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Das jüdische Echo · 1917-03-02 · 9 (2.3.1917) · p. Seite 103

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
9 (2.3.1917)
Date
1917-03-02
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9 Das Jüdische Echo 103 Nach Eintritt der Türkei in den Weltkrieg haben einige Lehrer Palästina verlassen müssen. In letzter Zeit sind einige Lehrer zum Militärdienst einberufen worden. Trotzdem gelang es. den Unterricht in sämtlichen Klassen aufrecht zu erhalten. Für die fehlenden Lehrer konnten Ersatzkräfte gefunden werden. Fast jeden Sabbath findet ein Vortrag vor den Schülern der oberen Klassen statt. Ab und zu werden auch literarische und musikalische Abende veranstaltet. So veranstalteten die Schüler einen Abend zu Gunsten ihrer Kameraden im Heere. In den letzten Tagen wurde in der Aula des Gymnasiums eine Gedächtnisfeier für S. Frug veranstaltet, bei der die Herren M. Kahan und J. Steinberg Ansprachen hielten. Diese stille, ernste Zeit wird von den Lehrern dazu benutzt hebräische Lehrbücher zu verfassen. Einige sind bereits erschienen, einige andere befinden sich noch im Druck. Im dritten Kriegsjahr hat sich die finanzielle Lage des Gymnasiums sehr verschlimmert. Bei aller nur erdenklichen Einschränkung wird die Anstalt in diesem Jahre zur Erhaltung der 139 ausländischen Schüler sowie für das eigentliche Budget ca. 290 000 Frs. brauchen. Vorläufig kann man mit Sicherheit nur auf rund 110 000 Frs. an Bewilligungen und voraussichtlichen Einnahmen rechnen. Hoffentlich werden die treuen Freunde dieser Anstalt es an schleuniger Hilfe nicht fehlen lassen. Die Londoner Polizei gegen die russischen Juden. Die Londoner Polizei hat die auf den 13. III. festgesetzte Abhaltung einer allgemeinen Straßensammlung zu Gunsten des Unterstützungsfonds für russische Juden verboten. (M. N. N.) literarisches Echo Das jüdische Prag. Eine Sammelschrift, herausgegeben von der Redaktion der „Selbstw e h r“, Prag. K. 2.80. Das vornehm ausgestattete Heft in großem Format enthält eine Menge interessanten Materials. Die Schrift will die Leistungen des modernen jüdischen Prag auf literarischem und künstlerischem Gebiete zeigen und berührt die glorreiche Vergangenheit der Prager Judenschaft nur in zweiter Linie. Schon aus der Mitarbeiterliste ist zu ersehen, welch große geistige Kräfte dem heutigen jüdischen Prag innewohnen: die Dichter Max Brod, Franz Werfel, Hugo Salus, Oskar Wiener, Friedrich Adler, Oskar Baum, Franz Kafka, Auguste Hauschner; der Gelehrte Prof. Jerusalem- Wien; die Künstler Max Oppenheimer und Eugen von Kahler, von denen gar mancher zu den Zierden der deutschen Literatur gehört, sind lauter Prager Juden. Außer von diesen enthält die Schrift Beiträge von Martin Buber, Alfons Paquet, Engelbert Pernerstorfer, Hermann Bahr u. a. m. Reproduktionen nach Zeichnungen Strucks, Liliens, Feigls und anderer Künstler sowie nach alten interessanten Stichen und Drucken verleihen dem Buch einen besonderen Reiz. Außerordentlich interessant sind die das Buch beschließenden Aufsätze zur Geschichte des alten jüdischen Prag. Es wäre sehr zu wünschen, daß die diesem gelungenen Werke zugrundeliegende Idee auch in anderen jüdischen Zentren aufgenommen wird, und daß wir ähnliche Monographien aus andern Städten zu sehen bekommen. WHnaer