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Das jüdische Echo · 1917-02-09 · 6 (9.2.1917) · p. Seite 66

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
6 (9.2.1917)
Date
1917-02-09
Page
Seite 66 (sequence 6)
Language
German
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66 Das Jüdische Echo Nr. 6 volk wirtschaftlich, gesellschaftlich und staatlich beherrschte.“ Die „feindliche Religion“ ist wohl diejenige der Nathan - Naturen, von denen — Qeheimrat von Schmoller als von einem besonders hochstehenden Menschentyp sprach. Welt-Echo Reichskanzler und Antisemiten. Die deutschvölkische Partei hielt am 14. Januar eine Sitzung in Kassel ab, bei der in einer langen Reihe von Beschlüssen Herrn v. Bethmann-Hollweg das Mißtrauen der Parteileitung ausgesprochen und er zur Niederlegung seines Amtes aufgefordert wird. Die Resolution enthält u. a. den folgenden Passus: „Trotz wiederholter Aufforderung, den Wucher kriegsmäßig zu bekämpfen, wird unter Verantwortung des Herrn Reichskanzlers der Kampf dagegen nur lau geführt, und das jüdische Volk beherrscht unter seiner Duldung und Förderung das ganze Wirtschaftsleben“. Staatssekretär Zimmermann über die Lage der polnischen Juden. Folgender Telegrammwechsel hat zwischen dem deutschen Gesandten Grafen Bernstorff und dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Zimmermann stattgefunden: Seiner Exzellenz Grafen von Bernstorff, Kaiserl. Deutscher Gesandter Washington. D. C. Bezugnehmend auf die Verordnung der deutschen Regierung über die Organisation der jüdischen Religionsgemeinschaft in Polen, die in weiten Kreisen der amerikanischen Judenheit Aufsehen erregt hat, bittet „The American Jewish Chronicle“ Euer Exzellenz um Aufklärung über die Art und Bedeutung des erwähnten Gesetzes. Die amerikanischen Juden wünschen zu erfahren, ob das neue Gesetz über die religiöse Autonomie für die polnischen Juden die kulturelle Autonomie auf nationaler Grundlage einschließt, ebenso ob der oberste Rat der Juden, der durch das Gesetz vorgesehen ist, in der Lage sein würde, an der künftigen Regierung Polens teilzunehmen, und ferner, ob es wahr ist, daß die polnischen Juden in die neue polnische Armee eingereiht werden sollen. Der deutsche Gesandte übermittelte dem „American Jewish Chronicle“ daraufhin folgende Antwort: In Beantwortung Ihrer Anfrage über die Rechte, die den polnischen Juden gewährt worden sind, gestatte ich mir, Ihnen die Abschrift einer Depesche zu übermitteln, die ich soeben von meiner Regierung erhalten habe: I. Das neue Gesetz über die Verwaltung und Organisation der jüdischen Gemeinden in Polen übertrifft nach übereinstimmendem Urteil aller Sachkenner bei weitem alle bisherigen Verfassungen für die Juden und vermeidet dadurch die durch die früheren Gesetze verursachten Fehler. Es gibt den Juden weitgehende Selbstverwaltung und die Möglichkeit zur Unterhaltung eigener Schulen auf Grundlage eines eigenen Unterrichtssystems. II. Die Frage der nationalen Autonomie ist nur durch die polnische Verfassung zu lösen und konnte durch das jetzige Gesetz nicht vorweggenommen werden. Hierzu ist eine vorübergehende Verständigung zwischen Polen und Juden erforderlich, um einen Interessenkonflikt zu vermeiden. III. Jedenfalls ermöglicht die Verordnung die gesunde Entwicklung eines blühenden jüdischen Lebens und einer unbehinderten Vorwärtsentwicklung. Sie schafft Körperschaften mit Selbstverwaltung, die ihre Schulen organisieren, leiten, überwachen und den Lehrplan bestimmen. Sie haben die Befugnis zur Erhebung von Steuern und bilden angesehene Körperschaften zur Wahrnehmung jüdischer Interessen. Die Verwaltungsräte der Kreisgemeinden und der Oberste Rat der Juden, die in dem Gesetz vorgesehen sind, ermöglichen den polnischen Juden, an der künftigen Regierung des Königreichs Polen teilzunehmen. IV. Eine Zwangsaushebung von polnischen Juden erfolgt nicht. Nur freiwillige Meldung von Polen und Juden für die polnische Legion kommt in Frage. Der Umfang solcher freiwilligen Meldungen kann jedoch jetzt noch nicht übersehen werden. Zimmermann, Staatssekretär d. Auswärt. Amtes. Alphonse Levy gestorben. Im Alter von 79 Jahren ist vor kurzem der Schriftsteller Alphonse Levy, der frühere Herausgeber der Monatsschrift des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens „Im deutschen Reich“ gestorben. Ursprünglich Kaufmann, widmete er sich daneben kunst- und literarhistorischen Studien und war dann viele Jahre als Redakteur sächsischer Blätter, zuletzt beim „Freiberger Anzeiger“ tätig. 1895 übernahm er die Redaktion der obengenannten Zeitschrift, die er bis vor etwa zwei Jahren fortführte. Unter dem Pseudonym Ernst Maurer u. a. hat er eine Reihe historischer und kunsthistorischer Arbeiten veröffentlicht; auch verdankt man ihm eine „Geschichte der Juden in Sachsen“ (1901). Rabbinerverband und Verband der deutschen Juden. Zu einem Ausgleich zwischen den beiden Verbänden kam es auf einer Sitzung des Zentralausschusses des Rabbinerverbandes, die Ende Dezember in Berlin stattfand. Es wurde folgender Antrag angenommen: Der Rabbinerverband hält nach wie vor daran fest, daß der Rabbiner der gegebene Vertreter der religiösen Angelegenheiten der Juden auch den Behörden gegenüber ist. Unter diesem prinzipiellen Vorbehalt, auf den er nicht Verzicht leisten kann, erklärt sich der Ausschuß bereit, mit dem Verband der deutschen Juden zusammenzuarbeiten. Er ist damit einverstanden, daß zur Grundlage dazu die Arbeit der zu bildenden gemischten Kommission genommen werde. Juden und Deutsche. Im Allensteiner Verein für Jüdische Geschichte und Literatur sprach neulich Herr D. Trietsch über „Juden und Deutsch e“. Er führte dabei aus, daß die Juden seit undenklichen Zeiten das bestgehaßte Volk der Welt seien, daß ihnen dieser Ruf aber seit Ausbruch des Krieges von den Deutschen streitig gemacht sei. Allenfalls kämen ihnen in dieser Unbeliebtheit in der Welt nur noch die Türken gleich. In der Zusammenfasssung dieser drei Völker — Juden, Deutsche und Türken — ihrer Einzelcharakterisierung und der Darstellung ihrer Beziehungen zu einander lag der Kern der weiteren Ausführungen des Redners. Zunächst beleuchtete er die Stellung Deutschlands in der Welt und in diesem Weltkriege, der ein „Kampf zwischen Kultur und Barbarei“ genannt werde, und bezeugte durch die bekannten, wissenschaftlich feststehenden Tatsachen, auf welcher Seite die wirkliche Kultur zu suchen sei. So kommen auf je 10 000 Rekruten in Deutschland 2, in Frankreich 100 und in England 320 Analphabeten; für Rüstungszwecke habe Deutschland vor dem Kriege am wenigsten, nämlich 21.86 Mark auf den Kopf der Bevölkerung gegen M. 33.05 bei den Englän-

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