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Das jüdische Echo · 1917-03-02 · 9 (2.3.1917) · p. Seite 106

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
9 (2.3.1917)
Date
1917-03-02
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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106 Das Jüdische Echo Nr. 9 „Gar nicht so dumm!“ scherzt Reb Ojser. „Ich höre auf ihn wie auf die Katz’! Doch ich muß ihm sein unsauberes. Maul verstopfen. Also brauche ich die ganzen fünfhundert Rubel.“ „Und warum muß i c h alles hergeben?“ „Außerdem,“ fährt Mendel fort, „brauche ich etwas für die Hochzeit, wie es schon einmal der Brauch ist... Hochzeitskleider habe ich schon.“ „Und alles muß i c h geben?“ fragt Reb Ojser, etwas unzufrieden. „Warum gehst du nicht auch zu Berl, zu Chajim?“ Mendel Dalles gerät in Zorn: „Ich bitte dich, was willst du von mir? Habe ich denn die Kraft, in euren steinernen Gassen herumzulaufen und eure steinernen Treppen zu steigen? Ich soll in meinen alten Tagen vor fremden Türen warten?“ Er steht auf und spricht wutschäumend weiter: „Menschen wohnen in Gassen, die lang sind wie der Goles ... Es gibt mehr Treppen als Häuser ... Ich habe Asthma und soll herumlaufen? Lauf du herum! Oder gib mir das Geld, ohne herumzulaufen. Wo du es hernimmst, ist mir gleich ... Als ich Geld hatte, gab ich davon!“ Reb Ojser schweigt, und M'endel setzt sich wieder aufs Sofa. „Und wo bleibt der Tee?“ fragt er ungeduldig. Reb Ojser klingelt wieder, und aus dem nächsten Zimmer antwortet seine Frau, daß der Tee bald fertig wird. Mendel gähnt wieder. „Willst du denn wirklich, daß ich das ganze Geld hergebe?“ sagt Reb Ojser. „Du mußt doch jüdisches Erbarmen mit mir haben!“ „Gott behüte!“ erwidert Mendel. „Nimm das Geld, wo du willst! Ich kann aber nicht sammeln gehen. Ich kann einfach nicht!“ „Was kann ich dafür?“ „Hör einmal, Ojser! Ich brauche fünfhundert Rubel für die Mitgift und fünfzig Rubel für die Hochzeit; einige Hchzeitskleider habe ich schon, wie gesagt. Und was den Rest angeht, so werde ich ihm schon was pfeifen, dem alten Terach!4)... Im ganzen also fünfhundertfünfzig Rubel... Davon darf aber kein Dreier fehlen!“ Reb Ojser nickt mit dem Kopf. Er ist beinahe einverstanden. Aber . . . Mendel läßt ihn nicht zu Worte kommen. „Und von dieser Summe habe ich das!“ Er holt aus dem Busen einen zerfetzten leinenen Beutel und wirft ihn Reb Ojser auf den Schoß. „Zähle einmal nach!“ sagt er zu ihm. Reb Ojser nimmt den Beutel, holt einen Pack zerknüllter Banknoten heraus und zählt. Es sind hundertvierundsechzig Rubel. „Ich habe mein Häuschen verkauft,“ erklärt ihm Mendel, „daher habe ich das Geld!“ Ojser legt das Geld wieder in den Beutel und will ihn Mendel zurückgeben. „Nein,“ sagt Mendel, „ich habe geschwollene Füße . . . Herumgehen will ich nicht . . . Behalte 4) Terach — Abrahams Vater; der Name wird oft als Schimpfwprt gebraucht. das Geld bei dir . . . Ich habe also bei dir fünfhundertfünfzig Rubel! Ich lasse dir Zeit. Ich bleibe ja einige Tage hier, also hast du genug Zeit! Ich will bei dir etwas ausruhen und mich satt essen. Wenn ich verreise, wirst du mir eine Quittung geben, daß ich bei dir fünfhundert Rubel hinterlegt habe. Fünfzig Rubel für die Hochzeit und fünf Rubel für die Reise nach Ger5) wirst du mir in bar geben. Du kannst das Geld nehmen, bei wem du willst. Das geht mich nichts an .“ „Gut,“ brummt Reb Ojser. „In Ger werde ich bleiben,“ fährt Mendel fort.. „Und wenn ich später einmal Lust habe, komme ich zu dir für einige Wochen.“ Reb Ojser brummt wieder. „Schlafen werde ich,“ sagt Mendel, „wenn ich komme, hier auf diesem Sofa . . . Ein ausgezeichnetes Sofa!“ 5) Ger (Gora Kalvaria) bei Warschau — Sitz eines berühmten Zaddiks. Ostjüdische Volkslieder, Sprich« Wörter und Redensarten über den Purim. Gut Purim, gut Purim, meine liebe Leut! Wißt ihr, wos der Purim bedeut’? Der Purim bedeut’ Kreplach zu essen Un on mir nit zu vergessen! „Ach Adojni König, getreuer König, Ich kum beten un reden, As du sollst mich vun die Jiden obschejden!“ — „Ach Adojni König, getreuer König, Ich kumm reden und beten, As du sollst mich vun Homon-ha-Roscho retten!“ * * * Haint is Purim, morgen is aus, — Git mir a Groschen un warft mich araus! * * * As men hot auf Purim Jissurim,1) ist auf Pessach chojschech.2) (Wer zu Purim nichts hat, wird zu Pessach erst recht nichts haben.) As es kummt Purim, vergeht men on alle Jissurim. Wenn alle Tog soll sein der Nejss3) vun Purim, wos wollten Jiden gehat zu sorgen mit sejere Techter? (Die Töchter würden, wie einst Esther, in den königlichen Harem kommen.) Nit alle Purim trefft sich a Nejss. Purim is kein Jojm-tojw, Kadoches4) is kein Kränk. Purim senen alle Schikojrim5) nichtern. Purim-Koton meg men sich onschikojrn, ober Jojm-Kipur-Koton darf men nit fasten.6) Es i snit asoj me’ahawas7) Mordchaj, wie me’ssinas8) Homon. FREY & Ca Bankgesch München, Residenzstraße 3 (Eingang Hofgraben) Tel. 27946 Erledigung aller ins Bankfach einschlägigen Geschäfte

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