Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 8 (23.2.1917)
- Date
- 1917-02-23
- Page
- Seite 94 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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94 Das Jüdische Echo Nr. 8 gen und schimpfte: Und dann stand er auf, nahm irgend jemand mit und begann von Restaurant zu Restaurant, von Kneipe zu Kneipe zu wandern. Und überall war es ihm langweilig und ekelhaft. Dabei warf er die Lippen auf und schmollte, wie ein beleidigter Schuljunge, dem man zur Strafe die süße Speise entzogen hat. Hier gefiel ihm der Wein nicht, und dort das Lokal. Schließlich reichte er mir traurig die Hand zum Abschied und ging nach Hause, etwas vor sich hin brummend und seinen Spazierstock schwingend. Bald nachdem wir uns kennen gelernt hatten, kam Asch eines Tages zu mir und begann in meinen Büchern und Manuskripten herumzuwühlen. „Was haben Sie hier? Verse? Lesen Sie sie vor!“ Und ich mußte ihm vorlesen, und er wiegte rhythmisch den Kopf und schlug mit dem Zeigefinger den Takt. Und wenn der Rhythmus eines Gedichts schneller wurde, so begann er buchstäblich zu tänzeln. Ich war ganz erstaunt, wie schnell und leicht er eine fremde Stimmung zu erfassen verstand: er sprang jeden Augenblick auf, unterbrach mich, entwickelte ein von mir gebrauchtes Bild, lobte und tadelte. Er konnte nur mangelhaft Russisch und phantasierte drauf los, so daß ich oft nicht verstehen konnte. Bald starrte er unverwandt auf einen Punkt, unterbrach mich, rieb sich die Stirne und rief: „Und bei mur kommt folgende Beschreibung vor!“ Er ließ ganz außer Acht, daß ich kein Wort von seiner jidischen Sprache \ erstand, und rezitierte ganze Seiten aus seinen eigenen Werken. „Ach, Sie verstehen es ja gar nicht! Ich hatte ganz vergessen! Das hat folgenden Sinn“... Und nun beg mn er mir die Stelle weitläufig zu erklären. Ich weiß noch, daß es mir sehr weh tat, Asch zu betrüben, aber ich mußte ihm sagen, daß die Übersetzung des „Gottes der Rache“ in vielen Beziehungen mangelhaft sei. „Ach wie schade!..“ sagte er. Er sah mich bestürzt an, schüttelte den Kopf und warf die Lippen auf. „Wissen Sie, die Szene mit Riwkele im zweiten Akt klingt bei mir wirklich .sehr musikalisch!“ Einmal las er mir diese Szene bei sich zu Hause vor. Er empfing mich in seinem Hausanzug, eigentlich fast ohne jeden Anzug. „Entschuldigen Sie: ich habe die ganze Nacht und den ganzen Tag geschrieben. Heute abends werde ich aber bummeln: ich bin zu einem Ball eingeladen. Können Sie tanzen?“ Er schloß die Fensterläden, so daß es im Zimmer ganz finster wurde, zündete ein Licht an und las mir jene Szene. Und sie klang wirklich wie Musik. Ich spürte Blumenduft, hörte das Rauschen eines Frühlingsgewitters und das melodische Geläute kleiner Glocken. Er war selbst ganz hingerissen: sein bartloses, blasses Gesicht erschien im bebenden Scheine der Kerze flammend rot, und seine blendenweißen Zähne stachen seltsam von den blutroten Lippen ab. Seine Augen waren wie bei einem Irren auf einen Punkt gerichtet. Er hatte alles um sich vergessen: er packte mich bei der Hand, rückte ganz nahe zu mir heran, flüsterte, klagte, und seine Stimme wuchs und stieg immer höher hinauf, und schließlich schrie er laut und schrill in einer mir unverständlichen Sprache, während sein schwarzer Schatten an der Türe einen grotesken Tanz aufführte. Es wurde mir immer schwerer, ihm an Hand der russischen Übersetzung zu folgen. In seiner Vorlesung war etwas Wildes und Tierisches. Plötzlich wurde an der Türe geklopft. Asch winkte ärgerlich mit der Hand und machte auf. Es war ein jüdisches Fräulein, welches Asch zu einem Wohltätigkeitsball ALBERT LUDW. DAISER Atelier für Gravierkunst und Heraldik Alleiniger Edelstein - Graveur ln Bayern Spezial - Lager in Petschaften aus Silber, Elfenbein, Bronze, echt Stein usw. :: :: Auswahl in Siegelringen Zu sämtlichen Gravierungen passende Steine als Carneol, Jaspis, Onyx, Amethyst, Lapislazuli usw. 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