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Das jüdische Echo · 1917-01-26 · 4 (26.1.1917) · p. Seite 39

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
4 (26.1.1917)
Date
1917-01-26
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 39 tritts der assimilierten oberen Schichten des Judentums zu einer der christlichen Konfessionen. Aber die Assimilation ist noch weit entfernt, vollendet zu sein; sie wird immer wieder gehindert durch Judenhetzen der geschäftlich von der Judenkonkurrenz getroffenen Deutschen und durch die stete Zuwanderung nicht assimilierter östlicher Judenelemente, durch die noch vorhandene Abschließung der jüdischen Kreise unter sich (besonders der mittleren und unteren Judenschichten, wie sie in Posen und in Polen ja noch ganz getrennt unter sich leben). Die Assimilierung ist in Frankreich und England viel leichter gewesen, weil die Zahl der Juden dort sehr viel kleiner war und ist und die dortigen Juden von einer Judenaristokratie stammen, die teilweise schon seit Jahrhunderten in Italien, Portugal und Spanien ganz oder halb sich assimiliert hatte, während die deutsche Judenzuwanderung aus dem Osten stammt und in den paar ersten Generationen vielfach noch jeder Assimilation widerstrebt. Die Assimilation vollzieht sich durch gleiche Schulen, gleichen Universitätsbesuch, durch die Einwirkung der Literatur, die herrschende allgemeine Gedankenwelt, durch geselligen Verkehr, endlich am intensivsten durch das Konnubium. Wenn man sich nun fragt, was soll heute geschehen, so ist die erste Vorfrage: was ist erreichbar, dann erst kommt die zweite: was ist wünschenswert? Eine Austreibung aller Juden aus Deutschand ist unmöglich, wäre eine Barbarei, wäre auch ein Schaden für unsere Kultur. Alle höhere Kultur, der heutige Bestand der höchststehenden Völker, beruht auf Rassenmischung. Nicht jede Rassenmischung freilich schafft gutes Menschenmaterial, Die Mischung von sehr hoch und sehr niedrig stehenden Menschen erzeugt unausgeglichene Charaktertypen oft der schlimmsten Art, Menschen, welche die schlechten Eigenschaften der beiden gemischten Rassen haben. Aber die Mischung einigermaßen sich nahestehender Typen von Menschen darf nach unserer heutigen Rassenlehre als eine Ursache der körperlichen und geistigen Hebung der Eigenschaften gelten (siehe meinen Grundriß I, S. 147—159, Reibmayr: „Die Entwicklungsgeschichte des Talents und Genies.“ 2. Bd. 1908). Wir haben also keine Ursache, die Existenz von 615 021 Israeliten unter 60 Millionen Menschen in Deutschland für bedenklich oder gar schädlich zu halten. Ja, es scheinen mir triftige Gründe für das Gegenteil zu sprechen. Ich halte zumal das westdeutsche Judentum, vollends das assimilierte, für eine glückliche Zugabe zur germanischen Rasse, Es gibt uns Geisteskräfte, die uns mehr oder weniger fehlen, oder wenigstens früher fehlten; es hat die deutsche Volkswirtschaft sehr gefördert. Aber es schließt die Gefahr in sich, daß es durch seine geschäftliche Überlegenheit, die es oft noch und zwar mannigfach durch zweifelhafte Mittel ausnützt, viele innere soziale Verstimmungen und Kämpfe erzeugt. Die Neigung des Juden, wo er in eine einflußreiche herrschende Stellung kommt, die Germanen und Christen zu benachteiigen, ist noch so mannigfach vorhanden, daß Rückschläge in der judenfreundlichen Stimmung aller Liberalen immer wieder Vorkommen, und daß die Verstimmungen konservativer, bäuerlicher, kleingewerblicher, hausindustrieller