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Das jüdische Echo · 1917-03-02 · 9 (2.3.1917) · p. Seite 102

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
9 (2.3.1917)
Date
1917-03-02
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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102 Das Jüdische Echo Nr. 9 Jahren verstorbenen Dredener Antiquar Albert Wolf ihr Dasein. Mit unermüdlichem Eifer war der kenntnisreiche Mann bemüht, die verschiedenartigsten Gegenstände aufzutreiben, die sich auf das Leben und die Zustände der Juden aller Länder bezogen. Und so ist es ihm auch gelungen, ein ansehnliches) jüdisches kulturgeschichtliches Museum zu schaffen. Der weitaus wertvollste Teil ist die Münz- und Medaillensammlung, in der sich Stücke befinden, die weder im Berliner roch im Londoner Museum zu finden sind. Nicht minder bemerkenswert ist die Abteilung für Kulturgegenstände im eigentlichen Sinne, hier finden sich prachtvolle Silberarbeiten, Kunstmalereien italienischer, orientalischer und heimischer Herkunft, die jeder Staatssammlung zum Schmuck gereichen würden. Ein ganz hervorragendes Prunkstück ist ein Vorhang zur Gesetzeslade, der sogenannte Türkenvorhang, ein Geschenk Königs Friedrich Wilhelm I. von Preußen. Auch an Werken der Zierschrift ist kein Mangel. Während diese Gegenstände in schönen Schränken unter Glas eingereiht sind, haben die Wände des Sammlungssaales prächtigen Reihen von Bildnissen hervorragender jüdischer Gelehrter. Die Sammlung ist in dem Bibliotheksbau Oranienburger Str. 29/30 untergebracht. Heldentod eines Rabbiners. Der „Pester Lloyd“ meldet, daß der als Feldkurat wirkende Oberrabbiner des Fogaraser Komitats, Dr. Adolf Kelemen, an der Südfront den Heldentod fand. Dr. Kelemen, der in 53. Lebensjahre stand, wirkte seit 25 Jahren als Rabbiner in Foraras. Bei Kriegsausbruch meldete er sich freiwillig zur Dieiistleistung und wirkte an den verschiedenen Fronten als Feldkurat. Er wurde vor einigen Tagen durch Granatsplitter schwer verwundet und in ein Feldlazarett gebracht, wo er an den erlittenen Verletzungen starb. Reiseverbot für jüdische Flüchtlinge. Aus Prag berichtet das „N. W. Journ.“: Der Magistrat veröffentlicht auf Grund des Erlasses der Statthalterei für Böhmen eine Kundmachung, wonach die in Prag und in den Vororten wohnenden jüdischen Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina ohne Unterschied, ob sie eine Staatsunterstützung genießen oder nicht, sich, wenn sie die Eisenbahn benutzen wollen, mit einer Reisebewilligung ausweisen müssen. Diese Anordnung erstreckt sich auf alle Bahnhöfe im Umkreise von zwanzig Kilometern von Prag. Die Reisebewilligungen haben der Prager Magistrat und die Bezirkshauptmannschaften auszustellen, soferne die Dringlichkeit der Reise glaubwürdig nachgewiesen und vom Amtsarzt bestätigt wird, daß vom sanitätspolizeilichen Standpunkt kein Hindernis obwaltet und das Reisegepäck nicht sanitätswidrig ist. Analphabeten müssen ihre Photographie mitbringen. Die Reisebewilligung hat eine Gültigkeitsdauer von 8 Tagen. Der Reisende kann trotz Reisebewilligung von der Benutzung der Eisenbahn ausgeschlossen werden, wenn die Eisenbahnorgane das Reisegepäck nicht einwandfrei finden. Wohltätigkeit und soziale Selbsthilfe. Unter dieser Überschrift veröffentlicht Ratsmann Hirschhorn im „Moment“ einen längeren Aufsatz, in dem er die