Francs für Darlehen. Diese Darlehen wurden an die von der jüdischen Bevölkerung organisierten Darlehenskassen zur Förderung von Handwerk und Gewerbe, für Notstandsarbeiten, für Versorgung der Städte mit Weizen und Mehl, für Krankenkassen, als Darlehen an Schulen, landwirtschaftliche Gesellschaften, Arbeitergenossenschaften, Kolonien und landwirtschaftliche Betriebe, speziell auch zur Förderung von Gemüsekulturen gegeben. Dadurch wurde, so gut es ging, für die Erhaltung der wirtschaftlichen Existenzen gesorgt. Selbstverständ- ^®X9ex9eX£>(2XS)<2X£)3C?ex£)t2XSSOi(2XS)<ax5)©XSQX9?0( 1 Xgf. ‘Bayer, && ‘Porzetfan* I 'i \TKanufaßiar ‘Kympßenburg I y ffauptniederlage Q7{ünc£en: Ödeonsplafy 1 x (Kunst* a. ßuxusgegenstände, eCafef«, bessert*, Pj (Kajfeeu. Kleegescßirre, Figuren, Gruppen eie. Q nac6 afien Hympdenburger Original. Modellen. x Außerdem neue (formen und Wlodette nacß Gnt* jg K würfen erster fKüncfiner iKünstfer. K JKSXc)sxssxc)sxs<Css>re)!CS<sxasMra<sr»3Sxss?r3SXSiOE lieh mußten auch Unterstützungen und Subventionen für Arme, für die Familien einberufener Soldaten, für Krankenhäuser, Küchen usw. gegeben werden. Der sehr aufschlußreiche Bericht konstatiert, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas bewiesen hat, daß sie die Hilfsgelder, die durch das Hilfswerk gesammelt wurden, in sozialer Organisation für die Bedürftigen, aber auch gleichzeitig zur Erhaltung geleisteter Arbeit und zum Aufbau der jüdischen Gemeinschaft verwenden kann. Infolge der langen Dauer des Krieges und besonders mit Rücksicht auf die erschwerte Verbindung mit Amerika ist gerade jetzt eine Fortsetzung der systematischen Hilfstätigkeit für das Hilfswerk für Palästina erwünscht. Spenden werden an das Hilfswerk für Palästina, Postscheckkonto Berlin Nr. 4192 erbeten. Welt-Echo Die Judenfrage in der bayerischen Abgeordnetenkammer. Auf die Rede des Abg. Dr. Müller- Hof (vergl. J. E. Nr. 8) erwiderte Abg. Beckh in Ausführungen, die die Presse verschwieg. Am 21. Februar bemerkte Abg. Profit (Soz.): Im Hinblick auf die Ausführungen des Abg. Beckh über die „Judendrückebergerei“ wäre nichts bedauerlicher, als wenn wieder nach dem Kriege sich ein gewisser Antisemitismus breit machen würde. Der Kriegsminister hat auf die Ausführungen des Abg. Beckh nicht geantwortet; jedenfalls aber lassen die Ausführungen des Amtsvorgängers des Kriegsministers eine Stellungnahme der Militärbehörde nicht zu, wie sie der Abg. Beckh gewünscht hat. Kriegsminister v. Hellingrath: „Ich bin auf die Ausführungen des Abg. Beckh zur sogenannten Judenfrage nicht eingegangen, weil ich geglaubt habe, daß über die Stellung der Heeresverwaltung in dieser Beziehung ein Zweifel nicht möglich sei. Ich stelle hiermit fest, daß es für mich keinerlei konfessionelle Unterscheidungen in der Armee gibt. Ich kenne keine Juden und Christen in der Armee, sondern nur gute und schlechte Soldaten, genau so wie es für mich während des Krieges keine Parteien gibt, sondern nur Staatsbürger, die ihre Pflicht tun, und solche, die sie versäumen. Weil die innerhalb des Deutschen Reiches angeordnete Statistik über die jüdischen Feldzugsteilnehmer immerhin den Anschein erwecken konnte, als stehe sie im Gegensatz zu diesem Prinzip, bedauere ich die allerdings nicht beabsichtigte Wirkung dieser Maßnahme“. Das Schicksal Palästinas. Ein Genfer Telegramm der „Bayr. Staatsztg.“ vom 7. März meldet: Die seit Jahresfrist währenden Verhandlungen der Entente bezüglich Palästinas scheinen nach Überwindung der großen Gegensätze jetzt dem Abschlüsse entgegenzugehen. Die „Gazette de Lausanne“ meldet aus Paris, daß Palästina unter gemeinsamer Aufsicht der Entente, sowie unter Zustimmung Amerikas neutralisiert werden solle. Frankreich, das Ansprüche auf Palästina erhob, solle durch ausgedehnten Besitz in Syrien bis zur Euphratgrenze entschädigt werden, woselbst dann die russische Zone beginnt. Kurse im jüdischen Religionsuntrericht. Seitens der Berliner jüdischen Gemeinde werden Kurse unterhalten, durch die Lehrerinnen und Seminaristinnen Gelegenheit geboten ist, sich in sämtlichen Fächern des jüdischen Religionsunterrichts und in der Methodik dieser Disziplin auszubilden.