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Das jüdische Echo · 1917-01-12 · 2 (12.1.1917) · p. Seite 22

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
2 (12.1.1917)
Date
1917-01-12
Page
Seite 22 (sequence 10)
Language
German
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22 Das Jüdische Echo Nr. 2 traut gemacht und können aus Marcus’ klaren Worten Wesen und Willen des Blau-Weiß entnehmen. Besonders an Euch Wanderer wenden sich seine und Simons (Mannheim) Aufsätze. Dann enthält das Tagebuch noch Schilderungen von Fahrten, unter denen besonders die der Palästinawanderungen unseres C a 1 v a r y hervorragen, und praktische sowie belehrende Artikel. Schließlich wird das Werkchen auch dem Bedürfnisse des Wanderers durch die Wiedergabe eines Lautenliedes des leider bereits gefallenen Ludwig Frz. Meyer und zweier Kompositionen zu Zuckermanns „Reiterlied“ gerecht. Obschon das Chanukah-Fest schon zu Ende ist, wenn Euch diese Zeilen zu Gesicht kommen, hoffe ich doch, daß Euere Eltern den Wanderfleiß und die Blau-Weiß-Begeisterung durch die nachträgliche Gabe dieses Tagebuchs Euch lohnen. Als geringen Schönheitsfehler müßt Ihr dann die stellenweise mangelhafte Wiedergabe hebräischer Worte in Kauf nehmen. Schalom! Im Felde. Theo Harburger. Feuilleton Geschichten vom Rishiner. Von Martin B u b e r. Der Rishiner, d. i. Rabbi Israel von Ruzyn (gestorben 1850), war einer der bedeutendsten unter den späteren Führern des Chassidismus. Von Ruzyn flüchtete Rabbi Israel, da er der russischen Regierung als der heimliche König der Juden denunziert wurde, nach Sadagora in der Bukowina; die „Wiunderrabbis“ von Sadagora waren seine Nachkommen. 1. Mit Misnagdim.1) Die Misnagdim von Sanok kamen zum Rishiner, als er durch ihre Stadt fuhr, und befragten ihn: „Wir gehen in Gottes Wegen und liegen beständig der Lehre ob, wir beten mit Tagesanbruch in der Gemeinde und danach sitzen wir in die Gebetsmäntel gehüllt und mit den Gebetsriemen auf Haupt und Arm und lernen eine Lektion der Mischna. Nicht so die Chassidim: sie beten, wenn die angeordnete Stunde verstrichen ist, und sind sie zu Ende, dann setzen sie sich zusammen und trinken Schnaps. Und da nennt man sie die „Frommen“ und uns die „Widersacher“!“ Es hatte aber der Rishiner einen Diener, der wurde Rabbi Leib genannt. Als der die Beschwerde der Misnagdim hörte, fiel ihm etwas ein, daß ihn das Lachen schüttelte, und dann brachte er es nicht fertig zu verschweigen, warum er gelacht hatte, und sagte: „Dienst und Gebet der Misnagdim sind eiskalt und haben keine Wärme, grad wie ein Toter, und wenn man bei einem Toten wacht, lernt man in der Mischna. Aber den Chassidim, wenn sie ihr bißchen Dienst tun, glüht das Herz und ist warm wie ein lebendiger Mensch, und wer lebendig ist, muß Schnaps trinken.“ Der Rabbi sprach: „Der Scherz mag hingehen. Die Wahrheit aber ist diese: Ihr wißt von dem Tage an, da unser Tempel zerstört wurde, haben wir kein Schlachtopfer und kein Brandopfer ge- *) Misnagdim, d. i. Widersacher; werden die „rechtgläubigen“ Gegner der Chassidim genannt. bracht. Das Gebet ist uns an Opfers Stelle. Darum, wenn der Mensch im Gebete steht, ist der böse Trieb mit allerlei Kniffen hinterher, um fremde Gedanken mancher Art in sein Denken einzuführen. Da haben nun die Chassidim den Kniffen den Gegenkniff erfunden. Nach dem Gebet setzen sie sich zusammen und trinken einander zu: „Zum Leben!“ Und jeder bringt vor, was sein Herz bedrückt, und darauf sagt einer zum anderen: „Gott möge dein Verlangen erfüllen!“ Und wie ja unsere Weisen sagen, das Gebet könne in jeder Sprache gesprochen werden, so wird auch diese Rede und Gegenrede beim Trunk als Gebet erachtet. Dem bösen Trieb aber erscheint all dies als ein eitel weltlich Ding, er sieht, daß sie essen und trinken und Worte des Alltags reden, und kümmert sich nicht weiter um sie, und das Gebet steigt in seiner Reinheit empor und wird empfangen.“ 2. „Dir.“ Einst saßen in Sadagora die Chassidim beisammen und tranken, als der Rabbi eintrat. Sein Blick schien ihnen nicht freundlich. Da fragte ihn einer: „Was ist es, Rabbi, das Euch mißfällt? Ist es, daß wir trinken? Hat doch Rabbi Pinchas von Korez gesagt, wenn Chassidim beim Trunk beisammen sitzen, sei es, als lernten sie in der Thora!“ Der Rishiner antwortete: „Ich widerstreite Rabbi Pinchas, dem Weisen und Gütigen, nicht. Aber dedenket. Es gibt in der Thora manch ein Wort, das einmal heilig, ein andermal unheilig ist. So heißt es: „Und der Herr sprach zu Mose: Behaue dir zwei Steintafeln,“ aber es heißt auch: „Du sollst dir kein behauenes Steinbild machen!“ Woran liegt das wohl, daß dasselbe Wort dort heilig und hier unheilig ist? Seht, das liegt daran, daß dort das Wort „Dir“ nachfolgt, hier vorangeht. So ist es mit allem Tun. Wo das „Dir“ nachfolgt, ist alles heilig, wo es vorangeht, ist alles unheilig.“ 3. Die Zeit des Gebets. Als er beim Apter zu Gast war, wartete er einmal, wie er es oft tat, lange mit dem Morgengebet. Der Apter kam zu ihm und fragte ihn, wann er beten wolle. Er antwortet: „Ich weiß es selber noch nicht.“ Und er erzählte eine Geschichte: „Ein König hatte eine Stunde bestimmt, zu der jeder Untertan sein Anliegen vor ihn bringen konnte; vor und nach ihr aber war es nicht erlaubt, ungerufen vor sein Angesicht zu treten. Einmal kam ein Bettler vor das Schloß und ver- I Firma Strampfer vorm. Franz Musil | FEIME DRMEMSCHMEIDEREI | Telephon 26186 München Schellingstr. 10 | München "«ssr i { Israel. Mterpeusionat | I Frau Apotheker Rothschilü Ww. I

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