Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 6 (9.2.1917)
- Date
- 1917-02-09
- Page
- Seite 70 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9072829-9102967-9138084--01295-9074119- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
70 Das Jüdische Echo Nr. 6 Motel (bitterlich weinend): W-h-a-a-r-e . . at... (Der Scheidebrief fällt ihm plötzlich aus den Händen und Motel fällt Etel um den Hals, beide vereinigen sich in einem langen, heißen Kuß. Alle sind anfangs wie gelähmt vor Staunen, sehen einander und den Rabbiner an.) Alte J — o — nu pfui! Der Rabbiner (nach einigen Augenblicken): Nu, nu! So eine Geschichte! So eine Geschichte! (zuckt die Achseln) Ich bin schon Gott sei Dank bald siebenunddreißig Jahre lang Rabbiner und hab’ nicht wenig Pärchen geschieden — aber so was ist noch nie geschehen! Frume-Liebe (sieht keinen an): Vom Himmel beschert! Wahrscheinlich ist das ein Paar vom Himmel, von seinem lieben Namen, gesegnet sei er! R’Scholom-Schadchen: Masel tow! Juden, sagt Masel tow, Juden. Und stellt Wein, stellt. Alle: Masel tow! Masel tow! Masel tow! Der Schreiber: Reb Ruben-Hersch! Reb Rüben Hersch! Laßt was zu trinken kommen, wollen wir „rchajim“ trinken! Alle: Trinken! Trinken! Judel, bring was zu trinken! Juden: Ich geh! Ich lauf schon! Was soll ich sonst bringen? R’Scholom-Schadchen: Bring Kuchen, bring, und Hering bring und etwas Knackwurst, etwas! Ruben-Hersch (zu Scholom-Schkdchen): Nun, Reb Scholom! Was hab’ ich Euch gesagt? Nicht wahr? Wer hat Recht, Reb Scholom? Ha, Reb Scholom? Da hast du gar, sich scheiden! R’Scholom-Schadchen: Aber mein Lohn? Reb Ruben-Hersch! Mir kommt Lohn zu! Ein Schadchen, wenn er sogar nur von der Seite zuschaut, muß er auch Schadchenlohn bekommen, muß er! Was sagt Ihr, Reb Orke, nicht wahr, was? Denkt Euch eine neue Partie — denkt Euch! (zum Schuldiener) Und vergeßt nicht, Reb Judel, Knackwurst, um Gottes willen, Knackwurst! Alle: Wo ist denn das Pärchen? Wo sind sie? Hast du so was gehört? Ha, ha, ha! Eine Komödie! Eine reine Komödie! (lachen.) Levi-Benjamin (zu Motel): Masel tow, dir, Motel! Wer dich beneidet, soll selbst nichts haben, ich hab’ dich schon versorgt für immer ... (zu den Leuten): Eine Komödie, es ist wirklich aber auch eine Komödie zu schreiben daraus! Sara-Chantzi (erscheint hinter dem Vorhang, zu Ruben-Hersch): Ruben-Hersch, du hörst? Hab’ ich dir gesagt, daß er uns in den Zeitungen besudeln wird, dieser Schuft, besudelt soll er werden innwendig und auswendig! (droht mit den Fäusten und geht hinaus.) Gemeindenu. Vereins-Echo Dem königlichen Bibliothekar an der Berliner Universitätsbibliothek Dr. Heinrich L ö w e ist wegen besonderer wissenschaftlicher Verdienste der Professortitel verliehen worden. H. Löwe hat sich durch seine jüdisch-wissenschaftlichen Bestrebungen in Deutschland einen Namen gemacht. Dow Ber Ratna, der berühmte Talmudgelehrte, ist in Wilna gestorben. Hauptversammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. In Berlin traten die Vertreter der einzelnen Ortsgruppen des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu einer Hauptversammlung zusammen. Der Vorsitzende, Justizrat Horwitz, begrüßte die Gäste und führte dabei aus: Das über uns hereingebrochene Völkerringen kann für uns nur zu einem befriedigendem Ende geführt werden, wenn das gesamte Volk in Einigkeit, Tüchtigkeit und Treue zusammenhält. Was die deutschen Juden anlangt, so haben wir, wie genugsam bekannt ist, im Kriege unsern Mann gestanden. Wenn wir trotzdem manches unerfreuliche erleben mußten, so werden wir zu anderer Zeit unser Recht zu wahren wissen. Deutschlands Ruhm und Gedeihen ist auch uns Juden Lebensbedürfnis. In diesem Sinne blicken wir auf zu den Führern zu Wasser und zu Lande und geloben unverbrüchliche Treue. (Lebhafter Beifall.) Dem obfersten Kriegsherrn aber wollen wir unsere Huldigung darbringen in der Absendung folgender Depesche: „Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät bringen die zu ihrer Hauptversammlung heute hier aus allen Teilen des Deutschen Reichs vereinigten Abgeordneten des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ihre Huldigung und das freudige Bekenntnis unverbrüchlicher Treue zu Kaiser und Reich dar. Wie die deutschen Juden in dem unserm Vaterlande aufgezwungenen Kampfe in hingebungsvoller Pflichterfüllung mit allen ihren Mitbürgern gewetteifert haben, werden sie niemals aufhören, für unser geliebtes Vaterland einzustehen mit Gut und Blut, mit Herz und Hand. Gott schütze und segne Eure Majestät und unsere unvergleichlichen Truppen zu Lande und zu Wasser“. Hierauf hielt Geh. Justizrat Cassel, Berlin, einen Vortrag über: „Die Juden im Heere“. Zu Anfang des Krieges, betonte er, hat die jüdische Jugend sich begeisterungsvoll in den Kampf begeben, in dem Bewußtsein, ihre Schuldigkeit bis Zahn-Praxis Frau Paula Thomas MUnchen Soheilingstrasse I, an der Ludwigskirehe. Zahnschmerzen werden sofort und schmerzlos beseitigt- Reparaturen in einigen Stunden Spezialistin für Kronen und Brückenarbeit. Munthea-Maxumlaansfr. 59 Runst^jewerblidze Werkst äffe tia •mJÄcjnt.191tiM. ay/ea. Ln Kris fall - Bronze - ZTztfez-z -Holte,. Kopien, alier fi,Uj$j£er Ckröße^ Muöllerlader Firma Strampfer vorm. Franz Musil FEIME DRMEMSCHNEIDEREI Telephon 26186 München 5chellingstr.10