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Das jüdische Echo · 1917-01-26 · 4 (26.1.1917) · p. Seite 44

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
4 (26.1.1917)
Date
1917-01-26
Page
Seite 44 (sequence 8)
Language
German
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44 Das Jüdische Echo Nr. 4 Meyer: Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich mitzuteilen, daß Se. Majestät der König: Ihre in der Nr. 2 der „Deutschen Israelitischen Zeitung:“ abgedruckte Festpredigt zum Allerhöchsten Geburtsfeste gelesen haben. Seine Majestät waren über die darin zum Ausdruck gebrachte treuanhängliche Gesinnung erfreut und sagen Euer Hochwohlgeboren für die herzlichen Segenswünsche und für die Entsendung der Festschrift besten Dank. Im allerhöchsten Auftrag: v. Dandl, k. Staatsrat i. ao. Dienst. Wie ist es möglich? Aus Niederbayern wird dem „Bayerischen Vaterland“ geschrieben: „In niederbayerischen, gesellschaftlichen Kreisen wird folgender Kriegswitz erzählt: Eine Deputation beurlaubter Feldgrauer, direkt vom Schützengraben kommend, ersuchte um Audienz beim Himmelvater, die denselben anstandslos gewährt wurde. „Lieber Himmelvater, baten sie mit erhobenen Händen, sei so gnädig und schau Dir einmal den Jammer und das Elend in den Schützengräben an und wir vertrauen zu Deiner Allmacht und Güte, daß Du diesem elenden Krieg ein baldiges Ende bereiten wirst. Der Himmelvater erklärte infolge Überanstrengung keine Zeit zu haben, worauf die Deputation weiter bat: „Dann lieber Himmelvater — schicke uns Deinen geliebten Sohn, auf daß er uns helfe.“ Ein strenges „Nein“ des Himmelvaters erfolgte mit der Begründung: Ich habe einmal zur Rettung der Menschheit meinen Sohn auf die Welt gesandt und aus Dank hiefür haben die Juden denselben ans Kreuz geschlagen. Diese Möglichkeit, erklärte die Feldgrauendeputation, ist diesmal ausgeschlossen, denn: in den Schützengräben ist kein Jude! Ob etwas mehr als nur ein Körnchen Wahrheit in diesem Kriegswitz liegt?“ Wie ist es möglich, daß eine bayerische Zeitung so etwas und jeden Tag ganz ähnliche Dinge, die an die von der Regierung gebilligten Methoden erinnern, mit denen die russischen Pogromhetzer zu arbeiten pflegen, veröffentlichen darf, ohne daß die maßgebenden Stellen sie auf den durch diese Beschimpfung einer Bevölkerungsschicht in Deutschland durchbrochenen Burgfrieden hinweisen? Weitere Verläumdungen. Das „Bayer. Vaterland“, das sich andauernd die gröbsten Verläumdungen jüdischer Mitbürger gestatten darf, behauptet, daß der Besitzer der Bethlehem Steel Works, in denen gewaltige Munitionsmassen für die Alliierten hergestellt werden, ein Jude sei. Diese Behauptung kann nur als beklagenswerte Unkenntnis oder als wissentliche Verdächtigung aufgefaßt werden, denn selbst das „Bayer. Vaterland“ dürfte wissen, daß Schwab einer deutschen k a t h o 1. Familie entstammt. Er ist der Sohn von Gustav und Elisabeth Catharina Schwab, geb. von Post und hat erst vor wenigen Jahren eine gewaltige Summe zur Stiftung einer katholischen Kirche in Loretto verwendet. Es handelt sich hier also um einen katholischen Verräter seiner Heimat! Herr Rabbiner Dr. Pinchas Kohn hat seiner Ansbacher Gemeinde mitgeteilt, daß er seine Stellung kündigen müsse, da er zwei bis drei Jahre in Warschau zu bleiben gedenke und daher seinen Amtspflichten in