Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 7 (16.2.1917)
- Date
- 1917-02-16
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 77 raus abgeleitet werden können, besonders wenn man diese Mischehenbetrachtung aufs feinste auf die verschiedensten oben erwähnten Gesichtspunkte ausdehnt. Es wäre jedenfalls zu wünschen, daß solche feinere Art der Betrachtung auch auf andere Untersuchungen jüdischen Volkstums ausgedehnt würde. Werfen wir nun auch einen Blick auf die Ergebnisse der wahllos angeführten Tabellen, so find!en wir, daß auf jede Art der Methode ein Ansteigen der Mischehenziffer zu beobachten ist. Ein ziemliches Ansteigen ist in den Großstädten zu bemerken, aber auch in den einzelnen Provinzen, bezw. Bundesstaaten steigt mit wenigen Ausnahmen die Mischehenziffer ständig. So haben von 22 solchen nach Tachauerscher Berechnung 13 eine Tendenz zur Zunahme der Mischehen, sowohl der evangelisch-jüdischen wie der katholischjüdischen zu verzeichnen. 5 haben eine meist starke Zunahme der evangelisch-jüdischen, aber eine Abnahme der jüdisch-katholischen in den angegebenen Zeiträumen zu verzeichnen. Von den übrigen 5 lassen nur 2 eine Abnahme der Neigung zu jüdischen Mischehen erkennen, 3 Bundesstaaten bleiben sich gleich. Wir sehen, daß auch durch diese Methode eine Zunahme der Mischehen zu erkennen ist. Tachauer kommt über diese zahlenmäßige Ergebnisse hinaus auch zu allgemeinen Schlußfolgerungen. Er stellt fest, daß an und für sich eine Abneigung zu Mischehen vorhanden ist und daß bei allen Konfessionen die Tendenz zu reiner Ehe vorherrscht, daß auch immerhin die Neigung von Juden zu Mischehen mit Christen bedeutend geringer ist als die der Christen untereinander, was schon als Erfahrungstatsache bekannt ist, was aber hier nochmals durch die Berechnungen festgestellt wird. Im Allgemeinen herrscht die Tendenz, daß die Minorität darnach strebt, sich mit der herrschenden Majorität zu vermischen. Immerhin spielt bei den Juden der Bevölkerungsanteil an der Gesamtheit eine untergeordnete Polle gegenüber anderen Faktoren, wenngleich ihm doch ein gewisser Einfluß zuzukommen scheint, indem bei sonst gleichen Umständen das Gebiet die größere Neigung zu jüdisch-christlichen Mischehen hat, das den kleineren Prozentsatz Juden hat. Wir sehen nun, daß auch so willkürliche Handlungen wie es die Ehe ist, unter einer gewissen Gesetzmäßigkeit stehen und daß gewisse Vorbedingungen die Mischehe begünstigen oder sie beeinträchtigen. Wir fragen uns noch zum Schluß, hat der Krieg in irgend einer Richtung auf die Neigung zu Mischehen eingewirkt? Leider liegen noch keine Untersuchungen nach der Methode von Tachauer vor. Vor einiger Zeit erschien in der „Frankfurter Zeitung“ eine von E. K. (Ernst Kahn) Unterzeichnete Statistik über die Mischehen in Deutschland nach dem Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich. — Auf 100 reine Ehen kamen 1901 ... 17 Mischehen, 1913 ... 31 Mischehen, 1914 ... 53 Mischehen. Trotzdem hier die Hälfte aller von den Juden geschlossenen Ehen als Mischehe erscheint, darf noch nicht auf eine allzu starke Tendenz der Zunahme in und nach dem Kriege geschlossen werden. Man mußte am Anfang des Krieges mit einer starken allgemeinen Verbrüderungstendenz rechnen, die vielleicht häufiger zu Mischehen führte als früher. Wie ist nun unsere Stellung zum Problem der Mischehe? Dem Menschen, dem die allgemeine Menschheits- und Verbrüderungsidee als höchstes gilt, wird die Mischehe als Vorstufe zur Erfüllung seiner Ideale erscheinen. Von einem hohen Gesichtspunkte aus wird dieser im Rechte sein. Diejenige religiöse oder Rassengemeinschaft jedoch, die darnach strebt, sich zu erhalten und rein weiterzupflanzen, muß jede Mischung als Verlust buchen und jede einzelne Mischehe muß ihr als Gemeinschaftsangelegenheit erscheinen. Sie muß Mittel und Wege suchen, den bestehenden Tendenzen, sloweit möglich, entgfe&enzuarbeiten oder sie wenigstens in ihren Wirkungen aufzuhalten. Nun ist dies gerade bei der Mischehe ein äußerst schwieriges Problem. Sie wird meiner Ansicht nach von zwei Tendenzen — in kristallisierter Form ausgedrückt — bedingt, nämlich von der Erotik und der äußeren Erreichbarkeit. Die innere Voraussetzung des Einzelnen zur Mischehe kann, wenn es auch im ersten Augenblick so erscheinen mag, hierunter nicht gerechnet werden. Sie ist nur ein labiler Faktor, da selbst wenn sie sehr stark negativ vorhanden war, sie durch die Erotik sehr schnell positiv umgewandelt werden kann. Man hat ja sehr oft die Erfahrung gemacht, daß Leute, die auf rein positiver jüdischer Seite standen, sei es nun religiös oder national, trotzdem zur Mischehe kamen. Die erotische Seite nun selbst muß in ihrem Eintreten wie ein Naturereignis gewertet werden und kann nicht im geringsten Gegenstand irgendwelcher politischer Tendenzen und Verbesserungsmaßnahmen sein. Auch die äußere Erreichbarkeit, bedingt durch die gesellschaftliche Gruppierung, kann von irgend welcher Gemeinschaft nicht beeinflußt werden. So steht hier die jüdische Gemeinschaft aus allgemeinen Gesichtspunkten vor einem schwierigen Problem. Will sie nun tatsächlich versuchen, der jüdischen Mischehentendenz entgegenzuarbeiten, so kann sie es höchstens in einer der besprochenen Form entgegengesetzten Form tun. Sie kann die Erreichbarkeit der einzelnen für eine Ehe in Betracht kommenden Personen innerhalb der Gemeinschaft erhöhen; so kann sie außenstehende Elemente mehr dem allgemeinen jüdischen Gesellschaftsleben in jeder Form näher zu bringen ^1===,—... Äentten Sie bie „3ugenb“ bieroeitoerbreitete Bttindjener iüuftrierte 'JBodjenfdjrift? H3enn nidjt, bann »erlangen Sie koftenfret eine Probenumnter ober für 50 Pfennig einen Probebanb, bamit Sie fid> augenfdjetnlid) oon bern reidjen Snßalt biefer 3Bod)enfd)rift für S^unft u. überzeugen. $eeresangeßörigen können Sie keine größere 3reube bereiten, als iljnen für 3Rft. 5.20 ein bretmonotl. S'elbpoft^bonnement eimoeifen zu laffen, benn bie „Sugenb" ift anerkanntermaßen bas beliebtefte unb »er* breitetfte buntiüuftrierte 'Blatt im Selbe. Bei (Einfenbung biefes Betrages nebft genauer Selbabreffe beforgt aud> ber Berlag bie @tn* roeifung beim Selbpoftamt. Bezugspreis burd) Budjßanbl. ober poftanftalt 2Kfe. 4.60. Verlag ber „3ugenb", SRiincfjen, ßefftngftr. 1