Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 3 (19.1.1917)
- Date
- 1917-01-19
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Das Jüdische Echo Nr. 3 ten zu können. Unsere Kräfte sind letzten Endes doch die größeren, oder sie werden die größeren sein, wenn wir das erweiterte Arbeits-Programm aufnehmen und erfüllen. Ich glaube, wir deutschen Zionisten sind dazu berufen, für die Organisation der jüdischen Kulturarbeit in allen Galuth-Ländern vorbildlich zu sein. Wir besitzen viele Kräfte, die sich für diese Arbeit eignen. Organisieren wir sie fruchtbar, dann leisten wir eine Arbeit für uns und Palästina, denn die geistigen und kulturellen Früchte unserer Arbeit werden nach Palästina hinüberleiten und dessen wollen wir froh sein. Eine Nordaii-Hetze in Frankreich. Auch in Frankreich macht sich seit geraumer Zeit der Einfluß der russischen Bundesgenossen darin geltend, daß dort fortwährend Wühl- und Hetzversuche gemacht werden, zu dem Zweck, das französische Publikum gegen die Juden im Lande, besonders diejenigen ausländischer Herkunft aufzuwiegeln. Einer dieser Angriffe richtet sich gegen die Person des Dr. Max N o r d a u , des bekannten Zionistenführers. Im klerikalen „Echo de Paris“ erschien nämlich vor einiger Zeit folgender Brief: „Wissen Sie genau, daß Dr. Nordau nicht nach Beendigung des Krieges nach Paris zurückkehren wird? Ich kann nicht dafür garantieren. Bei Ausbruch des Krieges blieb der deutsche Journalist ruhig in seiner Pariser Wohnung und hatte jeden Abend „geheime Unterredungen“, bis die Polizei hierauf aufmerksam gemacht wurde. Seine beiden Töchter kamen alle paar Tage in die Militärhospitäler, wo sie leicht Mitteilungen über die militärische Lage erhalten konnten. Das dauerte jedoch nicht lange. Dank dem Einschreiten seiner Nachbarn wurde er gefangen genommen und in ein Zivilgefangenenlager gebracht. Was dann geschah, weiß ich nicht. Irgendeine hervorragende Stelle muß sich für ihn verwandt haben. Denn nach 14 Tagen wurde von hoher Stelle befohlen, Dr. Nordau nach Spanien zu deportieren. Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß nachdem er Spanien erreicht hatte, er gegen Frankreich wütete. Das wundert mich nicht im geringsten. Bezüglich der Zukunft bin ich jedoch sehr skeptisch.“ Mit diesen jämmerlichen Mitteln, mit vagen Anspielungen auf „geheime Zusammenkünfte“ und die Arbeit der Töchter Nordaus in Militärhospitälern macht man in Frankreich gleichzeitig eine Deutschen- und Judenhetze! Briefkasten F. S. L. Daß Sie über die betr. Angelegenheit keine Ankündigung in unserem Blatte fanden, ist nicht unsere Schuld. Die hiesige jüdische Gemeinde gibt ihre Annoncen nur an nichtjüdische Blätter und hält es nicht für angebracht, derartige Angelegenheiten auch in der jüdischen Zeitschrift Münchens anzukündigen. Ein Deutscher. Wir können Ihnen auf Ihren Brief nicht antworten, weil — wir ihn nicht gelesen haben. Wir pflegen nämlich bei längeren Schreiben zuerst nach der Unterschrift zu sehen, und als wir fanden, daß es sich in Ihrem Falle um jemanden handelt, der offenbar zu feige ist um seinen Namen zu nennen, wanderte Ihr Brief in den Papierkorb, ohne daß wir uns mit seinem Inhalt abgaben. Die „Jca“ während des Krieges. Die Jewish Colonisation Association hielt Ende Dezember ihre Jahreversammlung in ihrem Londoner Bureau, unter dem Vorsitz von Claude G. M o n t e f i o r e. Hierbei wurde folgender Jahresbericht erstattet. 1. Argentinische Republik. Das Jahr 1915 war im ganzen günstiger für die argentinischen Kolonien als das vorhergehende Jahr. Die Lage der südlichen Gruppen hat sich — dank vorzüglicher Witterungsverhältnisse — wesentlich gebessert. Besonders in den Baron Hirsch- und den Narcisse Leven-Kolonien wurde eine bessere Ernte erzielt als je zuvor. Die Mauriccio-Kolonie hatte ebenfalls eine vorzügliche Maisernte. Im Norden — in Entre Rios, Clara und Lucienville — waren leider die Verhältnisse nicht so gut. Moisesville und Montefiore hatten wieder unter Überschwemmungen zu leiden. Die Verwaltung hat daraufhin Anordnungen getroffen, welche die Gefahr einer Wassernot künftig verringern sollen. Eine Anzahl von Montefiore-Kolonisten hat — entmutigt durch die vielen Unglücksfälle, die sie seit ihrer Ansiedlung betroffen haben — die Kolonie verlassen. Die Zentralverwaltung hat den am schwersten betroffenen Kolonisten Mittel zur Verfügung gestellt, um ihre Verluste teilweise zu ersetzen und ihnen Saatgut für 1915/16 geliefert. Die Aussaat für 1915/16 erfolgte überall unter günstigen Bedingungen. Die mit Hafer und Korn bestellte Fläche war größer als im Jahre 1914, nämlich 224.675 Hektar gegen 168.014 Hektar. Die mit Weizen bestellte Fläche betrug 95.972 Hektar gegen 68.597 Hektar, Luzerne wurden auf 68.136 Hektar angebaut. Die Gewährung von Darlehen für neue Ansiedler ist während des Krieges eingestellt worden; 35 Familien wurden ohne Darlehen angesiedelt. Ende 1915 waren von den 550.000 Hektar, die den gesamten Landbesitz der Ica in Argentinien bilden, 371.025 Hektar für Kolonisiationszwecke benutzt. Die Zahl der Kolonisten betrug zu jener Zeit 2599 innerhalb einer Gesamtbevölkerung von 24 500 Seelen. Die Kolonisten beschäftigten sich wieder vorzüglich mit extensiver Wirtschaft. In der Viehzucht war kein besonderer Fortschritt festzustellen. Insgesamt gab es 127.424 Stück Vieh (65.511 Rinder und 61.913 Pferde). Die Geflügelzucht entwickelte sich normal in allen Rios-Kolonien. Die Milchwirtschaft ist von den Kolonisten immer mehr vernachlässigt worden, trotzdem sie von der Zentralverwaltung gewaltig unterstützt wurde. Die Überschwemmungen in Moisesville und Montefiore, durch welche die Wege während eines großen Teiles des Jahres unpassierbar wurden, zwangen die Molkereien, bis Oktober die Arbeit einzustellen. Infolge der vorzüglichen Ernte in den südlichen Kolonien einerseits und einer Besserung des Rückzahlungssystems andrerseits sowie einer engeren Verbindung der Kolonisten-Genossenschaften, betrugen die Rückzahlungen 1915: 1.182.825 Dollar,' also mehr als je zuvor. 1914 hatten die Rückzahlungen 238.244 Dollar betragen. Die Kolonien umfassen 17 Dörfer, von denen 4 noch in der Bildung begriffen sind. Sie werden von 10 394 Personen bewohnt und umfassen 1206 Gebäude.