Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 7 (16.2.1917)
- Date
- 1917-02-16
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Das Jüdische Echo Nr. 7 suchen (hier kämen vor allem zugezogene jüdische Kaufleute oder Ostjuden in der Großstadt in Betracht). Die jüdische Gemeinschaft könnte auch bestrebt sein, die inneren Voraussetzungen für eine Mischehe womöglich zu verringern. Man müßte auf der Schule jüdisches Bewußtsein pflegen, man müßte darnach streben, die Formen der jüdischen Ehevermittlung zu veredeln, die sehr oft den feiner Organisierten ins andere Lager treiben. Doch das sind nur kleine Mittel, die nur ganz vereinzelt Erfolg versprechen. Wenn nicht von innen heraus eine allgemeine Regeneration kommt und ein bewußtes Sichzurückfinden die Folge ist, dann muß mit der Wirksamkeit jener Tendenzen und Gesetzmäßigkeiten gerechnet werden, die vom Gesichtspunkt der jüdischen Erhaltungsbestrebungen nicht allzu hoffnungsreiche Ausblicke in die Zukunft geben. Die Landarbeiterfrage in Palästina. Von R. (Fortsetzung und Schluß.) Die zionistische Organisation hat durch die von ihr gegründeten Gesellschaften und durch ihre Vertretung in Palästina der Arbeiterfrage gegenüber folgende Stellung eingenommen: 1. Sie hat durch den Bau von Arbeiterwohnungen in den Kolonien dem Wohnungsmangel abzuhelfen begonnen; hierbei hat sich gezeigt, daß nur der Bau von Einfamilienhäusern zweckmäßig ist, nicht aber der Bau von großen Häusern für unverheiratete Arbeiter, weil die Arbeiter selbst für Ordnung, Sauberkeit und Schonung des Inventars nicht sorgen und geeignete Personen, speziell Frauen, zur Verwaltung und Instandhaltung der Häuser schwer oder gar nicht zu finden sind. 2. Sie hat durch Förderung der von den Arbeitern organisierten Arbeiterküchen den Arbeitern ein besseres und billigeres Essen zu beschaffen versucht. Die erzielten Resultate waren aber nur teilweise befriedigend, weil es den Arbeitern vielfach an der organisatorischen und ökonomischen Fähigkeit zur sparsamen Verwaltung fehlt und tüchtige Köchinnen eine große Seltenheit sind. Viele Arbeiterküchen sind auch daran zu Grunde gegangen, daß sie in zu weitherziger Weise arbeitslosen Arbeitern Essen auf Kredit gaben und durch Nichteingang dieser Außenstände zahlungsunfähig wurden. Eine mehrjährige Erfahrung zeigt, daß die Küchen sich nur da halten können, a) wo ein tüchtiges und seiner Arbeit ergebenes weibliches Küchenpersonal vorhanden ist; b) wo das Prinzip der Barzahlung in voller Strenge durchgeführt ist; c) wo ein in der Kolonie seßhaftes (nicht von einer Kolonie zur anderen ziehendes) Arbeiterelernent vorhanden ist. Wo dies nicht der Fall ist, fehlt es den Verwaltern an Ortskenntnis und dem Gefühl der Verantwortung. 3. Die zionistische Organisation hat alle auf Verbesserung des gesundheitlichen und geistigen Lebens der Arbeiter hinzielenden Bestrebungen der Arbeiter befördert, z. B. durch Subventionierung von Krankenkassen, Anerkennung und Fühlungnahme mit den Arbeiterorganisationen usw. 4. Sie hat auf ihren landwirtschaftlichen Betrieben an dem Grundsätze festgehalten, alle Arbeiten, für welche jugendliche Arbeiter zu finden sind, durch diese verrichten zu lassen und den Arbeitern als Lohn dasjenige Minimum zu gewähren, das notwendig ist, um sie arbeitsfähig zu erhalten und geistig nicht verkümmern zu lassen. In Zahlen ausgedrückt heißt dies, daß der Durchschnittsarbeiter, der unverheiratet ist, etwa 50 Francs monatlich erhält. Die Zahl der Arbeiter, die in den von der zionistischen Organisation und ihren Gesellschaften gegründeten Betrieben beschäftigt waren, betrug in den letzten Jahren durchschnittlich 200. 5. Sie hat auch andere Gesellschaften und Privatpersonen, die mit ihr in Fühlung stehen, zur Beschäftigung von jüdischen Arbeitern in möglichst großer Zahl anzuregen gesucht. Sie hat hierbei insbesondere in den von den Pflanzungsgesellschaften eingerichteten Betrieben Erfolg gehabt; allein in diesen Betrieben waren in den letzten Jahren durchschnittlich 300 Arbeiter tätig. Hat die zionistische Organisation also hierdurch den Arbeitern gegenüber alles, was in ihren Kräften stand, getan, um ihre Lage zu verbessern, ihnen das Verbleiben im Lande möglich zu machen und neue Einwanderer heranzuziehen, so hat sie doch scharf diejenigen Maßnahmen und Forderungen der Arbeiter zurückgewiesen, welche geeignet sind, die Privatinitiative in Palästina zu erdrosseln. Die landwirtschaftliche Kolonisation kann nur dann über den jetzigen kleinen Rahmen hinauswachsen und größere Dimensionen annehmen, wenn das Privatkapital sich ihr zuwendet. Das wird aber nur dann geschehen, wenn der Kapitalist weiß, a) daß er seines Eigentums sicher ist und seinen Betrieb nach seinem Willen leiten kann; b) daß das Kapital sich verzinst. Diese beiden Voraussetzungen werden von den Arbeitern mißachtet, wenn sie durch Streiks und Boykotts den Arbeitgeber vor plötzlichen Ruin stellen, oder wenn sie durch die Forderung der „Awoda tehora“ von dem Arbeitgeber so hohe Aufwendungen für Unterkunftsräume und Arbeitslöhne verlangen, daß ihm kein Gewinn mehr bleibt. Das Interesse des Privatkapitals ist ebenso wichtig, wie die Interessen der Arbeiter, denn die jüdische Kolonisation verlangt Arbeit und Kapital, Es ist nötig, den Arbeitern die Existenz in Palästina zu ermöglichen, aber es ist ebenso notwendig, Kapital - Investitionen nicht abzuschrecken. Solange der jüdische Arbeiter zur Bestreitung seines Existenzminimums einen höheren Lohn beanspruchen muß, als der nichtjüdische Arbeiter, solange als der jüdische Arbeiter nicht mit rein wirtschaftlichen Waffen wie in Europa kämpfen kann, solange wird es immer von dem nationalen Empfinden des Arbeitgebers abhängen, inwieweit er jüdische Arbeiter beschäftigt. Es ist falsch, die Arbeitgeber in Bausch und Bogen anzuklagen, daß sie jedes nationalen Empfindens bar sind. Bei vielen von ihnen besteht der ehrliche Wille jüdische Arbeiter zu beschäftigen, aber die notwendige Rücksichtnahme auf die Ausgaben macht es ihnen nicht oder nur zum Teile möglich. Unter diesen Umständen ist eine reinliche Lösung der Frage heute nicht möglich. Die zionistische Organisation kann wieder die Arbeiter noch die