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Das jüdische Echo · 1917-02-16 · 7 (16.2.1917) · p. Seite 76

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
7 (16.2.1917)
Date
1917-02-16
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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76 Das Jüdische Echo Nr. 7 Es heirateten einen christlichen Gatten in Preußen von je 100 heiratenden jüdischen Männern: 1903 1904 1905 1906 1907 1908 9,6 11,0 11,8 10,5 12,3 12,7 von je 100 heiratenden jüdischen Frauen 1907 1908 10,5 12,1 Es ist wichtig für die Erlangung positiver Ergebnisse, daß die Geschlechter ausgeschieden werden, da andere innere Vorbedingungen den Juden als die Jüdin zur Mischehe führen. Richtiger wird das Verfahren, wenn man nicht die Paare bei der Mischehenbetrachtung miteinander in Beziehung setzt, sondern die Personen. Denn bei einer Mischehe gehört nur der eine Teil dem zu betrachtenden Bevölkerungsbestandteil an, während bei einer ungemischten Heirat jedes der Heiratenden zu dieser Gemeinschaft gehört. Es ergäbe sich dann für die Mischehen der Juden in Berlin: Auf 100 rein jüdische Ehen treffen: alte Methode: Im Jahre 1892 „ 1893 1894 „ 1895 neue Methode: Im Jahre 1892 „ 1893 1894 „ 1895 Anzahl der Mischehen nach Paaren: 27.2 28,6 28,6 31,0 Anzahl der Mischehen nach Personen: 13,6 14.3 14,3 15,5 Es erscheint also prozentual die Hälfte weniger, ohne daß tatsächlich irgend eine Veränderung stattgefunden hat. Alle diese Methoden der Bevölkerungsvorgänge geben ein gutes Bild von der Zu- und Abnahme der Mischehen, was meist auch für den normalen Bedarf an Erkenntnis genügt. Will man jedoch mehr als die Bevölkerungsvorgänge beschreiben, will man auf die Ursachen der Mischehen eingehen, so genügt diese Methode nicht. Hier muß eine feinere und kompliziertere Methode in Anwendung kommen, wie sie Tachauer in dem oben erwähnten Aufsatz für die Mischehe durchführt. Bei dieser Methode werden nicht nur die einzelnen Personen, die eine Mischehe eingehen, es wird ferner nicht nur die Mischehe der jüdischen Männer gesondert von derjenigen der jüdischen Frau betrachtet, sowie, ob die eine Mischehe eingehende Person einen Katholiken oder einen Protestanten heiratet, sondern es wird auch untersucht, wie die Neigung zu Mischehen von der Bevölkerungsdichte und der Zusammensetzung der Bevölkerung des zu untersuchenden Gebietes ab¬ LUDWIG MURR Damenfriseur SPEZIRL-DAMEN-SALON NUR FÜR DAMEN Residenzstrasse 17/1 SALON FÜR DAMEN ÜND HERREN Parkhotel Majdmiliansplatz 21 SPEZIALITÄT: KDnstlerisch ausgefQhrte ERSATZ* FRISUREN, dem natPrlichen Haaransatz Voll u. ganz angepaßt hängt. Diese Neigung oder Geneigtheit zu Mischehen aber leitet Tachauer nicht aus den bisherigen oben erwähnten Berechnungen durch Schlußfolgerungen ab, sondern er will sie unmittelbar bestimmen. Dies ist nur durch eine völlig andere Betrachtungsweise als bisher möglich, Tachauer betrachtet die Erscheinung der Mischehe rein als Massenereignis, er sieht jede einzelne Ehe als Elementarereignis, er sieht davon ab, daß die Ehe in Wirklichkeit eine durchaus persönliche, von tausend individuellen und sozialen Einflüssen bestimmte Handlung ist. Er geht davon aus, daß nur die, die wirklich geheiratet haben, für die Betrachtung der Frage überhaupt in Betracht kommen. Er stellt sich die Frage, wie viele Ehen wurden geschlossen, wie viele sind davon Mischehen, wie viele Ehen wären überhaupt möglich gewesen. Das Verhältnis nun der tatsächlich geschlossenen Mischehen zu den möglichen gibt Tachauer in den verschiedenen Jahren den Gradmesser für die Neigung zu Mischehen. Eine Tabelle sieht bei Tachauer so aus: Tabelle 1. Bayern r. d. Rh. Heiratend e.s) 1901—05 5Vev. kath. kath. Isr. isr. p Männer Frauen Männer Frauen Männer Frauen ra“re 53 734 52 693 150 361 151 486 1823 1799 206106 1906—09 44 411 43 752 126 365 127153 1376 1348 172365 Tabelle 2. Mischehen: 1901—1 05 ek ke ei ie ki ik ek+ke ei+le kl+ik 8926 7858 40 30 25 53 16784 70 78 1906—1 09 7718 6995 31 39 29 45 14713 70 73 Tabelle 3. Wahrscheinliche Ehen.3 4 5) ev. Frau kath. Frau isr. Frau f e. M. 13 740 39 500 469 1901—05 { k. M. 38 444 110 450 1313 ( i. M. 466 1340 16 ev. Frau kath- Frau isr. Frau ( e. M. 11273 32 762 347 1906-09 { k. M. 32 076 93 266 988 I i. M. 348 1 016 11 Tabelle 4. Neigungskoeffizien t.8) 1901—05 ek ke ei ie ki ik ek+ke ei+ie ki+ik 0,23 0,20 0,09 0,06 0,02 0,04 0,22 0,07 0,03 1906—09 0,24 0,22 0,09 0,11 0,03 0,04 0,23 0,10 0,04 Jedenfalls läßt diese kleine Probe der neuen Methode erkennen, wie viel komplizierter sie ist als die landläufige, wie viel feinere Ergebnisse aber da- 3) ek Mann evangelisch, Frau katholisch. — ke. Mann kath., Frau prot. usw. 4) Die Zahl der wahrscheinlichen Ehen ergibt sich, wenn man die Angehörigen je zweier Konfessionen (nach dem Geschlecht) kreuzt, — siehe Tabelle 1 — multipliziert und das Produkt durch die Anzahl) der Paare — s. letzte Rubrik von Tab. 1 — dividiert. 5) Der Neigungskoeffizient ergibt sich, wenn man die Ziffern von Tab. 2 durch die Ziffern von Tab. 3 dividiert, z. B.: 8926 : 39500 0,23.

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