Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 9 (2.3.1917)
- Date
- 1917-03-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Yiertelj. M. 1.—, Halb;. M. 2.—, Ganz;. M.4.—, Einzelnummer 10 Pf.—Y erlag des „Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4 - Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 9 München / 4. Jahrgang 2. März 1917 Äus den apokryphischen Zusätzen zu „Esther66. Brief I. (Vergl. „Esther“ Kap. 3, Verse 13 und 14.) 1. Folgendes ist die Abschrift des Briefes: Der große König Artaxerxes entbietet den Fürsten der hundertundsiebenundzwanzig Landschaften von Indien bis Aethiopien und den ihnen untergebenen Landpflegern seinen Gruß. 2. Da ich viele Völker unterworfen habe und der größte Herrscher auf Erden bin, so wollte ich mich nicht durch den Stolz auf die Macht überheben, sondern nachsichtig und immer mit Milde verfahren, um den mir Untergebenen ein ruhiges Leben zu verschaffen und den lieben Frieden, den sich alle Menschen wünschen, zu erhalten, auf daß ein jeglicher ruhig leben möchte. 3. Da ich nun meine Ratgeber befragte, wie dies wohl vollbracht werden könnte, erklärte Haman — der durch Verständigkeit hervorragt, sich stets durch Treue und Zuverlässigkeit ausgezeichnet hat und die zweite Ehrenstelle im Reiche einnimmt — daß mit allen Geschlechtern der Erde ein gewisses feindlich gesinntes Volk vermischt sei, in den Gesetzen abweichend von allen Völkern, und die Gesetze des Königs beständig übertretend, um die von uns tadellos geführte Regierung nicht zum Ziele gelangen zu lassen. 4. Da wir nun eingesehen haben, daß dies Volk ganz allein sich in voller Widersetzlichkeit gegen alle Menschen befindet, eine fremdartige Ausführung der Gesetze einführt, und in schlechter Gesinnung gegen unsere Angelegenheiten die schlimmsten Bosheiten vollbringt, so haben wir befohlen, daß die euch in dem Schreiben des Haman, des Verwesers unseres Reiches und unseres zweiten Vaters, Bezeichneten, alle mit Weibern und Kindern gänzlich ohne Mitleid und Schonung durch ihrer Feinde Schwert umkommen sollen; und das am vierzehnten Tage des zwölften Monats, des Adar, des kommenden Jahres, damit die Ungehorsamen an einem Tag gewaltsam zur Unterwelt fahren und wir für die Folge in glücklicher und ungestörter Weise die Regierung führen können. Brief II. (Vergl. Jüstheir“, Kapitel, Versle 10—13). 1. Folgendes ist die Abschrift des Briefes: Der große König Arthaxerxes an die Statthalter, welche die hundertundsiebenundzwanzig Landschaften verwalten und an alle, die unsere Geschäfte führen: Heil. 2. Viele, welche der Fürsten Gnade mißbrauchen und von der Ehre, die ihnen zu teil wird, stolz und böse werden, überheben sich sogar so weit, daß sie gegen ihren Herren und Wohltäter Ränke schmieden. 3. Auf diese Weise zerstören sie nicht bloß die Dankbarkeit unter den Menschen, sondern sie wähnen, aufgeblasen durch das Wortgepränge der Toren, dem das Schlechte hassenden, allwissenden Gotte trotzen zu können. 4. Oft hat auch Viele derjenigen, denen Macht übergeben, denen das Vertrauen geschenkt worden die Angelegenheiten der Freunde zu besorgen, Überredung zu Teilnehmern an unbestraftem Blutvergießen gemacht und sie in unheilbare Unglücksfälle gestürzt, nachdem sie in ihrer Bosheit durch lügenhafte Vorspiegelungen das lautere Wohlwollen der Herrscher getäuscht. 5. Es geziemt sich nun zu sehen, nicht bloß aus den älteren Geschichten, die wir übernommen haben, sondern auch aus dem, was vor euren Augen vorgeht, daß man das durch die Bosheit schlechter Machthaber Vollbrachte untersuche. 6. Weil wir für die Zukunft bedacht sein müssen, daß Ruhe im Reiche für alle Menschen erhalten bleibe. 7. Werden wir Veränderungen an wenden und das, was uns zu Gesicht kömmt, stets mit gebührender Aufmerksamkeit beurteilen. 8. Da nun Haman, Sohn des Hamadata, eigentlich ein Makedonier, fremd dem persischen Blute und weit abstehend von unserer Güte, als Fremder zu uns gekommen, trieben wir die Leutseligkeit, die wir gegen jedes Volk hegen, so weit,