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Das jüdische Echo · 1917-03-02 · 9 (2.3.1917) · p. Seite 100

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
9 (2.3.1917)
Date
1917-03-02
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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100 Das Jüdische Echo Nr. 9 warum heißt es dann: „Du sollst dich mit ihnen nicht verschwägern“? Warum dann der Zorn des Propheten: „Ephraim vermengt sich mit den Völkern, er ist wie ein Kuchen, den niemand umwendet“ und der Zorn des Psalmisten: „Sie vermengten sich unter die Völker und lernten ihre Werke“? Wenn es gegolten hätte, die anderen Völker zu bekehren, so wäre es doch viel ratsamer, sich ihnen zu nähern. Wie kann man jemanden zu sich hinüberziehen, wenn man sich von ihm mit allen Kräften absondert? Die Thora hatte aber gar nicht die Phantasien der ausländischen Prediger in Sinnen; sie wollte ganz ausdrücklich das jüdische Volk absondern, damit es als ein besonderes Volk seine höhere Bestimmung erfülle. Im nächsten Aufsatz werde ich zeigen, daß der Gedanke' von der nationalen Absonderung Hand in Hand mit der Aufrechterhaltung von Liebe und Frieden gegen die anderen Völker (unsere Thora vereinigt diese beiden Ideen in einer höheren Synthese) wie ein roter Faden durch die ganze Thora von „Im Anfang“ bis „Vor den Augen des ganzen Israel“ geht. Deutsch von Erleichterungen für Pessach.' Das Frankfurter Rabbinat hat im „Frankf. Isr. Familienblatt“ folgende beachtenswerte Bekanntmachung erlassen: „Wir haben auf Grund eingehender halachischer Erwägungen und Beratungen beschlossen, für dieses Kriegsjahr Reis, Bohnen, Erbsen, Linsen für den Gebrauch am kommenden Pessach als gestattet zu erklären. Nähere Modalitäten, entsprechend der Entscheidung des Gaons Chasam Säufer s. A. bei der rituellen Behandung der Hülsenfrüchte behalten wir uns vor, später bekannt zu geben. Frankfurt a. M., den 9. Februar 1917. Rabbiner Dr. N. Nobel. Rabbinats-Assessor Jacob S. Posen. Rabbinats- Assessor H. Lipinski.“ Worte und Taten. Von N. Goldmann. Unter diesem Titel veröffentlicht die Berliner „Jüdische Presse“ folgende Betrachtungen: Es ist eine seltsame Sache mit dem polnischen Antisemitismus: man begegnet täglich neuen Äußerungen desselben durch Maßnahmen, Taten und Handlungen, seitens der polnischen Behörden und polnischen Parteien; man wird aber lange und vergeblich nach irgendwelchem Eingeständnis antisemitischer Bestrebungen seitens polnischer Politiker suchen. Handelt es sich irgendwie darum, ihre Stellungnahme zur LUDWIG MURR Damenfriseur SPEZIAL-DAMEN-SRLON NÜR FÜR DRMEN Residenzstrasse 17/1 SALON FÜR DRMEN UND HERREN Parkhotel Majcimiliansplatz 21 SPEZIALITÄT: Künstlerisch ausgeführte ERSATZ- FRISUREN), dem natürlichen Haaransatz Voll u. ganz angepaßt Judenfrage darzulegen, so wird man von polnischen Politikern selten etwas anderes als das feierliche Bekenntnis zur unbedingten Gleichberechtigung der Juden vernehmen. Wir wollen darauf nicht eingehen, inwieweit dieser seltsame Widerspruch von Wort und Tat in manch anderen Erscheinungen de*r polnischen Politik eine Analogie, in verschiedenen Eigentümlichkeiten des polnischen Wesens seine Begründung findet. Tatsache ist, daß dieser Widerspruch von jeher in der Haltung der Polen zur Judenfrage bestanden hat und auch heute noch fortbesteht. Die letzten Tage haben wieder ein neues Beispiel dieses Widerspruchs gebracht. Auf dem Wege zum katholischen Kongreß in Zürich hat der bekannte polnische Politiker Graf R o n i k e r in einer Unterhaltung mit dem „Diplomaticus“- Mitarbeiter der „B. Z.“ sich auch zur Judenfrage geäußert. Graf Roniker ist einer der Führer der sogenannten „Aktivisten“, jener Partei, die für ein Zusammengehen Polens mit den Zentralmächten eintritt. Dieser Partei gehören vorwiegend die Elemente der linken, demokratischen Gruppen des Polentums an, während die Rechte im wesentlichen sich im Lager der Passivisten befindet. Man dürfte also erwarten, daß gerade die Aktivisten in der Judenfrage sich von wirklich demokratischen Prinzipien leiten lassen und Mut genug haben würden, offen und ehrlich die gegenwärtige unerträgliche Situation des polnischen Judentums zuzugestehen und auf eine Änderung dieser Situation zu dringen. Was Graf Roniker jedoch zur Judenfrage zu sagen hat, besteht in der nochmaligen Wiederholung jener alten liberalen Gleichberechtigun»sphraseologie, die immer das Mittel der Polen war, um ihre wahre Gesinnung in der Judenfrage zu verbergen. „In der Judenfrage — erklärte Graf Roniker — nehmen die Aktivisten den Standpunkt der vollen bürgerlichen Gleichberechtigung ein. Sie erwarten von den Juden in Polen, die seit Jahrhunderten in Frieden lebten, bis der russische Störenfried kam und die beiden Elemente im russischen Staatsinteresse gegeneinanderhetzte, daß die Juden dem polnischen Staate Treue entgegenbringen sollen, wofür ihnen der polnische Staat solche Daseinsbedingungen zu schaffen hat, daß sie in der Erfüllung ihrer staatsbürgerlichen Pflichten als Korrelat ihrer vollen bürgerlichen Rechte nicht behindert werden dürfen.“ Die Erklärung ist typisch für die polnische Judenpolitik. Sie beginnt mit dem Bekenntnis zur „vollen bürgerlichen Gleichberechtigung“. Als Illustration zu dem, was sich die Polen unter der „vollen bürgerlichen Gleichberechtigung“ vorstellen, sei hier nur an die Errichtung des jüdischen Handelsghettos in Warschau erinnert, an das Verbot des Eintritts für Juden im Kaftan in den städtischen Lazienkipark, für die Verweigerung der gesetzlichen Kriegsunterstützung an jüdische Reservistenfrauen in Polen, an die willkürliche ungerechte Verteilung der Lebensmittel an die einzelnen Stadtbezirke in Warschau, bei der die jüdischen Viertel weitaus weniger erhalten, als ihnen zukommt, an . . . doch es hieße ganze Spalten füllen, wollte man alle faktischen Illustrationen der „vollen bürgerlichen Gleichberechtigung“, wie sie die Polen den Juden gewähren, hier aufzählen. Und man vergesse nicht, daß es sich bei alledem um den Zeitraum von etwa anderthalb Jahren handelt, seitdem die Polen frei schalten können. Man wird zugeben, daß für diese Frist die Beweise der vollen bürgerlichen Gleichberechtigung,

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