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Das jüdische Echo · 1917-01-19 · 3 (19.1.1917) · p. Seite 28

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
3 (19.1.1917)
Date
1917-01-19
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 Das Jüdische Echo Nr. 3 Besonders wichtige Aufgaben wird auf dem Gebiete der Bücher-Herausgabe der Ausschuß für die hebräische Sprache zu leisten haben. Der Ausbau eines erprobten Systems zur Erlernung der hebräischen Sprache für deutsche Juden ist des Fleißes der Besten wert. Mir liegt ein Entwurf zu einem solchen Lehrbuch der hebräischen Sprache vor, in dem eine große Anzahl fruchtbarer Gedanken steckt, und ich rechne damit, daß der neu zu bildende Ausschuß des Arbeitskreises für die hebräische Sprache die Möglichkeit haben wird, den Auftrag für die Ausarbeitung dieses Lehrbuches zu erteilen und das Lehrbuch herauszugeben. Bis zum Erscheinen des Lehrbuches wird freilich noch eine längere Frist verstreichen. Als vorläufigen Ersatz für das noch nicht vorhandene Lehrbuch könnte man einen Arbeitsplan für hebräische Lehrkurse herausgeben, der den in Deutschland lebenden hebräisch sprechenden Juden Anleitung gibt, Lehrkurse zu veranstalten, die die Schüler dauernd fesseln und damit den Erfolg sicher stellen. Nach meinem Urteil (und was ich bisher über veranstaltete Kurse höre, bestätigt mir das) haben hebräische Sprachkurse um so mehr Aussicht auf ein langandauerndes Arbeitsinteresse der Schüler, je mehr im Lehrplan von vornherein Wert darauf gelegt wird, die Sprache im Zusammenhang mit unserer klassischen Literatur zu erlernen. Ich habe mit Midrasch-Lesestücken die beste Erfahrung gemacht; sie eignen sich besonders gut zur Einübung der erworbenen Sprachkenntnisse und zur Auffrischung des Arbeitsinteresses der Schüler. Es werden Bücher mit geeigneten Lesestücken aus Bibel, Mischna, Midrasch, der Literatur des Mittelalters und aus der neu-hebräischen Literatur herausgegeben werden müssen (etwa in der Art der historischen Lesestücke von Zedner). Aus der hebräischen Literatur Palästinas und Ost- Europas sind Listen der für die einzelnen Kenntnisstufen geeigneten Bücher zusammenzustellen und herauszugeben, und es wird ein Weg geschaffen werden müssen, um die Bücheru schnei! und billig in die Hände der Lernenden gelangen zu lassen. Unsere wertvollsten Bücher werden aber erst entstehen können, nachdem an einzelnen Stellen die Arbeit begonnen hat, die nach und nach allenthalben geleistet werden muß: Die Einrichtung von Vortrags-Zyk1en, Lehrkursen aller Art, seminaristischen Übungen. Aus den Erfahrungen der Kräfte, die diese Unternehmungen leiten, müssen Lehrbücher und Materialsammlungen erwachsen, die dann Unterlagen für die Wiederholung der Veranstaltungen in allen Ortsgruppen mit einer ins Große steigenden Wirkung werden können. Neben der bereits besprochenen Anregung der wissenschaftlichen Arbeit und der Herausgabe von Büchern, ist die Einrichtung von Vortragszyklen, Lehrkursen und seminaristischen Übungen die Hauptaufgabe des Hauptausschusses für jüdische Kultur-Arbeit. Hier wird sich alles erst aus der Praxis entwickeln können. Ich will nur kurz und obenhin das Wichtigste hierzu sagen: Di e Anste 11 ung von Lehr- und Vortrags-Kräften ist unumgänglich. Größere Ortsgruppen werden Lehrer für die hebräische Sprache einstellen können; in kleineren Ortsgruppen könnten Lehrer für die hebräische Sprache wirken, die von dem Gruppenverband für den ganzen Bezirk angestellt werden. Für die Veranstaltung von Vortrags-Zyklen werden Wander-Redner für die einzelnen Fachgebiete gewonnen werden können und für die verschiedenen Lehrkurse werden erfahrene Fachkräfte angestellt werden müssen, die allenthalben im Reiche die Lehrkurse besuchen, sie gegebenenfalls neu einrichten oder durch einige Arbeitsstunden auffrischen. Die Voraussetzung hierzu ist freilich, daß eine strenge Auslese bei der Wahl der Kräfte geübt wird, und die Anstellung der geeigneten Kräfte bedingt große Geldmittel, die den größten Posten in dem Jahresetat des Hauptausschusses darstellen werden. Erst nachdem dieser wichtige organisatorische Aufbau geschaffen ist und den einzelnen Ortsgruppen die systematische Vorarbeit der Arbeitsausschüsse zur Verfügung steht, wird die Gegenwartsarbeit in den Ortsgruppen in der rechten Weise beginnen können. Dem Leben unserer verschiedenen Jugend-Organisationen stehe ich zu fern, um die Arbeitsmöglichkeiten des von mir vorgeschlagenen Arbeitskreises für nationale Erziehung im Einzelnen zu übersehen. Eine der fruchtbarsten Aufgabe dieses Arbeitskreises wird es sein, die verschiedenen Gruppen unserer Jugend organisatorisch zusammenzufassen. Die tüchtigsten Kräfte der einzelnen Jugendverbände werden in diesem Arbeitskreis mit tätig sein. Die älteren Mitglieder des Arbeitskreises werden den jungen helfen können in Wort und Tat. Es wird dann nicht schwer sein, für die einzelnen Jugendgruppen und für jede Art der Betätigung unserer Jugend einen besonderen Kreis von Förderern zu gewinnen, der durch regelmäßige Berichte über die geleistete Arbeit informiert bleibt und gern Hilfsbeiträge für die Aufgaben, die ohne Geldmittel nicht durchzuführen sind, leisten wird. In den verschiedenen Jugend-Verbänden und akademischen Vereinigungen wird sich ein Wettstreit hi jüdischer Arbeit entwickeln müssen. Von den akademischen Vereinigungen besonders wird man verlangen können, daß aus ihrer Arbeit auch sichtbare Früchte in die allgemeine Bewegung hinüber kommen. Es gehört zu den Aufgaben des Hauptausschusses für jüdische Kulturarbeit, die Herausgabe der wertvollen Seminar-Arbeiten aus dem Leben unserer Jugendverbände zu unterstützen. Es ist damit zu rechnen, daß unsere jungen Akademiker eine bestimmte Zeit ihrer Studienjahre ganz in den Dienst unserer Aufgaben stellen. Begabte Studenten, denen die Bewältigung ihres akademischen Studiums keine Schwierigkeit verursacht und die wirtschaftlich gut gestellt sind, könnten sich für ein oder zwei Semester ganz in den Arbeitsdienst des Kultur-Ausschusses stellen. Robert Weltsch hat in der letzten Nummer der Jüdischen Rundschau ein jüdisches Dienstjahr vorgeschlagen. Ich glaube, daß unsere Studenten damit den Anfang machen könnten. Außer den eben von mir vorgeschlagenen ein oder zwei Semestern im Dienste der jüdischen Kulturarbeit käme f ü r Studenten ein Arbeitsdienst von der gleichen Dauer in unserem Zentralbureau in Frage. Ich glaube, daß es für unsere Bewegung von großem Nutzen sein würde, wenn eine Anzahl Akademiker, die später im Reiche lebend die Stützen unserer Bewegung sein sollen, während ihrer Studienzeit Gelegenheit hätten, ein oder zwei Semester in unserem Berliner Zentralbureau zu ar-

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