Warschauer Judenheit auf die schweren Folgen aufmerksam macht, die der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Amerika und den Mittelmächten für die notleidenden Juden in Polen, die bisher von amerikanischen Hilfsgesellschaften oder von Verwandten in Amerika unterstützt wurden, haben kann. Unter Anführung verschiedener praktischer Vorschläge fordert Hirschhorn die jüdische Gesellschaft und die Wohltätigkeits-Organisationen auf, frühzeitig Vorkehrungen zu treffen, damit bei event. Verschärfung der Beziehungen zwischen Amerika und Deutschland und hiermit verbundenen Erschwerung der Zufuhr von Unterstützungen aus Amerika die hilfsbedürftige jüdische Bevölkerung nicht in äußerste Not gerät. Die hebräische Zeitung „Hazefirah“ in Warschau, die vorübergehend eingestellt war, hat ihr Erscheinen wieder begonnen, und zwar zunächst als Wochenblatt. Ein Synagogenbrand. Die „Frkf. Ztg.“ meldet: In der jüdischen Hauptsynagoge von Petersburg brach in der Nacht zum 10. ds. ein Brand aus, der auf einen an die Synagoge angebauten Beetsaal Übergriff, in dem nicht weniger als 500 Thorarollen aufbewahrt wurden. Außer den Heiligen Schriften, die der Petersburfeer Synagogte gehören, waren hier nämlich die aus Polen, Litauen und Kurland bei der gewaltsamen Aussiedlung der Juden mitgeführten Thorarollen beisammen, die von der „Jüdischen Historischen und Ethnographischen Gesellschaft“ gesammelt und zum Schutze in Petersburg deponiert worden waren. Einige dieser Pergament-Handschriften waren mehrere hundert Jahre alt. Das Feuer hatte mehr als 200 dieser Thorarollen vollständig zerstört, ebenso viele wurden stark beschädigt und nur etwa 40 Rollen blieben unversehrt. Die Reste der zerstörten Thorarollen wurden sorgfältig gesammelt und sollen, wie die Petersburger Blätter mitteilen, auf einem jüdischen Friedhof beigesetzt werden. Der Wert der zerstörten Handschriften wird auf nahezu eine Million Rubel geschätzt. Vom hebräischen Gymnasium in Jaffa. Vor Kriegsausbruch zählte das Gymnasium 780 Schüler und Externe, von denen mehr als die Hälfte aus Rußland waren. In den Sommerferien 1914 reisten über 100 Schüler nach Rußland, um ihre Etern zu besuchen. Diese Schüler sind selbstverständlich nicht mehr nach Palästina zurückgekehrt. Aber auch von den in Palästina zurückgebliebenen ausländischen Schülern konnten allmählich etwa 150 zu ihren Angehörigen zurückkehren. Immerhin verblieben in Jaffa mehr als 150 Schüler deren Eltern in der Kriegszone wohnen. Für diese Kinder mußte nun das Gymnasium sorgen, was in finanzieller Hinsicht sehr schwierig war, da mit den Eltern zumeist keine Verbindung unterhalten werden konnte und von ihnen recht spärliche Beträge für den Unterhalt ihrer Kinder kamen. Noch jetzt bildet diese Frage für die Direktion des Gymnasiums die schwierigste Aufgabe und sie rechnet dabei auf tätige Hilfe aller Freunde dieser Anstalt. Gegenwärtig zählt das Gymnasium ca. 500 Schüler, von diesen befinden sich augenblicklich 60 im Heeresdienst. Sie werden zur Zeit in Offiziersschulen ausgebildet. In diesem Schuljahr ist eine Anzahl Jerusalemer Schüler aufgenommen worden, da das dortige Gymnasium zur Zeit geschlossen ist. Das Jaffaer Gymnasium gibt 76 Schülern vollen Unterhalt und 63 Schülern eine monatliche Subvention von durchschnittlich je 2 türkischen Pfunden.

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