Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 9 (2.3.1917)
- Date
- 1917-03-02
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9072829-9102967-9138088--01326-9074150- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
98 Das Jüdische Echo Nr. 9 daß wir ihn zum Vater ernannten und befahlen, daß er von allen als der zweite am königlichen Thron durch Hinwerfen verehrt werde. Er aber konnte diese hohe Stellung nicht ertragen und strebte, uns des Reiches und des Lebens zu berauben. 9. Und er wollte unsern Retter und Wohltäter Mordochai und unsere tadellose Genossin im Königtum, Esther, mit ihrem ganzen Volke durch trügerische Vorspiegelungen dem Verdierben preisgeben. Denn er wähnte, wenn er uns auf diese Weise beraubt hätte, die Herrschaft der Perser den Makedoniern zuwenden zu können. 10. Aber wir finden, daß die von dem Verruchten zur Vernichtung bestimmten Juden nichts Übles getan haben, daß sie sich nach sehr gerechten Gesetzen verwalten, da sie Kinder sind des höchsten, größten, lebendigen Gottes, der uns und unsre Vorfahren, unser Reich in der schönsten Verfassung gedeihen ließ. 11. Ihr werdet daher gut tun, euch nicht nach dem von Haman, Sohn des Hamadata, gesandten Schreiben zu richten, 12. Da er selbst, weil er dergleichen verübt, an den Toren Susas samt seiner Familie gehängt worden, indem der allmächtige Gott ihn schnell die verdiente Strafe büßen ließ. 13. Eine Abschrift dieses Briefes aber soll an jedem Orte öffentlich ausgelegt werden, daß man die Juden nach ihren Gesetzen leben lasse und ihnen beistehe. 14. Damit sie die in den Tagen der Trübsal sie Anfallenden abwehren, am dreizehnten Tage des zwölften Monats, des Adar, denn diesen Tag hat der allmächtige Gott statt der Vernichtung des erwählten Geschlechts ihnen zum Freudentag gemacht. 15. Begehet ihr nun neben den bekannten Festen auch diesen Tag mit aller Freude, weil Billiger, fcünftlertfdjer tDanöfdjmucf ftnb bi« Äunftbrucke ber OTitttußner „3ugenb". 2luf bem ©ebictc bes 33ierfarbenbrudtes bot bi« „3ugenb" baßnbredjenb geroirfet unb bic oon iljr fjerausgegebenen Äunflbrudte finb in Millionen oott (Ejemplaren auf ber ganzen 2ßelt oerbreitet. 2>ie Sammlung umfaßt einige taufenb Blätter, unter benen ieber ©efdjmacfe “paffenbes jum greife oon 50 Pfennige bis 1 Warb, ie nad> ©röße finbet. ©in großer illuftrierter Katalog mit taufenb oerbleinerten Slbbilbungen (“preis 4 SÖtarfe) erleichtert bie “ZBafjl. 2>ie 3ugenbsJ?unft* brudte finb burdj jebe Q3ud)= unb Äunftßanblung ober burd) ben Unteräeidjneten ju bejießen tierlag öer „3ugeitö" Pt ü n d) e n, Eeffingftraße 1 er sowohl jetzt als auch für die Zukunft für uns und die wohlgesinnten Perser ein Tag der Rettung, für die aber, die uns nachstellen, ein‘Andenken des Unterganges ist. 16. Jede Stadt oder Landschaft im ganzen Reiche, welche nicht demgemäß verfährt, soll mit Feuer und Schwert vernichtet werden; sie soll nicht bloß für Menschen unwegsam, sondern auch für Tiere und Vögel für alle Zeit unbewohnbar bleiben. 17. Dieses Schreiben soll im ganzen Reiche vor jedermanns Augen ausgelegt wierden, daß alle Juden bereit seien, an diesem Tage ihre Gegner zu bekämpfen. J. F. Sind die Juden nur eine Religionsgemeinschaft? Von Hillel Z e i 11 i n. In der ersten Nummer der neuen Warschauer Zeitung „Das Jüdische Wort“, die an Stelle des „Warschauer Tageblatts“ getreten ist und von orthodoxen deutschen Rabbinern herausgegeben wird, veröffentlichte Rabbiner Dr. Kohn- Ansbach einen programmatischen Aufsatz, in dem er den polnischen Juden zu beweisen sucht, daß sie kein Volk sondern bloß eine Religionsgemeinschaft seien. Auf diesen Aufsatz antwortet Hillel Zeitlin, der bekanntlich zu den originellsten und tiefsten Geistern im Ostjudentum zählt, im Warschauer „Moment“ mit folgendem Artikel. Dr. Kohn sagt: „Was alle Juden in Polen verbindet, ist die Religion und nur die Religion.“ Gibt es aber nicht viele Juden, die nicht religiös sind? Schadet nicht! Ob mehr religiös oder weniger religiös, solange der Jude sich nicht gänzlich von der Religion losgesagt hat, gehört er zur jüdischen Religionsgemeinschaft. Daß die jüdische Religion die Juden verbindet, bezweifelt kein Mensch. Daß der jüdische Nationalismus sich auf die Religion stützen muß, ist ebenfalls nicht neu. Dr. Kohn fügt aber das Wörtchen „nur“ ein, und dieses Wörtchen beseitigt den ganzen jüdischen Nationalimus: wenn die Juden nur durch ihre Religion verbunden sind, so sind sie eine Religionsgemeinschaft und kein Volk. Verhält es sich aber auch in Wirklichkeit so? Sind die Juden bloß eine Religionsgemeinschaft und kein Volk? Wollen wir hören, was die Geschichte dazu sagt. Wollen wir hören, was das jüdische Bewußtsein spricht und was die Thora meint. Die Geschichte zeigt uns, daß keine Menschengemeinschaft ein größeres Anrecht auf die Bezeichnung „Volk“ hat als gerade die jüdische Gemeinschaft, denn keine Gemeinschaft hat noch so einmütig und entschlossen für ihre nationale Selbständigkeit gekämpft, wie die jüdische. Daß die Juden in der Zeit des ersten und des zweiten Tempels ein Volk gewesen sind, bezweifelt niemand. Die Juden hörten aber auch nach der Zerstörung des zweiten Tempels niemals auf, für ihre politischeSelbständigk e i t zu kämpfen. Jahrhunderte lang nach der Zerstörung des zweiten Tempels machten sie Im-