Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 2 (12.1.1917)
- Date
- 1917-01-12
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Das Jüdische Echo Nr. 2 Förderung der Frühehe und aller daraufhin zielenden Unternehmungen, usw. usw. Dies natürlich nur in großen Umrissen der wesentliche Inhalt des Verbandsgedankens. Organisatorisch hätte er unter Führung einer Kommission des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und engster Mitarbeit der großen bestehenden Organisationen alle Gemeinden dem Programme nach zusammenzufassen, und vor allem dafür zu sorgen, daß an Stellen, wo zur Zeit gutherziger Dilettantismus waltet, Sachkunde und Disziplin eintritt. Tüchtige Berufsbeamte müssen dorthin berufen werden, wo es die Stetigkeit der Arbeit verlangt. Dabei kann und darf niemals und nirgends auf den Einfluß und das Mitschaffen der freiwilligen Hilfskräfte verzichtet werden, um nicht der papierenen Seele des Bureaukratismus zum Selbstzwecke zu verhelfen. Aber die freiwilligen Arbeiter müssen solche Männer und Frauen sein, die noch in engster Fühlung mit dem Leben stehen, die sich Zeit nehmen müssen und wollen, in treuem klugen Walten eine wichtige Stelle auszufüllen, nicht Veteranen des Lebens, die noch Zeit haben. Und für Nachwuchs in den Ämtern muß freimütig gesorgt werden, denn von der Qualität dieser Arbeit hängt die Kraft und das Gedeihen und damit die Zukunft des deutschen Judentums ab. Der Parteitag des holländischen Zionistenbundes. Der holländische Zionistenbund hielt am 24. und 25. Dezember 1916 seinen 17. Parteitag ab. Der Präsident des Bundes, Herr N. de Lieme betonte in seiner Eröffnungsrede, wie der Krieg die östlichen Judenzentren in ein großes Familiengrab des jüdischen Volkes verwandelt hat, protestierte £egen die völlige Ignorierung der nationalen Wünsche der Juden Polens, begrüßte warm die jüdische Kongreßbewegung in Amerika, betonte die Notwendigkeit einer ausschließlich neutralen Politik des jüdischen Volkes und erklärte als Hauptaufgabe der zionistischen Bewegung die Instandhaltung der jüdischen Kolonisation in Palästina, die Verstärkung der zionistischen Einigkeit in der Taktik und planvolle informative Arbeit, um den zionistischen Bestrebungen die notwendige Anerkennung zu sichern. Herr Jean Fischer, Mitglied des E. A. C. hielt die Begrüßungsrede. Dann wurde der Jahresbericht erstattet. Aus diesem ist ersichtlich, daß der Bund 26 Ortsgruppen mit einer Mitgliederzahl von 1660 Personen zählt. Der Bund hat in diesem Jahre Fl. 1149.90 und mit Einschluß der früheren Sendungen Fl. 11 453.49 für den Palästina-Fond, Fl. 913.65 für den Zentralfond, Fl. 313.55 für den Schulfond aufgebracht. Die Nationalfondssammlungen ergaben Fl. 10 709.14. Erwähnt wurde ferner die auf Veranlassung des Herrn Dr. Prins durchgeführte Ausstellung „Das jüdische Ghetto“ in Amsterdam, die Ankunft vieler osteuropäischer Juden in Holland und ein Feldzug für den Zionismus und den J. N. F„ wobei Gruppen von Zionisten das Land durchzogen und eine erfolgreiche Organisation durchführten. Auf dem Parteitage stand diesmal die Erziehungsfrage im Mittelpunkt der Verhandlungen. Die geplante Änderung der Schulgesetzgebung, wonach die Sektenschulen den Staatsschulen gleichgestellt und ihre Unterhaltung durch den Staat übernommen wird, machte diese Frage aktuell. Sie wird zu einem Studienobjekt bei den Ortsgruppen gemacht werden. Nach einem Referate des Herrn A. Polak über „Die jüdische Arbeit in Palästina“ wurde ohne Debatte folgende Resolution angenommen: „Der Parteitag macht in Anerkennung der eminenten Bedeutung des jüdischen Landarbeiters für die nationale Kolonisation in Palästina und in der Erwägung, daß das durch die Gründung des Genossenschaftsfonds am IX. Kongreß begonnene Werk fortgesetzt und durch Bildung von Pioniergruppen behufs Erwerbung neuen Landbesitzes in Palästina für die jüdische Gemeinschaft erweitert werden muß, es jedem Zionisten zur Pflicht, dem J. N. F. im allgemeinen und dem Genossenschaftsfonds im besonderen moralische und materielle Förderung zu verleihen.“ In den Bundesrat wurden die Herren de Lieme, Dr. van Vriesland, J. Cohen, J. H. Kann, Prof. L. Orenstein, Alfred Polak und Henri Edersheim gewählt. Zum ersten N.F.-Kommissär wurde A. Polak, zum zweiten Dr. Isaak Prins gewählt. Welt-Echo Sie möchte wieder lebendig werden. Die antisemitische „Staatsbürgerzeitung“, (schreibt die „Welt am Montag“) die wiederholt aus Mangel an innerer Lebenskraft dicht vor dem Verscheiden zu stehen schien, hat während des Krieges ein natürliches Ende gefunden. Ihr allzu heftiger Antisemitismus wurde als Störung des „Burgfriedens“ empfunden. Das trug ihr ein dauerndes Verbot und damit Märtyrerruhm ein. Fußend auf diesem Märtyrerruhm versenden eine größere Zahl von Männern ein gedrucktes Rundschreiben, um dem einstigen Organ der „mittelständischen und deutschvölkischen Bewegung“ neues Geld und damit neues Leben zuzuführen. Unter denen, die sich für die Auferstehung des antisemitischen Organs interessieren, seien genannt: Universitätsprofessor Kossinna, Professor Kloß, Rektor der Technischen Hochschule in Charlottenburg, und Universitätsprofessor Lezius, der Verfasser von „Deutschland und der Osten“, ungefähr der wüstesten Geheimbroschüre, die der Krieg gezeitigt hat. An der Sitzung des amerikanischen Kongreßkomitees, über die wir in unserer vorigen Nummer berichteten, nahmen außer 70 Delegierten des genannten Komitees auch 70 Delegierte des ursprünglichen, unter der Führung des „American Jewish Committee“ stehenden Konferenzkomitees statt. Die gemefldeten Beschlüsse und Beratungen wurden von den Vertretern der früher gegen einander arbeitenden Komitees gemeinsam gefaßt. Die Volksschulen in Polen. Zu diesem Thema berichtet die „Frankf. Ztg.“: Eine Bestandsaufhebung im Sommer 1916 ergab für die eigentlichen Volksschulen (also abgesehen von den jüdischen Religionsschulen) folgendes Bild: Religion kath. evang. mariavitisch jüd. Schulen 4 710 440 33 308 Lehrer 5 954 1 038 41 1 163 Kinder 345 780 28 793 2 165 27 218 Unterrichtssprache Gesamtzahl poln. deutsch gemischt jüd. poln. und deutsch Schulen 4745 525 198 23 5 491 Lehrer . . 8196 Kinder . . 403 956