Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 5 (2.2.1917)
- Date
- 1917-02-02
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Das Jüdische Echo Nr. 5 gerliche Partei es wagen, sich der Bildung eines Blockes entgegenzustellen. Die zionistischen Kandidaten blieben dem erwähnten zionistisch-politischen Programm treu. In ihrem letzten Stadium nahmen aber die Wahlen eine vollständig chaotische Form an. Es muß aber konstatiert werden, daß auch weiterhin die zionistischen Ratsmänner ihre Prinzipien nicht vergaßen und die nationalen Forderungen formulierten. Im Zusammenhang mit der neugeschaffenen politischen Lage beschlossen die Zionisten zu verlangen: 1. eine würdige Repräsentation der Juden in allen kommunalen und Staatseinrichtungen und 2. eine selbständige Verwaltung für alle inneren jüdischen Angelegenheiten. Unter langanhaltendem Beifall erklärte zum Schluß der Berichterstatter, daß die zionistischen Ratsmänner aus der sog. „Vereinigung“ ausgetreten sind und eine selbständige zionistische Fraktion im Stadtrat gebildet haben, die sich die Verteidigung der erwähnten Forderungen zur Aufgabe machen wird. Nach lebhaften Auseinandersetzungen über die Haltung des Waad wurden folgende Beschlüsse gefaßt: „In Kenntnisnahme des Berichts des „Waad haironi“ und der geübten Kritik und in der Anerkennung, daß das Komitee trotz mancher taktischen Fehler bezüglich seiner politischen Tätigkeit immer fest auf dem Boden des Zionismus gestanden ist, drückt die Versammlung dem „Waad“ ihr Vertrauen aus, anerkennt seine gegenwärtigen Bemühungen, eine vereinigte nationale Vertretung zu schaffen, und wünscht, das neugewählte Komitee möge auf diesem Gebiete eine verstärkte Tätigkeit entfalten und die Palästinaarbeit erweitern.“ Außerdem wurden folgende Anträge angenommen: 1. Die rein zionistische Tätigkeit zu erweitern und zu befestigen; 2. die jüdischen bürgerlichen nationalen und religiösen Rechte mit Mut und gebührender nationaler Selbstwürde zu verteidigen; 3. mit der größten Energie auf dem Gebiete der Volksnationalisierung und der Vereinigung aller jüdischen nationalen Gruppen und Richtungen zur gemeinsamen, nationalen Arbeit zu wirken; 4. einen entschlossenen Kampf gegen die Assimilation auf allen Gebieten des jüdischen Lebens zu führen; 5. dafür zu sorgen, daß die orthodoxen und unparteiischen Volksschichten für die jüdische nationale Arbeit gewonnen werden; 6. die zionistische und nationale Arbeit im Geiste der Demokratie zu führen und sich um die Gewinnung der Sympathien der weiten jüdischen Volksmassen zu bemühen, und 7. die energische, positive Arbeit für die Förderung der hebräischen Sprache und der nationalen Kultur fortsetzend, habe sich das Komitee vor jeder Stellungnahme zu hüten, die bezüglich der jidischen Sprache und jidischen Schule als negativ betrachtet werden könnte. Die Debatte über den Bericht des „Waad“ eröffnete der Vertreter der Jugendorganisation „Merkas“, Herr Sokolka. Die Hauptarbeiten, von denen der Bericht spricht, sind — der Meinung des Redners nach — nicht vom „Waad haironi“, sondern von den Einzelvereinen, insbesondere von den Jugendorganisationen ausgegangen, für die übrigens der „Waad“ wenig Interesse an den Tag gelegt hatte. Diese Untätigkeit des „Waad“ trug dazu bei, daß die politische Initiative die nichtzionistischen Elemente übernommen haben. Der Redner sprach von der Unordnung im Schulkuratorium, dem nicht kollegialen Verhältnis der Kuratoren zu den Lehrern und kritisierte die Wahlpolitik des „Waad“. Mit den Assimilanten sei es unmöglich, eine Vereinigung zu schließen. Eine solche „Vereinigung“ bleibe eine Fiktion, die die öffentliche Meinung täuscht. Diese unrichtige Politik des „Waad“, dieses Streben nach Einigung um jeden Preis, führte zur Bildung der „Volksgruppe“, die übrigens auch bloß eine Fiktion ist. Der Redner versicherte aber, daß trotz aller dieser Fehler die zionistische Jugend noch immer bereit ist, eine Leitung zu unterstützen, die eine klare, ausgesprochen zionistische und würdige Politik führen wird. Frauenarbeit in Palästina. Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina richtet folgenden Aufruf an seine Freunde: Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina sieht sich genötigt, die Delegierten der Zionistischen Vereinigung für Deutschland auf die kritische Lage aufmerksam zu machen, in der sich die landwirtschaftliche Mädchenfarm in Kinereth befindet. Es war dem Verband gelungen, seine Institutionen durch das erste Kriegsjahr ohne jede Hilfe von außen zu erhalten, trotzdem der Krieg ihn von der Verbindung mit einer großen Masse seiner Mitglieder glatt abgeschnitten hatte. Im zweiten Kriegsjahr aber spitzten sich die Verhältnisse so zu, daß eine Aktion für die Farm in die Wege geleitet werden mußte. Das Resultat erlaubte, — wenn es auch nicht groß war, — das weitere Durchhalten bis zum jetzigen Zeitpunkt. Der Krieg geht aber weiter und die Verhältnisse in Palästina gestalten sich immer schwieriger und kostspieliger. Wenn keine Hilfe von außen kommt, wird sich der Verband genötigt sehen, seine Farm zu schließen. Brauchen wir auf die Bedeutung der Farm hinzuweisen? — So beschränkt der Rahmen auch ist, in dem sie arbeitet, so bescheiden ihre Einrichtung und so verbesserungsbedürftig das Ganze, so hat sie doch schon in der kurzen Zeit ihrer Existenz so segensreich gewirkt, daß ihr Verschwinden eine große Lücke hinterlassen würde. Was Frauenarbeit in der Landwirtschaft bedeutet, hat uns der Krieg am deutlichsten gezeigt, und auch in Palästina waren es die Schülerinnen der Farm, die in dieser schweren Zeit viel beim Gemüsebau und der Gartenarbeit in den Kolonien geholfen haben. Herr Agronom Oettinger hat bereits vor dem Kriege in einem Bericht hervorgehoben, wie erzieherisch schon die bloße Existenz der Farm auf die umliegenden Kolonien wirkt, wie in ihrer Nähe größere Sauberkeit, größere Abwechslung in der Ernährung, rationelleres Wirtschaften bemerkbar wird. Und gerade jetzt, wo die Institution besondere Bedeutung gewinnt, wo ihre Schülerinnen von den Kolonien für Hilfsarbeit gesucht werden, stehen wir vor der Gefahr ihrer gänzlichen Auflösung. Bereits der 10. Kongreß hat in einer Resolution die Erwartung ausgesprochen, daß der J. N. F. insbesondere auch Unternehmungen fördern wird, die sich die Ausbildung der Frauen für die Landwirtschaft zum Zwecke machen. (X. Kongreß-