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Das jüdische Echo · 1917-01-19 · 3 (19.1.1917) · p. Seite 27

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
3 (19.1.1917)
Date
1917-01-19
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 27 gäbe es sein wird, die jüdische wissenschaftliche Arbeit wirtschaftlich zu stützen, wertvolle wissenschaftliche Arbeiten anzuregen und zu bezahlen; die Herausgabe wissenschaftlicher! Werke mit Geldbeiträgen zu fördern und Bücher im eigenen Verlag herauszugeben, deren Herausgabe auf geschäftlicher Basis wegen der geringen Aussicht auf den wirtschaftlichen Erfolg sonst nicht erfolgen würde. Diese Unternehmung wird Ihnen wegen der großen Mittel, die sie voraussetzt, schwierig erscheinen und ich gebe zu, daß es den Anschein hat, als ob es sich hier um eine Aufgabe handelt, die weit über unsere wirtschaftlichen Kräfte geht. Wenn wir aber die inneren Kräfte zu dieser Aufgabe haben und sie in uns weiter ausbauen, wird der Mangel an äußeren Mitteln die Durchführung der Aufgaben nicht dauernd behindern können. Nach einer oberflächlichen äußeren Beurteilung spricht man von der Gegenwart als von einem rein kapitalistischen Zeitalter, und man neigt dazu, große Geldmittel als die erste Voraussetzung bei allen Unternehmungen anzusehen. Wer aber mitten im Wirtschaftsleben steht und Anlaß hat, mit offenen Augen das Werden und das Vergehen der Unternehmungen zu beobachten, weiß, daß selbst bei rein wirtschaftlichen Unternehmungen nicht die Aufhäufung oder das Vorhandensein großer Geldmittel, sondern das Wirken lebender Kräfte den Ausschlag gibt. Wo wertvolle Kräfte mit festem Arbeitswillen auftreten, schließen sich ihnen die äußeren Mittel gern dienend an und die im Werke wirkende Energie baut sich den Körper der wirtschaftlichen Mittel selbst aus. Ich kann hier auf eine nach diesen Gesetzen bereits wirkende Unternehmung hinweisen. In diesen Tagen ist das 9. Heft unserer Monatsschrift „Der Jude“ erschienen. Diese Zeitschrift ist, rein äußerlich beurteilt, ein Unternehmen, dessen Durchführung niemand von uns noch vor einem Jahr für möglich gehalten hat. Die Zeitschrift besteht, sie wird gut weiter bestehen und wird ohne äußere Hilfe ihren Umfang und ihre Gebiete weiter ausbauen können, weil die in ihr wirkenden Kräfte in der kurzen Zeit ihres Bestehens sich einen in sich selbst gesicherten wirtschaftlichen Organismus geschaffen haben. Stellt man in Rechnung, daß das unter erschwerenden Verhältnissen während der Kriegszeit geschehen ist, denkt man daran, welche besonderen Schwierigkeiten gerade dem inneren Aufbau einer Zeitschrift während des Krieges, wo der größte Teil der für die Arbeit brauchbaren Kräfte im Felde steht, erwachsen, so kann man aus diesem Beispiel schließen, was uns mit den uns zu Gebote stehenden Kräften in langen Friedensjahren möglich ist, wenn wir mit ernstem Arbeitswillen an das Werk gehen. Bisher hatten wir keinen eigenen Verlag. Der jüdische Verlag wird von der zionistischen Weltorganisation subventioniert. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland ist an ihm nicht beteiligt. Wollen wir an den Jüdischen Verlag Arbeitsansprüche stellen, so muß ihm ein entsprechendes Kapital zur Vergrößerung seiner Betriebsmittel bewilligt werden. Ob das jetzt möglich oder wünschenswert ist, läßt sich in Kürze nicht erörtern. Darüber wird aber in der nächsten Zeit beraten werden müssen. Auf dem Gebiete des Buchverlages werden wir einen Schritt vorwärts kommen, wenn der von mir vorgeschlagene Haupt-Ausschuß für Kultur-Arbeiten eine Beratungsstelle für Verlagsangelegenheiten gründet. Es könnten jährlich mehr Bücher erscheinen, mit mehr Freude für die Herausgeber und für die Organisation, wenn die Herausgeber, seien es Einzelne oder Vereine, vor Abschluß ihrer Verlagsverträge von einer objektiven Beratungsstelle beraten werden. Eine der ersten Aufgaben des Haupt-Ausschusses für Kulturarbeiten wird die Herausgabe eines „literarischen Ratgebers“ für die deutschen Juden sein. Als Muster denke ich hierbei an den literarischen Ratgeber des Dürerbundes, der in den Jahren seines Bestehens ein wichtiger Faktor zum Aufbau des neudeutschen Kulturlebens war. Neben unserer Arbeit an dem Aufbau unserer Wissenschaft wird die Herausgabe populär-wissenschaftlicher Arbeiten einhergehen müssen. Unsere Arbeit wird erst dann ihre Wirkung beginnen, wenn wir gute Darstellungen von der Vergangenheit unseres Volkes und seines gegenwärtigen Bestandes unter dem Gesichtspunkt unserer Zukunftsentwicklung in die Hand jedes jüdischen Lesers geben können. Wir werden Bücher für den Gebrauch unserer Jugend herauszugeben haben. Im Bereiche des Ausschusses für nationale Erziehung werden verschiedene jüdische Jugend-Jahrbücher zu bearbeiten sein. Kleide Anfänge sind dafür schon vorhanden. Zugunsten eines schnellen Wirkens wird man für die erste Zeit wohl bescheiden sein müssen und mit Beiträgen vorlieb nehmen, die unserer idealen Forderung nicht ganz entsprechen. Wir können nicht warten, bis die Wirkung der neu aufzubauenden wissenschaftlichen Arbeit einsetzt. Wir müssen daran gehen, den Kindern jüdische Heldensagen zu erzählen. Es wird nicht ganz zu vermeiden sein, daß fürs Erste unsere Helden in uneren Jugend-Erzählungen den Helden-Gestalten der europäischen Völker angeähnelt werden. Der reiferen Stufe aber werden wir unser eigenstes Heldentum vorzeigen können, etwa so, wie es sich in überwältigender Größe als Heldentum des leidenden Ertragens in Jeremias zeigt. Die tausendjährige Arbeit unseres Volkes in der Literatur des Midraschim wird uns zu Hilfe kommen, wenn wir unserer Jugend eine eigene Welt von Legenden, Märchen und Jugenderzählungen schaffen wollen. Vielleicht gelingt dann der große Wurf und es entsteht ein Standard work, die neue Z’ena ur’ ena, die wir an Stelle des bei uns seit drei Generationen verlassenen alten Buches der weiblichen Jugend in die Hand geben können als Ersatz für die flache, aus dem Tage geborene Unterhaltungsliteratur, die heute der weiblichen Jugend gereicht wird, auch wenn sie nach geistiger Umfriedung verlangt. LUDWIG MURR Damenfriseur SPEZIRL-DRMEN-SRLON HCJR FÜR DRMEN Residenzstrasse 17/1 SALON FÜR DRMEN UND HERREN Parkhotel Majdmiliansplaiz 21 SPEZIALITÄT: Künstlerisch ausgeführte ERSATZ- FRISUREtö, dem natürlichen Haaransatz Voll u. ganz angepaßt

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