Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1917-02-02 · 5 (2.2.1917) · p. Seite 57

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
5 (2.2.1917)
Date
1917-02-02
Page
Seite 57 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9072829-9102967-9138083--01281-9074105
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 5 Das Jüdische Echo 57 vor nicht langer Zeit als Professor der hebräischen Literatur an die Universität Madrid berufen wurde, ist es gelungen, diese Gemeinde zu schaffen, die von den Behörden gesetzlich anerkannt wurde. Dr. Yahuda bemüht sich, nun auch für eine jüdische Gemeinde in Madrid die Genehmigung der Regierung zu erhalten. Von der Gemeinde in Bayonne hat er ein Sefer Thora erhalten, das 1492 von den vertriebenen Juden dorthin mitgenommen wurde und wahrscheinlich aus der spanischen Stadt Vittoria stammte. Übrigens erzählt Dr. Yahuda die interessante Tatsache, daß noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts jüdische Familien in Bayonne Schlüssel zu den Häusern ihrer Vorfahren in Vittoria besaßen und diese wie Heiligtümer bewahrten. Feuilleton Der Scheidebrief. Ein Akt in drei Bildern. Von Scholem-Alechem. Aus dem Jüdischen. (Fortsetzung.) Zweites Bild. Das Zimmer wie im ersten Bild. 1. Szene. Ruben-Hersch. Reb Scholom-Schadchen. (Rüben Hersch über ein Buch gebeugt, sichtbar sehr aufgeregt. R’Scholom-Schadchen blickt ihm in die Augen.) R’Scholom-Schadchen: Was seid Ihr so aufgeregt, was? So was geschieht schon, so was. Eure Tochter ist nicht die erste. Ihr fürchtet, sie wird keinen anderen kriegen, wird keinen? Brody ist noch nicht ausgestorben, Brody! Ruben-Hersch: Was redet Ihr? Wem wollt Ihr was aufbinden? Motel ist eine Perle, ein selten zu findendes Kind, ich soll so leben, ein seltenes! R’Scholom-Schadchen: Nun, wer sagt denn das, wer? Er ist gewiß ein ganz guter, junger Mann, ist er; aber wahrscheinlich ist er für sie kein beschertes Paar, wahrscheinlich. Ruben-Hersch: Kein beschertes, sagt Ihr? Warum? Was fehlt ihm? Ich frage Euch, R'Scholom, wodurch ist das Paar nicht gut? Im Gegenteil, sagt Ihr selbst! (rückt an ihn nahe heran.) R’Scholom-Schadchen (rückt von ihm ab): Was weiß ich, was? Gott paart Paare, paart er, was kann ein Mensch wissen, was? Ruben-Hersch (packt R’Scholom am Rock und schüttelt ihn): Gott paart Paare, sagt Ihr? Ihr könnt mir sowas sagen? Ihr wisset doch was sich da tut und wollt mich narren? Mich? R’Scholom-Schadchen (rteißt sich los): Laßt mich in Ruh’, laßt mich! Was geht’s mich an, was? Muß ich in fremde Tasche kriechen, muß ich? Ich weiß nichts, ich! . . Ruben-Hersch (auf- und abgehend): Oh, wie Ihr’s wisset! Ihr wisset ganz genau von meiner Plage, von meiner Marter! Ihr stellt Euch nur so, als ob Ihr nicht wisset. R’Scholom-Schadchen: Ja, aber was geht’s mich an, was? Man hat mich rufen lassen, hat mich, bin ich gekommen, bin ich; man sagt — Scheidung soll sein Scheidung — soll sein! . . . Ruben-Hersch (bleibt stehen): Scheidung, sagt ihr? — R’Scholom-Schadchen (kaltblütig): Nun ja, versteht sich — Scheidung. Ruben-Hersch (schlägt mit der Faust auf den Tisch): Ich will keine Scheidung! Ihr hört, Reb Scholom? Ich will keine Scheidung! Ich will’s nicht? Hört Ihr oder hört Ihr nicht? R’Scholom-Schadchen: Ich höre, ich höre; warum sollte ich nicht hören, warum? „Sie“ will aber, „sie“! Ruben-Hersch: Was für „sie“? Wer ist „sie“? R’Scholom-Schadchen: Ich meine Sara-Chantzi, mein’ ich; Euere Sara-Chantzi, Euere! . . . Ruben-Hersch: Sara-Chantzi? Nun, und wo bin ich? R’Scholom-Schadchen (trommelt auf dem Tisch): Das weiß ich nicht, das! Ruben-Hersch: Was heißt, Ihr wißt nicht? Ich soll so was bei mir im Hause zulassen? Ein solcher Frevel ist ja unerhört. Man soll zwei Kinder, zwei liebe Kinder, die ein Herz und eine Seele sind, gar plötzlich ohne weiteres auseinanderreißen, sie scheiden lassen, ihr Glück für immer brechen? Wofür? Wozu? Für wessen Sünden? (schüttelt R’Scholom.) R’Scholom-Schadchen (sich losreißend): Was hab ich verschuldet, was? Was wollt Ihr von mir, was? Ruben-Hersch (mit Wärme): Ein solches Juwel! So ein junger Mann! Nun, und ich soll da Zusehen und schweigen? Ha? Was denkt Ihr Euch? Ich bin doch ein Vater! Ich bin doch der Vater! Ich hab’ auch was dreinzureden — ja oder nein? Ha? Ich soll zulassen, daß man mein Kind zum Opfer bringt? Und wo bin „ich“? Ich frage Euch, R’Scholom, wo bin ich? (will wieder R’Scholom am Rock packen.) R’Scholom-Schadchen (abrückend): Ihr habt Recht! Was wahr ist, ist wahr, Reb Ruben- Hersch! Ihr habt gewiß Recht, habt Ihr; lasset doch etwas Schnaps und Imbiß bringen. Ich hab’ noch heut’ morgen nichts im Mund gehabt hab’ ich. (Man bringt eine Flasche Wein und Imbiß.) R’Scholom-Schadchen (sich einschenkend): Auf Euer Wohl, Reb Ruben-Hersch! Auf Euer Wohl! Gott soll bessere Geschäfte bescheren, soll er! Auf Euer Wohl! (Trinkt ein Glas nach dem andern.) Kostümfabrik F. u. A. Diringer München, Herrnstraße 23, Hochbrückenstraße 13 König!, bayer., königl. Württemberg., grossherzogl. badische Hoflieferanten Bankkonto: K. Filialbank, München und Bankhaus Martini u. Simader, München. — Postscheckkonto: Nr 3613 München. Telegramm-Adresse: „Dir.nger München“. — Telephon-Nr : 21774, 21775, 21776 Grobte Fabrik und Verleihanstelt dieser Art In Deutschland. Vorrat von über 60000 Kostümen aus allen Zelten u. allen Ländern. Getrennte Herren-, Damen-, Kinderu. Militär-Abteilungen, netebes Lager In Wafton und Ausrüstungen. Vollständig neuxeitiieh o In Gerichtet und umgebaut. Spezialität: Ganze Ausstattungen fürTheaterstücke u. Filmaufnahmen _WMF Sperialkataloge stehen auf Wunsch kostenlos mr Verfügung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.