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Das jüdische Echo · 1917-01-12 · 2 (12.1.1917) · p. Seite 21

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
2 (12.1.1917)
Date
1917-01-12
Page
Seite 21 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 21 Besonders schwierig: war die Frage, was aus den jüdischen Religionsschulen werden sollte, denen von der russischen Regierung der Elementarunterricht ausdrücklich verboten war. Jetzt wünschten viele Eltern ihren Kindern die Elementarschulkenntnisse zu vermitteln, ohne doch von der ererbten religiösen Tradition etwas auf geben zu wollen. Die Verwaltung wollte nicht durch die von manchen Seiten gewünsche Aufhebung dieser Schulen einen Bruch mit der Vergangenheit herbeiführen, sondern nur das Vorhandene vorsichtig weiterbilden. So wurde in zahlreichen Religionsschulen Elementarunterricht aufgenommen, daneben entstanden über 300 jüdische Elementarschulen, teils mit polnischer, teils mit deutscher Unterrichtssprache, in wenigen Fällen auch mit jidischer. Die Zahl der jüdischen Heimlosen in Rußland beträgt laut einer Statistik des Kiewer Hilfskomitees, in den Gouvernements Kiew, Tschernigow und Podolien 26 000, darunter 75 Prozent Frauen und Kinder. Die „Freizügigkeit“ der russischen Juden. Folgendes russische Dokument wird uns zur Verfügung gestellt: Ministerium des Innern. Kanzlei des Moskauer Stadthauptes. Paßabteilung. 9. (22. Nov. 1916. Nr. 156 936. An den Vorsitzenden der Moskauer Jüdischen Gesellschaft zur Unterstützung der Kriegsopfer. Die Kanzlei teilt Ihnen hierdurch auf Befehl des Stadthauptes mit, daß gemäß der Anordnung des Departements für allgemeine Angelegenheiten beim Ministerium des Innern vom 2. IX. 1916 Nr. 27 081 die der Jüdischen Gesellschaft am 16. IX. 1916 Nr. 30 274 erteilte Befugnis, für einzelne, jedesmal zu nennende jüdische Kriegsflüchtlinge, die auf Munitionsfabriken und anderen Kriegsbedarfsunternehmungen beschäftigt sind, Bittgesuche hinsichtlich der Gewährung des Aufenthaltrechts in Moskau einzureichen — gegenwärtig aufgehoben wird. Diesem wird hinzugefügt, daß die Beschäftigung der jüdischen Kriegsflüchtlinge, die auf Fabriken als Arbeiter, Werkmeister oder Fachmänner angemeldet sind, nachgeprüft werden wird; diejenigen, die sich mit ihrer Arbeit nicht befassen, sind aus der hiesigen Residenz sofort auszuweisen. Die Verwaltung der Kanzlei: (Unterschrift.) Ein Verbot für die jüdische Presse Nordwestrußlands erging von der obersten Militärbehörde im Juli 1915, durch das die wichtigsten Zeitungen des russischen Judentums betroffen wurden. Dank den Bemühungen der Petersburger jüdischen Gemeinde wurde das Erscheinen der Tageszeitung „Unser Leben“ und einer hebräischen Wochenschrift „Haam“ gestattet. Im allgemeinen aber ist das Verbot aufrechterhalten geblieben; die Verordnung wurde auch auf Bücher in jidischer Sprache ausgedehnt. In Petersburg wurde sogar untersagt, Gebetbücher, Machsorim u. dgl. drucken zu lassen. Zur Einstellung der russischen Juden in das englische Heer sind jetzt die Vorbereitungen beendigt. Der Plan der Regierung umfaßt nur die russischen Untertanen, die länger als fünf Jahre in England wohnen. Drei Monate nach ihrer Einstellung in das Heer sollen sie neutralisiert