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Das jüdische Echo · 1917-02-02 · 5 (2.2.1917) · p. Seite 51

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
5 (2.2.1917)
Date
1917-02-02
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 Das Jüdische Echo 51 nichts, der Jude wird verbrannt — vom Volk natürlich, nicht vom Herrn Qeheimrat Schmoller, der als Wissender sicher ist, daß „vor 100 Jahren das meiste, was die besten Männer auf beiden Seiten heute beklagen, beseitigt oder so gemildert ist, wie wir es wünschen müssen“. Das klingt schon wesentlich anders und weniger meinungsstolz. Aber der Widersprüche sind wahrlich noch mehr als sich mit dem Namen Schmoller irgend verträgt. Nicht wahr: geschichtlich kann man wohl zugeben, daß den Juden jede andere Entwicklung abgeschnitten war, ethisch aber darf man trotzdem die Berechtigung dieser Entwicklung leugnen. Nicht wahr: Assimilation ist notwendig. Aber es ist wenn nicht weise, so doch verständlich, ja selbst im Interesse der Juden gelegen, ihnen die Gleichberechtigung zu versagen. Fördert ein Ausnahmerecht wirklich die Verschmelzung oder bewirkt es das Gegenteil? Nicht wahr: die Assimilierung ist in Frankreich und England — den Ländern der Gleichberechtigung — viel leichter gewesen, als in Deutschland, wo sie durch „Judenhetzen der geschäftlich von der Judenkonkurrenz Getroffenen“ immer wieder gehindert wurde. Und in Rußland: hier ist sie noch geringer entwickelt — und der Staat schließt die Juden noch mehr künstlich ab. Nicht wahr: das westdeutsche, assimilierte Judentum (am besten das durch Mischehen verschmolzene) ist eine glückliche Zugabe zur germanischen Rasse“. Man kann aber gleichzeitig gerade jene Elemente fördern oder bevorzugen, die sich durch rein äußerliche Taufe um persönlicher Vorteile willen als charakterlos erweisen. Die Nathannaturen, Herr Geheimrat, sind es doch schließliclt, wirklich nicht, die sich taufen lassen; nicht einmal die sich assimilieren in Ihrem Sinne. Jene geläuterten Charaktere auf der Menschheit Höhen finden sich aus allen Religionen und allen Lagern zusammen in der Idee des Guten und Schönen. Sie gleichen sich dem Menschheitsideal an, aber nicht der äußeren Umgebung. Sonst hätte Nathan Muhammedaner werden müssen. Wer lacht da nicht? Was heißt denn dann aber überhaupt Assimilation. Man kann dlie Judenfrage als reine Religionsfrage auffassen; so wie es viele scheinbar tun: diese suchen die besten Elemente des Judentums unter den glaubenstreuen Juden und verurteilen die verwaschenen, laxen, denen sie Mangel an moralischem Halt vorwerfen, und gar die charakterlosen, die sich taufen lassen. Man kann sie auffassen als reine Rassenfrage: dann kann nichts sie beseitigen als rascheste Assimilation unter Aufgabe des Glaubens: die „verderblichen“ Elemente sind in diesem Falle die glaubenstreuen, verbohrten, der sie umgebenden Kultur unzulänglichen. Aus dem Glauben kann einer austreten, aus einer Rasse nicht. Heißt nun assimilieren: den Glauben ablegen, er bedeutet das für die Glaubensleute eine Verschlimmerung, für die Rassenleute einen Versuch mit untauglichen Mitteln. Heißt es aber lediglich Anpassung an die Lebensgewohnheiten der Nebenmenschen, so bleibt wenigstens eines der Hauptunterscheidungsmittel, die Religionszugehörigkeit, unberührt — und die Hetze geht weiter. Tatsache ist ja doch, daß man den Juden nicht als Menschen schlechtweg nach seinem guten oder schlechten Eigenschaften einschätzt, sondern nach dem, wie er sich in der Rubrik „Religion“ bezeichnet. Indem nun Schmoller z. B. in der Frage des Reserveleutnants tatsächlich die Religionszugehörigkeit entscheiden läßt, spricht er einer Glaubensassimilation das Wort, von deren minder charakterfesten berechnenden Elementen er gewiß weniger Verbesserung der germanischen Rasse erwarten kann, als von denen, die das Hauptmerkmal Religion nicht wie ein Hemd abgestreift haben. In Wirklichkeit ist’s doch so: wer auf Ehre, auf Uberzeugungstreue hält, kann sich gar nicht vollständig assimilieren — und unterscheide er sich äußerlich noch so wenig von den übrigen Deutschen. J Damit ist aber der circulos vitiosus geschlossen. Nein, nein, nicht künstlich Schranken errichten: es fehlt an der Harmlosigkeit der Auffassung, an dem Willen, den Menschen nach dem zu beurteilen was er ist, statt wie er heißt. Der aufrechte Mensch glaubt nicht an den sittlichen Ernst von Forderungen, die im Nachsatze das aufheben, was sie im Vordersätze aufstellen, die von anderen das als Ideal preisen — Aufgabe der berechtigten Eigenart, der Religion —, was sie selbst als elend und gemein weit von sich weisen. Noch eines: wenn Assimilation alles Heil bedeutet: sollte dem Historiker Schmoller nicht die Tatsache genug sagen, daß sich eine geistig hervorragende Judenheit trotz aller Drangsale, Gefahren und wahnsinnigen Verfolgungen erhalten hat; sollte diese Tatsache nicht zeigen, daß etwas gutes, erhaltenswertes daran ist an dem vielgeschmähten? Alles was ist, ist vernünftig, sagt ein noch Größerer als Schmoller. Wäre es nicht gerechter, objektiver und wissenschaftlicher, diese Tatsachen zu nehmen wie sie sind, nicht wie sie gewisse Schichten des Volkes sehen wollen, weil mans ihnen so Vormacht. Und müßte nicht auch hier diie Forderung sein: freie Bahn dem Tüchtigen, deren Negierung eine Assimilation der äußeren Formen am allerersten aufhält. „In älteren Zeiten“, Herr Professor, waren Ihre Äußerungen achtunggebietender. Dr. Fred H. Seligmann. Der Bayerische Versorgungsverband. Eines der wichtigsten Probleme, mit dem sich isr. Gemeindeverbände und die Vereinigungen isr. Lehrer seit Jahrzehnten beschäftigen, ist die Altersversorgung der Lehrer und Kultusbeamten und die Fürsorge für die Witwen und Waisen der Gemeindeangestellten. Nur einzelne Großgemeinden konnten infolge der günstigen Lage ihrer Finanzen diese wichtige Gemeindeaufgabe in befriedigender Weise lösen, auch für die Lehrer, welche an LUDWIG MURR Damenfriseur SPEZIAL-DAMEN -SALON NUR FÜR DAMEN Residenzstrasse 17/1 SALON FÜR DAMEN ÜND HERREN Parkhotel Majcimiliansplatz 21 SPEZIALITÄT: Künstlerisch ausgeführte ERSATZ- FRISUREN, dem natürlichen Haaransatz vollu. ganz angepaßt

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