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Das jüdische Echo · 1917-01-26 · 4 (26.1.1917) · p. Seite 41

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
4 (26.1.1917)
Date
1917-01-26
Page
Seite 41 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 41 sind die Erzväter. Sie waren eine streng friedliche Klasse, die jedes Heldentum vermissen läßt und deren Waffe Schwäche und List war. Abraham gehört zu einem Pariastamm, ebenso Abel der Hirt, der mit Kain, dem Städtebauer keine Gemeinschaft hat. Der Viehzüchterstamm spaltet sich wieder in einzelne Gruppen, deren jede sich eigne Weidereviere suchen muß. Bei einem Leben in Wüste und Steppe sind die einzigen Verbände von Dauer die religiösen Verbände, wofür der Islam ein lebendiger Beweis ist Der religiöse Bund, wir wir ihn in der Gemeinschaft der Rechabiten verkörpert sehen, durchzieht denn auch von Anfang an das israelitische Leben. Auf dem B’rith, dem Kontrakt, beruht das Leben der einzelnen Stämme, deren Gemeinschaft viel Ähnlichkeit mit der schweizerischen Eidgenossenschaft hat. Die Eigentümlichkeit des israelitischen Bundes war die, daß er ein ritueller Bund mit dem Stammesgott war. Daraus ergaben sich gewisse Folgen: 1. Der israelitische Bundeskrieg kann jederzeit zu einem heiligen Krieg erklärt werden; 2. das israelitische Heer ist ein heiliges Heer; 3. die Aufnahme in den Bund wird durch das Zeichen der Beschneidung kenntlich gemacht; 4. die Kriegerekstase, wie wir sie bei Simson finden, ist eine heilige Ektase. (Der „Nasir“ entspricht dem „Berserker“ der Germanen, er ist der heilige Krieger, während die Nebijim eine Klasse kiegerischer Ekstatiker oder Derwische war, aus der später die Propheten hervorgingen.) Das charakteristischste Merkmal des Bundes ist, daß er kein Bund, den Gott garantiert, war, sondern ein Bund mit Gott als Vertragspartei. Träger des Kults sind die Propheten. Sie sind keine Krieger, aber oft Ekstatiker, die nicht in der Ekstase reden, sondern den Sinn der Ekstase hinterher verkünden, die sich nicht gleich dem Mystiker mit Gott vereint fühlen können, sondern sich dem Willen des Höchsten unterwerfen. Sie unterscheiden sich von dem Nebijim der früheren Zeit dadurch, daß ihre Ekstase streng endogen ist. Der Prophet ist ein Einsamer, der zum Stadtvolk geht, das in ihm seinen Vertreter sieht. Die Propheten sind die Vertreter der politischen Demagogie. Zur Zeit der Bauernheere hat Gott dem gesamten Volke Israel geholfen, zur Zeit der Ritterheere schützt er das Volk gegen die Willkür der Könige. Das politische Programm der Propheten verbietet jede Weltpolitik, weil nur dadurch eine Verbindung mit den Fremdstämmigen verhindert werden kann. Gott steht im Bund mit Israel, und deshalb wird er Israel schwerer strafen als andere Völker, wenn es den Bund mit ihm bricht. Was nun den Inhalt der Prophetie betrifft, so liegt er in der Verheißung des „Tages Gottes“. Ursprünglich als ein riesiger Sieg und ein Tag des Rechts gedacht, wurde er bei den Propheten später zu einem Tag des Unheils, auf den schließlich nach der Vernichtung des Volkes bis auf einen Rest der Tag des Heils folgte. Mit dieser Verheißung bezweckten die Propheten: 1. jede Spekulation auf den Sinn des Lebens abzuschneiden und alle Kräfte auf das Diesseits zu konzentrieren; 2. die Rache gegen die Feinde lebendig zu erhalten; 3. dem Tag des Heils entgegenzusehen. Der Schluß des Vortrages brachte den eigentlich wichtigsten Teil der Ausführungen. Der Redner stellte hier die Frage, wie sich das Christentum zur jüdischen Frage verhalte. Es ist bekanntlich von zahlreichen christlichen Theologen, z. B. Harnack, versucht worden die Ethik des Judentums zur Zeit der Entstehung des Judentums als tiefstehend hinzusltellen, um durch die Gegenüberstellung von christlicher und jüdischer Ethik die erstere als durchaus überlegen zu kennzeichnen. Entgegen dieser Anschauung kam Professor Weber zu dem Schluß, daß zwischen der Alltagsethik des Christentums und derjenigen des Judentums kaum ein Unterschied bestehe, daß vielmehr die sittlichen Werte des Christentums durchweg schon im Judentum enthalten waren. Das Unterscheidende sei nur die Außeralltagsethik, die Lehre vom Pneuma, dem Geist Gottes im Christentum, den auch der Nichtbeschnittene besitzen kann, der das Christentum zu einer massenekstatischen Religion stempelt, welche die Pariastellung des Judentums durchbrochen hat. Eine unerwartet große Zahl von — meistens jüdischen — Zuhörern folgte dem sehr fesselnden Vortrag, der nicht immer eine strenge Gliederung des Stoffes erkennen ließ (z. T. deshalb, weil Prof. Weber nur auf ein wissenschaftlich vor gebildetes Publikum gerechnet hatte, und deshalb mitunter bei Einzelheiten, die zum Verständnis des Ganzen notwendig waren, länger als beabsichtigt verweilen mußte), aber dafür eine Fülle interessanter Einzelheiten brachte. Die Mehrzahl, der Hörer hatte den Eindruck, hier Dinge vernommen zu haben, die den meisten bis dahin vollständig unbekannt gewesen. Es wäre wohl zu wünschen, daß diese vom Sozialwissenschaftlichen Verein ausgehende Veranstaltung jüdische Vereine anregte, sich auch selbständig mit der wissenschaftlichen Erforschung jüdischer Verhältnisse zu biblischen Zeiten zu befassen. H. H. C. Die Ämerican Federation ol Labour zur Judenfrage. Die 36. Konvention der A. F. o. L., abgehalten in Baltimore vom 13.—21. November 1916, hat nachstehende Resolution angenommen, die vom Verband der Damenschneider beantragt wurde: „In Erwägung, daß der europäische Krieg mit jedem Tage an Umfang und Entsetzlichkeit zunimmt, und die unglücklichen Nationen, die von ihm heimgesucht wurden, anscheinend machtlos sind, der schrecklichen gegenseitigen Zerstörung und dem Blutvergießen Einhalt zu tun; in Erwägung, daß viele Nationen in Europa von den Großmächten politisch unterdrückt, ihrer Selbstverwaltungsrechte beraubt und in ihrer freien nationalen und kulturellen Entwicklung gehindert werden, daß sie unterjocht, mißhandelt und verfolgt werden, so daß die Existenz derartiger unterdrückter Nationalitäten und ihr natürlicher rechtmäßiger Kampf für Befreiung einen fruchtpiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiHiiiiiiiiiniiiiiiiimiiiiiimiiiiiiiiimmiiimiiimiiiniiiimiiiiiniitiiiinimum „ES KR“ KLEINKÜNST- VERSRND MÜNCHEN p™Xd5" Ausstellung aller Zweige des Kleinkunst-Gewerbes iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiüiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinjTi

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