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Das jüdische Echo · 1917-02-02 · 5 (2.2.1917) · p. Seite 55

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
5 (2.2.1917)
Date
1917-02-02
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 Das Jüdische Echo 55 bericht.) Der J. N. F. hat leider eine entsprechende Eingabe des Verbandes während der Kriegszeit abgelehnt. Wir sind trotz der schwierigen Lage, in der wir uns befinden, weit entfernt, ihm in der jetzigen Zeit, die erhöhte Anforderungen an ihn stellt, daraus einen Vorwurf zu machen. Wir halten es aber für die ernste Pflicht jedes Zionisten, für die Erhaltung der Farm zu sorgen, und soweit es in seinen Kräften steht, sie zu fördern. Unsere Farm ist leider nur eine Einzelerscheinung, — Palästina braucht ein ganzes Netz solcher Frauen-Lehrfarmen, nach dem Ausspruch des Herrn Direktor Auhagen, — umsomehr Anspruch hat sie darauf, vor dem Untergang gerettet zu werden. Es ist eine kleine Zelle, aus der sich später einmal ein großer, gesunder Organismus entwickeln kann. Trotz aller Mängel und Unvollkommenheiten, die ihr anhangen, und die bei einer Institution, die sich aus kleinen kümmerlichen Anfängen entwickeln mußte, unvermeidlich sind. Geht diese Zelle zu Grunde, werden Jahre und Jahre vergehen, ehe ein neuer Aufbau unternommen werden kann. Und alle die Mühe, die sie bis jetzt gekostet, die hingebungsvolle Arbeit der Leiterin, Frau Maisel-Schochat, die viele kostbare Frauenkraft, die sie geweckt und gebildet hat, das alles geht mit ihr zu Grunde und ist umsonst gewesen. Deshalb bitten wir: sorgt dafür, daß eure Frauen, Schwestern und Töchter uns zu Hilfe kommen! Wir beabsichtigen einen Aufruf in der Presse zu erlassen und Rundschreiben an alle Freunde Palästinas zu versenden, um sie zur Mitarbeit aufzufordern. Jede Gabe ist herzlich willkommen. Und je schneller die Hilfe kommt, um so wertvoller ist sie uns! — Mit ganz vorzüglicher Hochachtung Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. Frau Professor Warburg, Vorsitzende, Frau Betty Leszynsky, Frau Sonia Gronemann, Schriftführerinnen. Spenden sind zu richten an das Bankhaus A. H. Heymann & Co., Berlin, Postscheckkonto Nr. 7645, für den Jüdischen Frauenverband. Welt-Echo Welt-Kaisertum und Plutokraten. Der „Hammer“ schreibt in einem seiner seherischen Artikel: Wäre Deutschland wirklich von dem Wahnwitz befallen, nach dem Muster Englands ein Welt- Kaisertum aufzurichten, so würden wir verstehen, wenn es nicht nur von dem in seiner Gebieter- Herrlichkeit bedrohten England, sondern auch von anderen Nationen bekämpft würde. Solche Gedanken sind aber bei uns nur das Steckenpferd einer kleinen Clique von Plutokraten und mit ihnen versippter Kreise. Das deutsche Volk hat mit ihnen nichts gemein. Frölich verfügt jene Sippe — wie in England, so auch bei uns — über eine verbreitete Presse, über Banken und Börsen und über mancherlei Mittel zur Beeinflussung und Irreführung der öffentlichen Meinung. Wer mög^n wohl diese Presse-, Bank- und Börsen-Plutokraten sein, die ein Welt-Kaisertum erstreben? Der „Hammer“ rede deutsch. Eine Kriegs-Kommission für rituelle Lebensmittel. Die besonderen Schwierigkeiten, die den rituell lebenden Juden aus vielen notwendigen behördlichen Maßnahmen auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung derzeit erwachsen, haben seit zwei Jahren zu mannigfachen Beschwerden, Verhandlungen und Anträgen geführt, die von den Behörden im Lande, wie an der Zentralstelle überall wohlwollend geprüft und nach bestem Ermessen von Fall zu Fall beschieden werden. Um für die Folge im Interesse aller Beteiligten einer unzweckmäßigen Zersplitterung und Kraftverschwendung auch auf diesem Gebiete zu begegnen, ist auf Grund der von orthodox-jüdischer Seite gegebenen Anregungen eine Kriegskommission für rituelle Lebensmittel mit dem Sitze in Berlin, Friedrichstraße 79 a ins Leben gerufen worden. Der Kommission gehören Vertreter der vornehmlich beteiligten behördlichen Stellen, technische Sachverständige und Vertreter der rituell lebenden jüdischen Kreise an, sodaß eine sachgemäße Behandlung der einschlägigen Fragen erwartet werden darf. Die Kommission hat zunächst versucht, die Frage der Fettversorgung für die rituell lebende Bevölkerung in befriedigenderer Weise zu lösen, als dies bisher möglich war. Nähere Mitteilungen hierüber werden in Kürze erfolgen. Polnische Stimmen. Vom Polenklub des österreichischen Reichsrats wurde folgender Beschluß angenommen: „Wenngleich es dem Polenklub fernliegt, der österreichischen Regierung eine antisemitische Politik zu empfehlen, so ist er doch der Meinung, daß in der gegenwärtigen von Rußland eingeführten Haltung gegenüber den Juden keine Wandlung eintreten solle. Die polnische Bevölkerung, die an die grausame Behandlung der Juden gewöhnt ist, würde eine Änderung der jetzigen Verhältnisse als einen freundlichen Akt gegen die Juden ansehen und, Vergleiche mit den früheren Verhältnissen ziehend, die österreichische Herrschaft als ihnen unfreundlich gesinnt betrachten. Dieses könnte von den Antisemiten als ein Vorwand zur Anstiftung von Pogromen benützt werden.“ Also alles aus Fürsorge für die Juden selbst! Die Judenbehandlung seitens der Lubliner Stadtmiliz veranlaßte, wie eine Reihe von Zeitungen berichtet, die jüdischen Ratsmänner, folgende Interpellation dem Lubliner Stadtrat zu überreichen: „1. Ist es dem Magistrat bekannt, daß die Stadtmiliz beim Verhören von Juden, die des Diebstahls und ähnlicher Vergehen verdächtig sind, ungesetzliche und unmenschliche Mittel und Marterwerkzeuge gebraucht und sie fast zu Krüppeln macht? 2. Was gedenkt der Magistrat zu In Erfüllung seiner Pflicht fand unser liebes und treues Mitglied Herr Rechtsanwalt Dr. Alb. Theilheimer den Heldentod. Ein dauerndes Gedenken in unseren Reihen ist ihm gesichert. Zionistische Ortsgruppe München

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