werden. Es sollen Kommissionen eingesetzt werden für diejenigen, die besondere Gründe zur Freilassung vom Dienst zu haben glauben. Die Entscheidung dieser Kommissionen ist endgültig, einen Appell an eine höhere Stelle gibt es nicht. Vom Jüdischen Nationalfonds. Die Spendeneinnahmen des Jüdischen Nationalfonds betrugen im Monate November M. 58 047. Folgende Länder haben hierzu beigesteuert: Österreich M. 17 006 (davon M. 2831 aus dem besetzten Gebiet), Deutschland M. 16 934 (davon M. 2180 aus dem besetzten Gebiet), Nord-Amerika M. 9921, Ungarn M. 3196, Holland M. 3104, England M. 2503, Belgien M. 1208, Schweiz M. 1143, Süd-Afrikt M. 987, Südslavische Länder M. 561, Schweden M. 340, Brasilien M. 330, Griechenland (Saloniki) M. 324, Frankreich (Tunis) M. 297, Rußland M. 193. Zu dem minimalen Resultat des NF-Beitrages aus Rußland muß ergänzend bemerkt werden, daß zwar größere Geldsummen in Rußland gesammelt worden sind, diese aber aus technischen Gründen bisher nicht in den Besitz des NF-Hauptbureaus gelangt sind. Trotz der schweren Zeiten bemühen sich die Palästinafreunde in Rußand, wie übrigens auch in den besetzten Gebieten von Polen, dem jüdischen Volksschatze ansehnliche Beiträge zuzuführen. Am 30. Dezember 1916 sind 15 Jahre verflossen, seit auf dem fünften Zionistenkongreß in Basel die Begründung des Jüdischen Nationalfonds beschlossen wurde. Aus diesem Anlaß sind vom Hauptbureau des JNF neue Marken mit den Porträts der Vorläufer des Zionismus: Montefiore, Heß, Pinsker, Moh-ilewetf, Herzl und Schapira herausgegeben worden. Ein Heft, das 30 Marken enthält, ist zum Preise von M. —.60 durch die Landessammelstellen und die Vertrauensmänner des JNF zu beziehen. Ein Wort an die Blau«Weißen. Liebe Blau-Weiße! Durch freundschaftliche Fürsorge eines Blau- Weißen erhielt ich als Chanukah-Gabe das jüngst erschienene „Tagebuch für jüdische Wanderer“*). Unsere Führer haben in gemeinsamer Arbeit unter Joseph Marcus - Breslau zweckmäßiger Leitung ein ansprechendes Büchlein uns und Allen, die von uns wissen wollen, geschenkt. „Ein Quell und ein Spiegel wahren Blau-Weiß- Lebens“ will das Tagebuch jedem werden, und ich sehe darin tasächlich, ein Abbild unseres Denkens und Fühlens. Das mit Sprüchen aus unserer klassischen Literatur, der Bibel und dem Talmud belebte Kalendarium erinnert uns an die Tage der Ahnen, die Tage der jüngsten Vergangenheit. Wie verknüpft sich das Leben und Werk unseres Lehrers Mose mit den Geschicken unsres Volkes, in der Heimat und auch in unserer Zerstreuung! Als eigentlicher Raum für eigene Eintragungen schließen sich die Blätter der Chodoschim mit Zeichnungen der Breslauer Führerin Käte Ephrai m an. Mit Glück versteht es die begabte Zeichner in, Gefühl und Inhalt jedes Monats festzuhalten; doch glaube ich, daß gerade unserem Empfinden eine natürliche Liniengebung mehr entsprechen würde. Einzelnes, wie die Darstellung zum Purim-Spiel, ist sehr frisch und originell. In vorbildlicher Weise haben Glanz und Baer unsere Feste geschildert und unsere Verbundenheit mit der Vergangenheit auf gewiesen. Die Leser werden mit unserem Geiste ver- *) Tagebuch für die jüdischen Wanderer 5677. Wien 1916, R. Löwit Verlag. M. 2.—.

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