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Das jüdische Echo · 1917-01-12 · 2 (12.1.1917) · p. Seite 19

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
2 (12.1.1917)
Date
1917-01-12
Page
Seite 19 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 19 dieser Weg-, der in eine große, schöne, belebte jüdische Welt hinausführen könnte, ist von den deutschen Juden nicht rechtzeitig erkannt und verfolgt worden. Der große, fortreißende Zug sozial-politischer Entwicklung, der sich in den deutschen politischen Kommunen aufbauend bemerkbar macht, hat das jüdische Gemeinde- und Vereinsleben nicht erfaßt. Zwar sind Juden und besonders Jüdinnen an allen Äußerungen dieser Zeitbestrebungen lebhaft beteiligt; aber diese Beteiligung bedeutet für das jüdische Gemeinschaftsleben mehr einen Abfluß und Verlust an Kräften. An verhältnismäßig nur wenigen Stellen jüdischen Gemeinde- und Vereinslebens zeigt sich der Wunsch und das Verständnis, die Erkenntnisse und Methoden der sogenannten unkonfessionellen oder interkonfessionellen sozialen Arbeit auch zur Erhaltung und zur Stärkung des jüdischen Gemeinschaftsgedankens anzuwenden. Hier liegt der Keim der Schwäche, des Rückganges, vielleicht auch einer bevorstehenden Auflösung des Judentums, wobei natürlich nicht mit Jahrzehnten, aber doch, wenn keine Besinnung eintritt, mit wenigen Menschenaltern zu rechnen sein wird. Ä Das Versickern der jüdischen Volkskraft wird aber noch durch einen anderen Umstand im höchsten Grade gefördert und beschleunigt. Die furchtbare Zerrissenheit in der Judenschaft selbst, der Ellbogenkampf, der vom Agudah-Mitglied bis zum Reform-Juden im Sonntagstempel in Gemeinden, Vereinen und Verbänden um Wert Bedeutung, Herrschaft und Vorherrschaft geführt wird, macht die Judenschaft innerlich verbluten. Das Fehlen von Solidarität und edlem Selbstbewußtsein in Momenten, wo nur die höchste Anspannung von Gemeinschaftsgefühl, Lebenswillen und Abwehrkraft den Feinden gegenüber gibt, schwächt die Judenheit nach außen und läßt einen weisen Nathan herbeisehnen, der uns über unsern Wert und unsere Würde als Träger unserer ethischen Mission unter den Völkern neu belehrte und vor allem auch einen Ring wünschen, der vor Gott und den Menschen angenehm machte. Wenn wir nicht auf „einen interessanten Rest einer einst ethisch, intellektuell und wirtschaftlich bedeutsamen Religionsgemeinschaft“ zusammenschmelzen wollen, dann müssen wir uns aufraffen, uns prinzipiell und organisatorisch einen neuen festen Zusammenschluß zu sichern. Dieser wäre auf die tragkräftige, soziale Seite der jüdischen Gesetzgebung aufzubauen. Individuelles, Trennendes ist bewußt zu übergehen, das Gemeinsame umso besser herauszuarbeiten, ein Programm aufzustellen, in dem jeder Jude und jede Jüdin, auch wenn sie von ihrer Volkszugehörigkeit wenig mehr als ihre Abstammung kennen, ein interessantes, wichtiges, sympathisches Arbeitsfeld finden kann. Als eines der wichtigsten geistigen Kettenglieder für den Zusammenschluß der Judenschaft ist die Mitarbeit der Frau an allen verantwortlichen Stellen des jüdischen Gemeinschaftslebens zu nennen. Von ihrem Verständnis, von ihrem Willen und ihrer Treue hängt der Geist ab, der im Hause und in der Gemeinde herrscht; sie kann dem sozialen Leben Harmonie und gute Gesinnung geben, sowie sie auch Mißton und Charakterlosigkeit verbreiten kann, wenn sie planlos ihren nächsten Interessen entzogen dahingeht. Der praktischen Arbeit bietet ein solcher Zusammenschluß als ein Verband für jüdisch-soziale Arbeit ein unendlich umfassendes Programm, von dem hier nur die hervorragendsten Punkte anzudeuten sind. Da gilt es vor allem sich in der jüdischen Wohlfahrtspflege auf die wirksamste Handhabung der Armenpflege nach bestimmten allgemeinen Normen zu vereinen in einer Zentralisation des Armenwesens unter praktischer und finanzieller Mitwirkung und Mitverantwortung der Gemeinden. Um deren Wirksamkeit zu erhöhen, ist die E i nbeziehung der Vereine, Anstalten und Stiftungen als ein Fürsorgerat des Armenwesens besonders für die großen und mittleren Gemeinden nötig. Um die Anstalten, Krankenhäuser usw. unter einander zu verbinden, ebenso aus Gründen der Ersparnis und der Sicherstellung für den Verbrauch (für Webwaren, Lebensmittel, Milch, Fett, Fische, Kartoffeln, Kohlen, Seife usw.) empfiehlt sich die Gründung einer größeren Konsum- und Einkaufsgenossenschaft der jüdischen gemeinnützigen Anstalten, wo es irgend angeht, wäre landwirtschaftlicher Betrieb (Lehr- und Arbeitsgelegenheit) einzuführen. Bekämpfung der fahrlässigen Wohltätigkeit und Gewährung von Unterstützungen nach volkserzieherischen Grundsätzen. Bekämpfung des W a n d e r b e 11 e 1 s und des Hausierhandels unter den Juden, besonders bei Frauen und Jugendlichen. _ Förderung von Berufsberatung und Arbeitsnachweisen für männliche und weibliche Lehrlinge, höhere Berufe, männliche und weibliche Arbeitsuchende. Wohnungsfürsorge und Wohnungsnachweis. Einrichtung von jüdischer Sammelvormundschaft für alle jüdischen Gemeinden Deutschlands. Bereitstellung von Mitteln für Erziehungsbeiträge für jedes schutzlose und von der Familie getrennte erziehungsbedürftige jüdische Kind, ehelich oder unehelich. Förderung aller Unternehmungen der jüdischen Jugendpflege. Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden. Einberufung von Konferenzen über Fragen aus den Gebieten der Armenpflege, der Erziehung, der Sittlichkeitsfrage, Berufs- und Bildungsfragen, Bevölkerungsprobleme usw., Preisausschreiben für besondere Arbeiten oder für praktische Studien auf diesen Gebieten. B. Müllers Musikinstitut München Fraunhoferstr. 29 :: Telephon 24540 Inhaber: Bruno Müller, Konzertmeister a. D. Schüler von: Prof. Dr. Joseph Joachim, Prof. Dr. Carl Reineoke, Prof. Dr. Heinrich Beilermann und Hofoperndirektor Gustav Mahler Unterricht in allen praktischen (Klavier, Violine, Orgel. Cello usw.) u. theoretisch en Fächern (Harmonie, Kompositions- und I nstrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene (Kinder werden vom 6. Lebensjahre an aufgenommen) Prüfung, Auskunft und Einschreibung kostenlos.

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