Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 6 (9.2.1917)
- Date
- 1917-02-09
- Page
- Seite 67 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 67 dern und M. 29.67 bei den Franzosen ausgegeben und ein bedeutender Gradmesser der Kultur liegt in der Verteilung der wissenschaftlichen Nobelpreise, von denen auf Deutschland 14, auf England und Frankreich je drei entfallen. Für die Tüchtigkeit eines Volkes spricht besonders auch die Höhe seines Volksvermögens, das im Jahre 1914 in Deutschland 375, in England 345, in Frankreich 245 Milliarden Mark betrug. Auf Grund eines umfangreichen, sorgsam zusammengestellten statistischen Ziffernmaterials gab der Redner sodann ein treffliches Bild von der Bedeutung des Judentums in Deutschland und des jüdischen Einflusses für Deutschland in den neutralen Ländern. Er zeigte an Hand dieser interessanten Ziffern den hohen Qualitätswert des 15 Millionen zählenden jüdischen Volkes, daß von den 14 deutschen Nobelpreisträgern allein sieben jüdisch sind und führte als noch mehr unparteiisches Zeugnis für die Geistigkeit des jüdischen Volkes an, daß die Weltmeisterschaft im Schachspiel im letzten halben Jahrhundert allein von drei Juden errungen wurde. Er wies dann auf die große Entwicklungsfähigkeit des jüdischen Volkes hin, die sich in dem erheblichen Geburtenüberschuß kennzeichnet und bezeichnete es als eine Folge der deutschen Grenzschutzpolitik gegen das östliche Judentum, daß sich die weitaus größte Mehrzahl der jüdischen Auswanderer nach Amerika, England und Frankreich wenden mußten und dort notgedrungen das industrielle, bezw. militärische Rückgrat der Feinde Deutschlands stärkten. Sollte Deutschland auch nach dem Kriege, was jedoch nicht zu erwarten ist, mit seiner Grenzsperre gegen die Juden nicht brechen, so ist nicht damit zu rechnen, daß die Sympathien des jüdischen Volkes auf deutscher Seite bleiben können. Zum Schuß zeigte der Redner noch, wie auch im Orient das jüdische Element zu Gunsten des Deutschtums in die Wage fällt und schloß damit seinen hochinteressanten Vortrag. Das Wahlkomitee der Assimilanten veranstaltete, wie die „Deutsche Lodzer Zeitung“ meldet, am 22. ds. im Lodzer „Großen Theater“ eine große Wahlversammlung unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Josef Sachs. Es sprachen die Herren Weisfeld, Nußbaum, Littauer, Graumann von der genannten Partei. Es sprach auch Herr M. Hellmann vom Jüd. Zentr.-Komitee. Er brachte die Anfrage vor, ob im neuen Stadtparlament die Assimilanten berechtigt seien, im Namen der Lodzer jüdischen Bevölkerung zu sprechen, wenn sie sich nicht der zu bildenden Jüdischen Fraktion anschließen. Eine Abstimmung hierüber ließ jedoch der Vorsitzende nicht zu. Er gab vielmehr seiner Überzeugung Ausdruck, daß die jüdischen Wähler reif genug seien, nach ihrer Überzeugung abzustimmen. Edouard Drumont. der berüchtigte Verfasser des antisemitischen Werkes „La France juive“ und Herausgeber der „Libre Parole“ ist, wie aus Paris gemeldet wird, gestorben. Der Dienstzwang in England. Über die Dienstpflicht der russischen Juden im englischen Heere liegen nunmehr endgültige Bestimmungen vor. Der Dienstpflicht unterliegen nur diejenigen russischen Untertanen, die seit mehr als 5 Jahren in England leben. Ihre Naturalisation soll drei Monate nach Eintritt in das Heer erfolgen. Für diejenigen, die um Befreiung vom