Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 5 (2.2.1917)
- Date
- 1917-02-02
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9102967-9138083--01280-9074104- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
56 Das Jüdische Echo Nr. 5 tun, um eine Wiederholung solcher schändlichen, die Verwaltung in Mißkredit bringenden Untaten der Stadtbeamten zu verhindern?“ Der Magistrat gab hierauf die Antwort, daß diese Angelegenheit dem österreichischen Kriegsministerium übergeben worden sei. Die Wahlen in Lodz. Gewarnt durch die schlimmen Erfahrungen der Juden in anderen polnischen Städten, hat das Gros der jüdischen Bevölkerung in Lodz es vermieden, mit den Polen und Assimilanten zu paktieren. Zionistische und nationale Elemente, denen sich schließlich die Handwerker anschlossen, vereinigten sich zu einem „Zentralen jüdischen Wahlkomite“, während die Neo-Assimilanten ein besonderes Komite bildeten und die extremen Assimilanten sich den nicht-jüdischen Parteien anschlossen. In der Kurie der Arbeiter standen sich die zionistische Arbeiterpartei „Poale Zion“ und der national-sozialistische „Bund“ als Konkurrenten gegenüber. Durch den Zusammenhalt der nationalen Kreise erlangten diese den Sieg über Assimilanten und Polen. Von den 50 Ratsmännern der 5 ersten Kurien sind 9 Deutsche, 13 Polen und 28 Juden, von denen nur 2 zu den extremen Assimilanten und 2 zu den Neo-Assimilanten gehören. Eine besondere jüdische Fraktion im Stadtrat soll künftig die Rechte der Juden vertreten. In der 6. Kurie wurden 3 Juden gewählt, darunter 2 Poale-Zionisten. Semstwo und Judenfrage. Wie „Rjetsch“ mitteilt, haben die parlamentarischen Fraktionen kürzlich die Frage der Zulassung der Juden zu den Semstwos beraten. Im Schoße des Fortschrittlichen Blocks nahm besonders die nationalistische Fraktion lebhaften Anteil an dieser Beratung. Das Kadettenblatt bemerkt dazu, auffallenderweise haben sich die Vertreter der Ukraine u.Weißrußlands, auch die Bauern, für die Zulassung der Juden ausgesprochen; das sind aber gerade die Vertreter der Gebiete, in denen die Juden wohnberechtigt sind, und vermutlich einen erheblichen Einfluß in den Semstwos erlangen würden. Die Vertreter der großrussischen Gouvernements, die die Mehrheit bilden, lehnten aber ausnahmslos die Zulassung der Juden ab. Eine Petition an Wilson betreffs Übergabe Palästinas an die Juden. Auf einer Zusammenkunft von Kirchenvorstehern in Atlantic City wurde auf Anregung des bekannten Philanthropen Blackstone eine Petition an den Präsidenten abgesandt, mit dgr sich jetzt das Washingtoner Ministerium des Äußern ernstlich beschäftigt. Die Petition ist von bekannten Staatsmännern, Geistlichen, Philanthropen, Kirchenvorständen usw. unterzeichnet; sie stützt sich u. a. auf die bereits im Jahre 1891 an den damaligen Präsidenten Harrison überreichte ähnliche Petition, von der auch eine Kopie beigelegt wurde und in der ersucht wird, die Regierung der Vereinigten Staaten möge bei der Zusammenkunft der Vertreter europäischer Regierungen auf einem internationalen Kongreß erwirken, daß den Juden ein rechtlich gesichertes Heim in Palästina geschaffen werde. Herr Blackstone, der diese Petition als erster unterschrieb, ist nach Ansicht des amerikanischen Zionistenführers Brandeis ein sehr ernster und einflußreicher Christ, der auch als Schöpfer der Petition vom Jahre 1891 gilt, die von Senatoren, Parlamentsabgeordneten, Schriftstellern und angesehenen Zeitungsredakteuren in Amerika unterzeichnet wurde. Den Berichten amerikanischer Zeitungen zufolge, verleiht das Washingtoner Staats-Departement dieser Petition, angesichts der bedeutenden Persönlichkeiten, von der sie unterzeichnet wurde, die gebührende Würdigung. Ein Manifest der Solidarität. Die Konferenz des Jüdischen Volkshilfskomitees, die vom 16. bis 20. November in Boston tagte, nahm folgende Deklaration an, die in allen Zeitungen veröffentlicht wurde; „Die in Boston versammelte nationale Konferenz des Volkshilfskomitees erklärt; Die vom jüdischen Volke in den neutralen Ländern gesammelten Hilfsgelder sind keineswegs als Almosen, Wohltätigkeit oder Philanthropie zu betrachten; es ist nicht eine von einem einzelnen erteilte Unterstützung, sondern die natürliche und organische Anstrengung eines Teils des jüdischen Volkes für den zweiten, eine Anstrengung für die historische Selbsterhaltung und den Bestand der ganzen jüdischen Nation. Die nationale Konvention erklärt ferner, daß die für das jüdische Volk in den Kriegsländern gesammelten Hilfsgelder nicht nur zur Erhaltung der physischen Existenz, sondern auch zur Rettung des Geistes des ruinierten Volkes bestimmt sind; zur Erhaltung der jüdischen Kultur, zur Schaffung der Mittel, die dem leidenden Volke die Möglichkeit geben sollen, die heranwachsende Jugend nach den Wünschen der Juden der verschiedenen Länder zu erziehen. Die nationale Konvention erklärt ferner, daß die Hilfsaktion für die Juden in den Kriegsländern keine zeitweilige, sondern eine dauernde sein muß. Sie muß dem ruinierten Volke sowohl in den alten als auch in den neuen Siedlungen den Wiederaufbau ihrer früheren ökonomischen Positionen ermöglichen und so die Notwendigkeit der Hilfe ausschalten. Die nationale Konferenz wendet sich mit dieser feierlichen Aufforderung an alle Juden Amerikas und erinnert sie an ihre Pflicht, sich mit ganzem Herzen der Hilfsarbeit zu widmen, für dieselbe Geld, Kraft und Begeisterung zu opfern. Insbesondere fordert die Konvention die jüdische Jugend Amerikas auf, in dieser Zeit nationalen Unglücks und nationaler Gefahr ebenso wie die Jugend anderer Nationen ihre Pflicht gegenüber ihrem Volke zu erfüllen. Juden Amerikas! Seid eingedenk des gegenwärtigen Moments! Seid eingedenk eurer gegenwärtigen historischen Pflicht! Die Würde der amerikanischen Juden und die Tragik des gegenwärtigen Augenblicks verlangen von uns die größten Opfer und feste Eintracht für die Selbsterhaltung und Erneuerung unseres Volkes.“ Amerikanische Vereinigung rumänischer Juden. Am 31. Dezember vereinigten sich in New York 280 Delegierte der rumänischen Juden in den Vereinigten Staaten, Kuba und Kanada zu einer Sitzung. Die neu geschaffene Vereinigung wird für die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien arbeiten und gleichzeitig die Interessen der rumänischen Juden in Amerika und Kanada wahrnehmen. Ferner will sie dem Joint Distribution Committee Hilfsgelder für die durch den Krieg notleidenden Juden zuführen. Eine jüdische Gemeinde in Barcelona. Mehr als vier Jahrhunderte nach der Vertreibung der Juden aus Spanien ist nun in Barcelona eine neue jüdische Gemeinde entstanden. Dr. Yahuda, der