Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 2 (12.1.1917)
- Date
- 1917-01-12
- Page
- Seite 17 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 17 Die englische Presse zur russischen Judenfrage. In früheren Zeiten geschah es manchmal, daß man in der englischen Presse ein kräftig Wörtlein gegen die Unterdrückung der Juden in Rußland fand. Seitdem aber die Ententeländer einander zu „verstehen“ trachten, scheint es, daß nicht England seinen Einfluß gebraucht, um die unerhörte Behandlung der Juden in Rußland zu verhindern, sondern im Gegenteil diese zu rechtfertigen und damit den Antisemitismus des englischen Publikums zu schüren. Das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz“ bringt einen Aufsatz aus der „Morning Post“ mit der Überschrift „Das privilegierte Volk“, dem wir folgende Stellen entnehmen: „Kaum jemand außerhalb Rußlands weiß, daß die russischen Juden, welche sechs Millionen zählen, die für ein Volk wichtigsten Privilegien genießen (!) zumal der nichtjüdischen Bevölke- Ausländer erkennen ohne Ausnahme, daß die russische Regierung sehr schwach ankämpft gegen die jüdische „Vergewaltigung“, was aus der traditionellen Furcht derselben, dem religiösen Leben der Juden irgendwie nahezutreten, herrührt. Infolgedessen genießen die Juden in Rußland politische Rechte, welche den eingeborenen Russen, unter denen sie leben, versagt sind. Freilich sieht sich nun die russische Regierung genötigt, dem wachsenden Antisemitismus Rechnung zu tragen. Sie versucht die Bevölkerung Polens und Litauens vor dem schweren ökonomischen Drucke der jüdischen Kahale zu schützen, indem die Regierung denjenigen Juden, welche nicht persönlich Landwirtschaft betreiben, verbietet, auf dem Lande zu wohnen. Diese Maßnahme schützt jedoch den Bauer wenig vor der Ausbeutung durch den jüdischen Wucherer, und in der Tat entgeht in der ganzen westlichen Hälfte des europäischen Rußlands kein einziger Meterzentner Getreide dem jüdischen Vermittler. " llt*. isi mm Ruinen in Palästina rung des Ansiedlungsrayons diese Privilegien nicht zustehen, (sic.) Unter diesen Privilegien seien folgende genannt: Das Recht der Selbstbesteuerung (korobotschnyi, swetschvnoj sbor); das Recht, ausschließlich jüdische Schulen auszuhalten (Cheder, Jeschiboth), wo die Kinder anderer Nationalitäten nicht zugelassen werden; ferner das Recht der Selbstverwaltung in inneren Gemeindeangelegenheit (Kahal) und— was noch merkwürdiger erscheint — das Recht der eigenen Gerichtsbarkeit (Bet-din) und das freie Versammlungsrecht in den Synagogen. Ungeheuere politische Privilegien genießen somit die russischen Juden unter religiösem Vorwände, und diese werden von der russischen Regierung heilig geschützt, wodurch die Regierung dem Judentum eine kolossale Macht verleiht. Das Überhandnehmen der Juden in den russischen Finanzkreisen, im Handel, in der russischen Presse und im Theater überrascht alle Ausländer, welche Rußland besuchen. Alte diese Die Juden haben Besitz ergriffen von 95 Prozent des russischen Handels und der Industrie in den 18 reichsten Gouvernements, welche die Ausdehnung Frankreichs und Deutschlands zusammengenommen übertreffen. Überall, wo Juden den Wunsch äußern, persönlich Landwirtschaft zu betreiben, werden dieselben von der Regierung in vollem Maße und bedingungslos unterstützt. Aber die Regierung sah sich genötigt, den Juden den Ankauf und die Pacht von Land und Wäldern zu Spekulationszwecken zu verbieten. Die Erfahrung bewies, daß die verhängnisvolle Entwaldung der enormen Waldflächen Polens und des Westgebietes der Tätigkeit der jüdischen Spekulanten zu verdanken ist. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß Äußerungen von Personen, welche mit der jüdischen Frage in Rußland nicht vertraut .sind, mit größter Vorsicht entgegengenommen werden müssen. Diese vielfach ehrenhaften, aber durchaus leichtsinnigen Personen verstehen nicht, was sie begehen, wenn sie, ohne von der historischen Ent-