Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 5 (2.2.1917)
- Date
- 1917-02-02
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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58 Das Jüdische Echo Nr. 5 R’Scholom-Schadchen (wieder trinkend): Pfui, Reb Ruben-Hersch, pfui, pfui! Ruben-Hersch (schlürft aus dem Glas): Aber gar wirklich „pfui“, R’Scholom! R’Scholom-Schadchen (trinkt): Sehr pfui, Sehr pfui! Ruben-Hersch (schlürfend): Aber so pfui, R’Scholom, wie’s nur pfui sein kann! R’Scholom-Schadchen: Pfui, pfui, pfui, zum Krepieren pfui! Ruben-Hersch (sentimental): Was wißt Ihr, Reb Scholom, wie pfui es ist, was Ihr vom Pfui wisset, ist nicht ein Achtel von einem Achtel, nicht ein Zehntausendstel von einem Zehntausendstel. Das ist ein solches Pfui, wie es noch keines gab, seit die Welt steht! R’Scholom-Schadchen (betrunken, schüttelt den Kopf und lächelt): Ich weiß, Reb Ruben-Hersch! Es ist gar sehr pfui! Mir braucht Ihr nichts zu erzählen, mir. Ich hab’ auch dieselbe Plage, ich; ganz dieselbe, ganz; und vielleicht gar noch ärger, vielleicht. Ruben-Hersch: Es ist aber doch auszuhalten; nicht wie bei mir. Oh, was wisset Ihr, was wisset Ihr? Niemand weiß es, Reb Scholom! Da liegt es bei mir (zeigt mit dem Finger auf die Brust), da, tief, tief! Und wofür, und wozu? (läßt den Kopf sinken.) Schon einige und zwanzig stehe ich die Leiden aus! Etliche und zwanzig Jahre bin ich in der Hölle ... in den sieben Höllenfeuern; auf glühendem Eisen wird mein Leib gebraten . . . Spießruten, Reb Scholom, Spießruten läßt sie mich dreimal im Tage laufen . . . Ohne Erbarmen . . . Kein gutes Wort von ihr fast seit der ersten Stunde gehört . . . Ein Spaß — einige und zwanzig Jahre! Da braucht man eine Scheidung, Reb Scholom! (sieht sich erschrocken um) da braucht man eine Scheidung! R’Scholom-Schadchen: Gewiß Scheidung! (Schenkt sich ein.) Bei mir auch dieselbe Plage, bei mir! (Sara-Chantzi tritt ein.) 2. Szene. Sara-Chantzi: (kommt hastig herein, bleibt in der Mitte des Zimmers stehen, schlägt die Hände zusammen): Ruben-Hersch! Was für ein Feiertag ist bei dir heute? Gott sei mit dir, Ruben-Hersch! Du wirst ja Zeit noch genug haben, nach der Scheidung zu trinken . . . (Sieht die leere Flasche an.) Hättst etwas auch für später lassen sollen . . . Wirst noch Zeit zum Trinken haben, und Ihr auch, Reb Scholom! So Gott will, bei der zweiten Verlobung und bei der anderen Hochzeit unserer Tochter . . . Soll mir nun Gott jetzt schon mehr Glück bescheren und nicht so ein Eidaml wie Ihr mir gegeben habt, Reb Scholom! . . . R’Scholom-Schadchen (stammelt mit der Zunge): Ich bitt’ Euch, Sara-Chantzi, Ihr seid doch . . . eine . . . eine ... ich mein wirklich’, mein’ ich, eine . . . eine . . . wie sagt er, eine . . . ein . . ei . . eine fromme Frau, ei . . Sara-Chantzi (weist ihnen die Tür, sie gehen beide gesenkten Hauptes hinaus, sie folgt ihnen nach): Nun, geht schon, geht! Alles ist schon fertig! Der Rabbiner hat schon zu mir den Schuldiener geschickt. Der Scheidebrief muß schon geschrieben werden. Nun rühr’ dich schon einmal mal, Ruben-Hersch, rühr’ dich! Schau ihn einmal an, wie er die Füße kaum bewegt. Am hellen Tag setzt man sich gar hin saufen! (für sich) Blutigel sollen ihnen beiden ihr Blut saufen! . . . Hat sich mit diesem Prasser zusammengetan und hat aufgefressen alles, was im Schrank von Kuchen da war, Würmer sollen euch beiden den Leib fressen, süßer Gott! . . . 3. Szene. Motel und Levi-Benjamin. (Durch eine andere Tür eintretend.) Motel (wirft sich auf einen Sessel nieder, schluchzt): Verfinstert ist mein Los! Weh ist mir, daß ich meiner Etel den Scheidebrief geben muß. Levi-Benjamin (lächelnd): Was hättest du gewollt, daß Etel d i r den Scheidebrief gebe? Dauerstellung Wir suchen für Verlag, Expedition und Korrespondenz eine tüchtige, zuverlässige Dame, welche die einschlägigen Arbeiten kennt oder leicht auffasst, Stenographie und Schreibmaschine beherrscht und selbständiges Arbeiten gewöhnt ist. Es handelt sich um angenehme, selbständige Dauerstellung bei gutem Gehalt. Buchdruckerei B. 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