Kreise heute noch nicht so weit verschwinden können, wie in Westeuropa. Es ist daher im Interesse der Juden selbst, daß ihre Vorherrschaft in gewissen Stellungen, Berufen, Ämtern, nicht zu sehr, nicht zu sichtlich sich geltend mache. Starke Verstimmungen müßten kommen, wenn es den Anschein gewinnt, eine Stadt wie Berlin sei wesentlich in ihrer Verwaltung durch Juden beherrscht. Daß dieser Beherrschung ihre Spitze abgebrochen wird durch einen Oberbürgermeister wie Wermuth, sehen die Fernerstehenden nicht so wie den Einfluß der jüdischen Führer. Die Überlegenheit des jüdischen Geschäftsmannes mag sich heute vielfach beschränken auf gewisse ländliche und kleingewerbliche Kreditverhältnisse; der Wucher auf dem Lande mag stark abgenommen haben. Aber vorhanden ist er immer noch, und das Volk glaubt daran, fühlt sich mehr getröstet dadurch, daß an anderen Stellen dem Juden auch nicht volle Gerechtigkeit widerfährt. Das ist gewiß der Fall in der jüdischen Offiziersfrage. Die Nichtwahl von tüchtigen Juden in die meisten Regimenter zum Reserveoffizier ist gewiß ein Verstoß gegen die verfassungsmäßig garantierte Rechtsgleichheit. Aber es fragt sich, ob es heute schon angezeigt wäre, das freie Wahlrecht des Offizierkorps aufzuheben, ob, wenn bloße Ernennung von oben her entschiede, das Offizierkorps nicht dadurch geschädigt würde, viel von seiner wünschenswerten Einheitlichkeit und Harmonie verlöre. Wenn heute der betreffende Offizierskandidat sich taufen läßt, so wird er in der Regel gewählt. Das empört die Gefühle aller freier Denkenden. Aber es darf auch nicht übersehen werden, daß die strengen und orthodoxen Christen eben heute noch glauben, daß der getaufte Christ zu Gott durch die Taufe in ein ganz besonderes, ihn innerlich umbildendes Verhältnis komme. Das glaubt der Freidenker nicht, er findet mit Recht, daß meist die charakterlosen Juden es sind, die sich aus äußerlichen Gründen taufen lassen. Aber wer auf mystisch-orthodoxem Standpunkt steht, wie ein Teil unserer östlichen Landaristokratie, ein großer Teil unserer Offiziere, kann nicht so urteilen. Übrigens weiß ich aus zuverlässiger Quelle, daß neuerdings vielfach und gerade in Berlin Wahlen von jüdischen Reserveunteroffizieren zum Leutnant stattfanden. Es soll schon etwa 200 solche geben. Und ich hoffe, das wird so bleiben und sich ausdehnen. Diese Hoffnung wird sich in dem Maße realisieren, als die religiösen Gegensätze sich mildern, als der innere sittliche Gehalt der christlichen und der jüdischen Religion mehr als das Dogma und die Mystik zur Hauptsache werden; als die Juden selbst da, wo sie die Macht haben, ebenso duldsam und gerecht gegen die Nichtjuden werden, wie sie es von den Christen verlangen. Hätten wir nur Nathan-Naturen unter unseren 600 000 deutschen Juden, so gäbe es überhaupt heute kaum eine Judenfrage mehr; aber wir haben B. Müllers Musikinstitut München Fraunholerstr. 29 :: Telephon 24540 Inhaber: Bruno Müller, Konzertmeister a. D. Schüler von: Prof. Dr. Joseph Joachim, Prof. Dr. Carl Reineoke, Prof. Dr. Heinrich Bellermann und Hofoperndirektor Gustav Mahler Unterricht in allen praktischen (Klavier, Violine, Orgel. Cello usw.) u theoretischen Fächern (Harmonie, Kompositions- und Instrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene (Kinder werden vom 6. Lebensjahre an aufgenommen) Prüfung, Auskunft und Einschreibung kostenlos.

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