Sammelbuch. Wilna 1916 (Jidisch). Auch dieses Buch ist das Dokument einer jüdischen Gemeinde, doch in einem ganz anderen Sinne. Das von Dr. med. Z. Schabad zugunsten der Wilnaer Kinderheime herausgegebene, 270 Seiten starke Buch handelt nur von dem, was von den Wilnaer Juden in den beiden Kriegsjahren auf dem Gebiete der öffentlichen Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen worden ist. Und das ist fürwahr erstaunlich! Das Buch besteht zum größten Teil aus sachlichen, trefflich orientierenden Berichten über Kinderheime, Kinderküchen, Kinderspielplätze, Bibliotheken, Schulen, Volksuniversitäten, Waisenhäuser, technische Schulen, Volksküchen, Arbeiterküchen, „billige Küchen“ und Wohltätigkeitsvereine verschiedenster Art. Geradezu rührend ist das Kapitel, das von Volksuniversitäten handelt, die in Wilna trotz der großen materiellen Not der Einwohner bestehen und sich eines guten Besuchs erfreuen. Man denke sich nur: es werden Kurse in jidischer und hebräischer Sprache abgehalten über Biologie, Physik, Chemie, Geschichte, Literatur und viele andere Fächer. Es ist aber zu bemerken, daß alle diese Wohltätigkeits- und Kultureinrichtungen fast ausschließlich von den untersten Schichten der Bevölkerung, unter Leitung einiger Intellektuellen (der Ärzte Schabad und Wigodskij und des Rechtsanwalts Rosenbaum) aufrechterhalten werden. Auf Seite 112 des „Sammelbuches“ heißt es nämlich: „Nach dem Falle von Kowno sind aus Wilna (um nicht von den Russen gewaltsam evakuiert zu werden. D. Red.) fast alle reichen Leute, fast der ganze Mittelstand und die gebildeten Schichten entflohen; ebenso fast alle Leute, die an der Spitze jüdischer Institutionen standen, das ganze Präsidium und die Hälfte der Mitglieder des jüdischen Hilfskomitees, alle jüdischen Stadtverordneten und die meisten Rabbiner.“ Die Zurückgebliebenen zeigten aber ein ergreifendes Beispiel sozialer Selbsthilfe und Organisationsbegabung. Besonders lehrreich sind die Aufsätze über die Sterblichkeit unter den Wilnaer Juden (von Dr. Schabad), über die Psychopathologie der litauischen Juden (von Nervenarzt Dr. Wirschubskij) und über die Wilnaer Schulen (von M. Schalitt). Außer den Aufsätzen, die von Wohlfahrtspflege usw. handeln, enthält das Sammelbuch zwei sehr hübsche Aufsätze über Perez und Scholem-Alejchem (von Sch. Zitron). Dreibuch. Jüdische Geschichten. Jüd. Verlag, Berlin 1916. Unter diesem (m. E. nicht ganz glücklich gewähltem Titel: wer wird nicht an ein Gegenstück zum Fünf buch denken?) gibt der Verlag die bei ihm schon früher erschienenen Geschichtenbücher von Perez, Scholem-Alejchem und Gorelik in einem gemeinsamen Gewände heraus. Die drei Einzelbände, die die Novellen in der musterhaften Verdeutschung Mathias Aschers enthalten, sind ja hinlänglich bekannt: ich finde nur, daß Gorelik neben den beiden andern Dichtern ziemlich abfällt. Neu an dem Buche ist aber die herrliche Vorrede von Max Brod, betitelt: „Wie soll man diese Geschichten lesen?“, aus der wir folgende Sätze zitieren: „Europa soll von den Ostjuden lernen. Nicht als Pradox spreche ich es aus, weil alle Welt heute das Umgekehrte sagt, sondern vom Gefühl der Unzulänglichkeit dieser unserer Europawelt erschüttert und von der Erkenntnis, daß jene andere Ordnung der Dinge in wesentlichen Punkten

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