Ansbach vorläufig nicht nachkommen könne. Eine Beratungsstelle für jüdische Verlagsangelegenheiten wurde im Anschluß an den Berliner Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland vom neugebildeten Hauptausschuß für jüdische Kulturarbeit gebildet. Die Beratungsstelle, deren Leiter Herr M. Calvary, Crossen a. O. ist, gibt Autoren, Vereinen, event. auch Verlegern bezüglich der Herausgabe jüdischer Werke Auskunft. Ein jüdischer Kongreß in Stockholm, zum großen Teil besucht von Flüchtlingen aus den kriegführenden Ländern, ist am 22. Januar eröffnet worden. Vertreter aus Kopenhagen, Christiania, Bergen, Trondjem, Stockholm, Gotenburg und Malmö sind erschienen. Der Stockholmer jüdische Rabbiner hielt die Begrüßungsrede. Der Kongreß soll über die Mittel zur Linderung der Not der Juden in den kriegführenden Ländern verhandeln und für die Lösung der jüdischen Probleme nach Friedensschluß arbeiten. Er findet auf Initiative des skandinavischen „Zentralkomitees für die Hilfe für Juden, die durch den Krieg Not leiden“, statt. Der polnische Staatsrat. Dem polnischen Staatsrat, der sich nunmehr konstituiert hat, gehören 25 Mitglieder an, 15 aus dem deutschen und 10 aus dem österreichischen besetzten Gebiet. Diesem Parlament, das den neuen polnischen Staat organisieren und die polnische Armee bilden soll, gehört als einziger jüdischer Vertreter Herr K. N a t a n s o n an, der durch seine energische polnisch-assimilatrische Arbeit bekannt ist und dessen Familie getauft ist. Angesichts der Tendenzen des Herrn Natanson ist es also richtiger zu sagen, daß die Juden Polens, die 15 Prozent der Geamtbevölkerung bilden, im Staatsrat überhaupt unvertreten geblieben sind — eine Tatsache, die beängstigende Ausblicke in die Zukunft eröffnet. Polnisch-assimilatorische Tätigkeit. Im Lager der Warschauer Assimilanten, die sich in Alt- und Neo-Assimilanten geteilt haben, entstand eine neue Gruppe, die sich „Aktivisten“ nennt und die an ihre Mitglieder u. a. die Verpflichtung stellt, „polnisch zu denken und fühle n“. Die Gruppe bildete einen Sportverein, dessen Mitglieder bestrebt sind, die jüdische Jugend, besonders die der Mittelschulen, von den jüdisch-nationalen Sportvereinen abwendig zu machen. Hebräisch als Kommandosprache in den jüdischen Turn- und Sport-Vereinen wurde in einer Versammlung von Vertretern dieser Vereine am 14. ds. Mts. in Lodz nach längerer Debatte mit 48 gegen 28 Stimmen angenommen. Zur Versorgung der jüdischen Arbeiter Palästinas mit Lebensmitteln wurde eine Genossenschaft namens „Hamaschbir“ in Galiläa gegründet. Ihre Aufgabe ist es, wenn das Getreide noch auf der Tenne liegt, größere Mengen von Brotweizen und andern Nahrungsmitteln aufzukaufen, um sie während des Jahres zu mäßigen Preisen an ihre Mitglieder abzugeben. Amerikanisch-jüdische Hilfsaktion. Bei einer Massenversammlung in New York,, die eine Einleitung der neuen Aktion zur Aufbringung von 10 Millionen Dollars durch das amerikanisch-jüdische Hilfskomitee bildete, wurden sofort annähernd 3 Millionen Dollars gezeichnet. In der „Zukunft“, der von Maximilian Harden herausgegebenen Zeitschrift ist in der Nummer vom 19. Januar ein längerer Aufsatz von Max B r o d über „Die dritte Phase des Zionismus“ erschienen. Wir werden auf diese Arbeit noch zurückkommen.

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