Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 8 (23.2.1917)
- Date
- 1917-02-23
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 87 ehesten zu. Es müßte jeder Unterstützungsverein die Frage der Zentralisation der Gelder und die Organisierung der Unterstützung von einer Zentrale aus beraten. Dann müßten die zahlenmäßigen Unterlagen über die Höhen der Jahreseinnahmen. der Vereine gesammelt werden. Außerdem wären folgende konkreten Vorschläge zu erwägen: Jede Gemeinde wählt ein Berufsberatungskomitee, das die Kassenämter in Beratungsämter umwandelt. Diese stehen wieder mit den städtischen Arbeitsämtern in Verbindung. Können Berufe oder Arbeiten bei Ortsansässigen vermittelt werden, so können hier Darlehen unterstützend eingreifen. Die hiefür nötigen Gelder werden von der Zentrale überwiesen. Da die Zentrale so an jedem Ort die Kassen zu ihren speziellen Funktionären umwandelt, so wird für den Inländer das Umherreisen unnötig. Für die Ausländer nun wäre festzustellen, welche Eisenbahnknotenpunkte von ihnen beim Überschreiten der Grenze gerne zuerst berührt wurden. Dort müßten auch Beratungsstellen als Filialen der Zentrale wirken. Neue Kosten für diese Einrichtungen dürften deshalb nicht in großer Höhe entstehen, weil die Büros der jetzt bestehenden Kassen nur umgewandelt werden müßten. Es wäre aber auch denkbar, daß die Grundsätze dieser neuen Beratungsstellen in Polen und Österreich zur gleichen Zeit aufgegriffen werden und zu ähnlichen Gründungen führen, die unter Umständen von der Zentrale in Deutschland ideelle oder materielle Förderung erfahren könnten. Daß die Regierungen solchen auf wirtschaftliche Ertüchtigung von Staatsangehörigen zielenden Maßnahmen Schwierigkeiten bereiten könnten, ist kaum anzunehmen. Wird erst die Umwandlung der Unterstützungskassen, die natürlich auch über die Möglichkeiten der Unterbringung von Armen in Krankenhäusern, Anstalten für Epileptiker u. a. von der Zentrale unterrichten werden, überall bekannt, so läßt das unwirtschaftliche Wandern von selbst nach. Nur ist es vor allem nötig, daß die Unterstützungsvereine hiezu Stellung nehmen. Sollte sich hiezu keine andere Stelle melden, so wäre ich zur Sammlung der einzelnen Beschlüsse bereit.' Darnach müßte eine Delegiertenversammlung aller Unterstützungsvereine (wenigstens der größeren) tagen, wozu natürlich auch schriftliche Zustimmungserklärungen von kleineren Gruppen genügen, die der praktischen Durchführung die Hand bieten. Was die Bedenken des „Israelit“ gegen die Vereinigung von Orthodoxen und Neologen zu gemeinsamer sozialer Arbeit anlangt, so müßten wir uns alle grundsätzlich darüber einig sein, daß die Arbeiten der neuen Organisation den Gesetzen der Thora entsprechen. Gunzenhausen. Joseph W o 1 f f. Methoden und Kapitalbedarf Jüdischer Kolonisation in Palästina. Das unter obigem Titel als Nr. 3 der Nationalfonds-Bibliothek soeben erschienene Buch (110 S.) von Ing. Agr. Jacob Oettinger ist zweifellos das gediegenste Buch, das über die jüdische Kolonisation in Palästina bisher erschienen ist. Es ist das Buch, das die Stunde fordert. Der Weltkrieg hat in unsere Arbeit in Palästina unerwartet eine so tiefe Zäsur hineingebracht, daß wir mit Recht eine Periode des Kolonisationswertes — die Kindheitsperiode — als abgeschlossen und alles, was nach dem Kriege entstehen wird, als eine neue Periode betrachten können. Rückblick und Ausblick drängen sich deshalb von selbst auf. Da ist es kein Wunder, daß viele Männer, deren Tätigkeit in Palästina der Krieg unterbrach, die unfreiwillige Muße benutzen, um das Fazit aus dem bisher Geschaffenen zu ziehen und ein Programm für die Zukunft aufzustellen. In Palästina erscheinen zurzeit unter der Redaktion des Agronomen J. Wilkansky wertvolle Monographien in hebräischer Sprache über einzelne Zweige der Landwirtschaft, die über viele heißumstrittene technische Fragen'Aufklärung bringen. Das Oettingersche Buch unterscheidet sich hievon dadurch, daß es die jüdische Kolonisation als Ganzes einer kritischen Darstellung unterzieht und einen Plan für die zukünftige kolonisatorische Arbeit entwirft. Für eine solche Schrift ist Oettinger wie kaum ein anderer berufen. Er kennt die jüdische Kolonisation in Rußland, Argentinien und Palästfiia aus jahrzehntelanger Tätigkeit und hat sein ganzes Leben den Problemen der jüdischen Kolonisation gewidmet. Was speziell Palästina anbelangt, so hat er bereits vor etwa 15 Jahren im Aufträge der; Chowewe Zion die jüdischen Kolonien in Palästina besucht und darüber einen sehr lesenswerten Bericht erstattet; außerdem war er vor Kriegsausbruch ein Jahr lang für das Palästina- Amt in Jaffa landwirtschaftlich tätig. Zu dieser wichtigen Kenntnis von Tatsachen kommt die Ruhe und Vorsicht seines Urteils und die Klarheit und strenge Systematik der Darstellung, welche sein Buch über andere Bücher herausheben und seine Lektüre so genußreich machen. Oettinger unternimmt es in dem Buch, wie er selbst in der Einleitung sagt, „die bisher in Palästina angewendeten sowie in anderen Ländern gegenwärtig gebräuchlichen Methoden der landwirtschaftlichen Kolonisation kurz zu charakterisieren. Es werden sodann gewisse Grundsätze aufgeführt, die bei einer kolonisatorischen Tätigkeit einzuhalten sind. Daraufhin folgt die Berechnung des Kapitalbedarfs für einzelne in Palästina mögliche Wirtschaftstypen. Diese Berechnung bildet die Grundlage für die Ermittlung der für den Ausbau ganzer Koloniegebilde notwendigen Aufwendungen. Zuletzt wird der Versuch gemacht, &&n gesamten Kapitalbedarf für eine planmäßige landwirtschaftliche Kolonisation in Palästina während der nächsten Periode unserer Siedlungsarbeit bei der einen oder anderen Konstellation zu veranschlagen.“ Oettinger hält folgende Wirtschaftstypen für möglich: B. Müllers Musikinstitut München Fraunhoferstr. 29 : : Telephon 24540 Inhaber: Bruno Müller, Konzertmeister a. D. Schüler von: Prof. Dr. Joseph Joachim, Prof. Dr. Carl Reineoke, Prof. Dr. Heinrich Bellermann und Hofoperndirektor Gustav Mahler Unterricht in allen praktischen (Klavier, Violine, Orgel, Cello usw.) u. theoretischen Fächern (Harmonie, Kompositions- und Instrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene (Kinder werden vom 6. Lebensjahre an aufgenommen) Prüfung, Auskunft und Einschreibung kostenlos.