Dienst einkommen wollen, bestehen besondere Gerichte, deren Entscheidung endgültig ist. Judenlose Tage. Unter dieser Überschrift schreibt das „Isr. Wochenblatt f. d. Schweiz“: In einem Aufsatze, betitelt „Judenlose Tage“, macht die „Jewr. Nedelja“ auf den merkwürdigen Umstand aufmerksam, daß in den Dumasitzungen seit dem 20. XI., wo gegen die Regierung flammende Reden gehalten wurden, wo die Mißstände, die Leiden der Volksmassen usw. unverhüllt geschildert wurden und nicht nur von links, sondern auch von rechts, wo auch die verkapptesten Antisemiten auftraten, man kein einziges Mal auf die Juden zu sprechen kam, als ob „Judenlose Tage“ eingeführt würden . . . Bestand doch seit jeher die Sitte, alle Mißstände den Juden in die Schuhe zu schieben, den Juden zum Sündenbock zu machen. Wenn es diesmal nicht einmal seitens der Reaktionäre erfolgte, so ist es nicht, weil die Rechten ihren Standpunkt gegenüber den Juden geändert hätten, sondern weil man allgemein über den Zerfall der Regierung, über die heranziehende Staatsgefahr so sehr im klaren ist, daß die Mär vom Juden, welche stets dazu diente, in den Augen der Massen die Schuld der regierenden Schichten durch die Schuld der Juden zu ersetzen, nicht mehr imstande ist, die öffentliche Aufmerksamkeit von der Regierung und ihrer Schuld abzulenken... Jetzt ist das Alibi der Juden an all den Mißständen, welche Rußland in Gefahr bringen, klar für alle Welt festgestellt worden, es ist nun auch denjenigen Schichten klar geworden, welche noch gestern hinter dem Rücken des Juden die wahren Verbrecher nicht bemerkt haben ... Der Verband der spanischen Juden in Amerika hat sich gemeinsam mit der Gesellschaft zum Schutze jüdischer Einwanderer an die amerikanische Regierung mit dem Ersuchen gewandt, den aus Saloniki Eingewanderten gegenüber Milde walten zu lassen. Die Saloniker Juden werden bekanntlich von den Venizelisten so hart bedrängt, daß sie, wenn dies irgend möglich ist, nach Amerika auszuwandern suchen. In Anbetracht der Umstände, besonders der schweren Gefahr, die eine Deportation nach Saloniki für die geflüchteten Juden bedeuten würde, hat die amerikanische Regierung beschlossen, diese vorläufig in keinem Falle zur Deportation zu verurteilen. Jüdische Beamte in Rußland abgesetzt. „Rjetsch“ erwähnt eine neue Verfügung des Ministers des Innern, wronach alle von den Städte- und Semstwoverbänden beschäftigten Juden außer den Ärzten und Heilgehilfen sofort zu entlassen und durch Personen anderer Bekenntnisse zu ersetzen sind. Der Jüdische Nationalfonds im Jahre 1916. Im Dezember 1916 erreichten die Einkünfte des Nationalfonds die Höhe von M. 136 131. Die Spendeneinnahmen des Jüdischen Nationalfonds pro 1916 betragen M. 749 380; davon entfallen M. 2920 auf den Genossenschaftsfonds. Dies Ergebnis darf im Vergleich mit dem der beiden vorhergehenden Kriegsjahre (1914 M. 595 763, 1915 M. 509 428) befriedigend genannt werden und wurde nur durch das Firiedensrekordjahr 1913 (M. 811 200) übertroffen. Der Anteil der einzelnen Länder am Jahresergebnis des JNF ist wie folgt: Nordamerika M. 214 655, Österreich M. 170 987, Deutschland M. 130 789, Rußland M. 65 068 (davon M. 26 864 aus dem besetzten Gebiet Polen und Lithauen), Ungarn M. 28 987, Holland M. 28 737, Argentinien M. 18 246, England M. 16 613, Rumänien M. 15 218, Südafrika M. 12 002, Canada M. 8237, Südslavische