Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 7 (16.2.1917)
- Date
- 1917-02-16
- Page
- Seite 81 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9102967-9138085--01307-9074131- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 7 Das Jüdische Echo 81 Nationale Union für Jüdische Rechte. Die Londoner „National Union for Jewish Rights“ hat in ihrer Generalversammlung Anfang Januar Herrn Oberrabbiner Dr. Gast er zu ihrem Präsidenten gewählt. Die Amerikanisch-Jüdische Hilfsaktion. Die Gesamtsumme der beim Joint Distribution Committee für die notleidende jüdische Bevölkerung eingegangenen Gelder betrug am 8. Dezember 1916 6.389.422.40 Dollars. Die Selbstbesteuerung zu Gunsten notleidender Juden. Das „Moskauer Jüdische Hilfs-Comite“ hat in seinem Bezirk folgende Skala für monatliche Selbstbesteuerung eingeführt, die sich bestens bewährt hat: Bei einem Verdienst von: 50 Rubel per Monat 1% Selbstbesteuerung 100 Rubel per Monat P/2% Selbstbesteuerung 200 Rubel per Monat 2% Selbstbesteuerung 300 Rubel per Monat 3^2% Selbstbesteuerung 500 Rubell per Monat 4% Selbstbesteuerung 700 Rubel per Monat 5% Selbstbesteuerung 1000 Rubel per Monat 6% Selbstbesteuerung über 1000 Rubel per Monat 7% Selbstbesteuerung. Diese Skala brachte folgende Resultate: Allein in Moskau, einer Stadt mit einer verhältnismäßig kleinen jüdischen Bevölkerung, bezahlten im August 1915 2102 Personen die selbst auferlegte Steuer, und der Totalbetrag für diesen Monat ergab 80.427 Rubel. Im August 1916 zahlten 3792 Personen die Steuer, die in diesem Monat 108.889 Rubel einbrachte. Daraus geht hervor, daß die Zahl der Steuerzahler sich im Laufe eines Jahres um 80% und die gesammelten Beträge um 351U% erhöht haben. Von Interesse sind auch die Gesamtsummen, die das Moskauer Komitee während der 22 Monate von August 1914 bis Mai 1916 gesammelt hat. Die Selbstbesteuerung hat für die Stadt Moskau allein in dieser Zeit 1.038.000 Rubel eingebracht, während die Summe, die durch andere Wohltätigkeitssammlungen aufgebracht wurde, nur 228.000 Rubel ergab, also kaum mehr als ein Fünftel des erstgenannten Betrages. In Rußland ist die Selbstbesteuerung zu Gunsten der notleidenden jüdischen Bevölkerung überall eingeführt, und es wäre wünschenswert, wenn die jüdischen Hilfskomitees in den anderen Ländern dieser Einrichtung ebenfalls ihre Aufmerksamkeit zuwenden wollten. Aus Paris kommt die Nachricht, daß dort im hohen Alter von 90 Jahren der berühmte Orientalist und Bibelforscher Joseph Halevy gestorben ist. Durch sein Hinscheiden erleidet die Orientalistik, vor allem die Semitologie einen sehr großen Verlust, der durch den Umstand keineswegs gemildert wird, daß Halevys Theorien öfters starke Anfechtung erfuhren. Joseph Halevy wurde 1827 in Adrianopel als Sohn einer jüdischen Familie geboren; er beschäf¬ MAL-SCHULE F. Potocki u. L. H. Ballabene, München tigte sich schon in seiner Jugend, während seiner Tätigkeit als Lehrer zuerst in seiner Vaterstadt und später in Bukarest, fleißig mit dem Studium der orientalischen Sprachen und der Archäologie. 1868 wurde er von der „Alliance israelite universelle“ nach Abessinien zur Erforschung der Sitten und der Geschichte der Falaschas gesandt. Er entledigte sich seiner Aufgabe mit solchem Erfolge, daß er bereits im folgenden Jahre von der Pariser „Academie des Inscriptions et BelLes- Lettres“ beauftragt wurde, die sabäischen Inschriften in Yemen zu entziffern. Von dieser Forschungsreise, über deren wissenschaftliche Resultate er in seinem „Rapport sur une mission archeologique dans le Jemen“ (Paris, 1872) berichtete, brachte er fast 700 sabäische Texte mit, die wertvolle Aufschlüsse über die Sprache, Sitten und den Glauben der Sabäer gewährten. Seit 1879 lehrte Halevy als Professor der äthiopischen Sprache an der Pariser Hochschule und bekleidete auch den Posten des Bibliothekars der Französischen Asiatischen Gesellschaft. Besondere Berühmtheit erlangte Halevy durch seine Polemik mit den bedeutendsten Assyriologen über den Ursprung der sumerischen Sprache. Halevy vertrat die Ansicht, daß sie eine geheime Kunstsprache semitischen Ursprungs sei, die von den babylonisch-assyrischen Priestern für ihren Verkehr miteinander erfunden wurde, Diese Theorie, zu deren Anhängern eine Zeitlang u. a. auch Friedrich Delitzsch zählte, /rief starken Widerspruch in der Gelehrtenwelt hervor und konnte nicht durchdringen. Hommel nennt sie in seiner „Geschichte Babyloniens und Assyriens“ geradezu „eine der absurdesten Behauptungen, die je gemacht worden sind“, und bedauert nur den vielen unnützen Aufwand an Scharfsinn, den Halevy zu ihrer Unterstützung aufbot. In zahlreichen, außerordentlich geistreichen Schriften versuchte Halevy, der übrigens in seinen „Recherches bibliques“ (1895—1901) auch die sogenannte elohistisch-jahwistische Textzusammensetzung der Bibel verneint, den Beweis für die Richtigkeit seiner Theorie zu erbringen und die Ein wände seiner Gegner zu entkräften; doch waren seine Bemühungen von keinem Erfolge begleitet. Wenn man in der Wertung dieses Teiles von Halevys wissenschaftlichen Forschungen geteilter Meinung sein kann, so kommt ihm auf jeden Fall das Verdienst zu, eine Polemik entfacht zu haben, die bedeutende wissenschaftliche Ergebnisse zeitigte. Als Semitologe aber gehört Halevy unbestritten zu den allerhervorragendsten Gelehrten, und derselbe Hommel, der das oben angeführte scharfe Urteil über Halevys sumerische Sprachentheorie fällt, rühmt ihn als ausgezeichneten Kenner der semitischen Sprachen. Die Semitologie verdankt Halevy, von dem behauptet wird, daß er fast alle semitischen Sprachen vollkommen beherrschte, eine Unmenge von Textentzifferungen, Übersetzungen und Sprachanalysen, die in ihrer Gesamtheit eine überaus wertvolle Bereicherung der Wissenschaft bedeuten. Außer zahlreichen Werken umfaßt Halevys wissenschaftlicher Nachlaß eine Reihe von Artikeln im „Journal Asiatique“ und in der von ihm herausgegebenen „Revue Semitique“. Unterricht im Zeichnen, Malen und Modellieren, Kopf, Kostüm, Akt und Stilleben. Abend-Akt mit und ohne Korrektur. Vorbereitung zur Akademieprüfung. Anmeldung Dienstag und Donnerstag von 10—12 Uhr. BlütenstraBe 3/n, Gartenhaus.