Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 2 (12.1.1917)
- Date
- 1917-01-12
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 15 zen. Soweit dies die örtlichen Verhältnisse und der Vorrat an Sämereien gestattet, betreibt man in den Kolonien die Gemüsezucht. Von den obwaltenden Verhältnissen ist natürlich der Gesundheitszustand der Bevölkerung stark beeinträchtigt worden. Die Choleraepidemie dürfte allerdings in Jerusalem als erloschen anzusehen sein; dagegen herrscht noch immer in den Städten der F 1 e. dk t y p h u; s und fordert manches Opfer. Sehr empfindlich macht sich der Mangel an Ärzten bemerkbar. Die im Lande ansässig gewesenen Ärzte sind zum großen Teile zum türkischen Heere einberufen worden, und von den verbliebenen sind mehrere gestorben. Zionistische Kreise in Amerika haben deshalb von der amerikanischen Staatenregierung für eine ameri- Auch der Unterricht in den Schulen nimmt seinen Fortgang; seit Anfang Cheschwan sind alle hebräischen Schulen wiedereröffnet. In der Kunstschule Bezalel sind im Kriege — dank dem Geschick des künstlerischen Leiters Herrn Strich. — schönere Entwürfe ausgeführt worden wie je zuvor. Da natürlich seit Kriegsausbruch nur wenig Literatur aus dem Ausland nach Palästina gelangt ist, hat die literarische Pr oduktion im LanJe selbst zugenommen. Als wichtigste literarische Erzeugnisse sei neben einer Reihe von Jugendschriften und Schulbüchern das kürzlich erschienene Arbeiterbuch Ben Hasmanim genannt. In Jaffa wird ein Zyklus hebräischer Vorträge veranstaltet und auch die dortige Musikschule setzt ihre Tätigkeit unverändert fort. Ein palästinensischer Brunnen kanische Ärzteexpedition die Erlaubnis zur Durchfahrt durch die ägyptischen Häfen und zur Landung in Jaffa erwirkt Gleichzeitig mit den Ärzten sollen Verbandstoffe und Medikamente, besonders Chinin ins Land gebracht werden. Die hygienischen Institute Palästinas haben überreichliche Arbeit, und eine Reihe junger Palästinenserinnen ist als Krankenschwestern tätig. In Elberfeld ist kürzlich eine Samlung von 2125 Mark für das Hygienische Institut vorgenommen worden, und dem Pasteurinstitut, das auch im vergangenen Jahre durch seine Behandlung von Tollwutverdächtigen und -kranken, von Darmtyphus, Syphilis und durch Pocklenimpfungen großen Nutzten gebtracht hat, dürften demnächst einige neue Mittel zugeführt werden. Die erfreulichste Tatsache gegenüber dieser kritischen Lage der Dinge ist, daß trotz aller Schwierigkeiten in Stadt und Land unermüdlich weiter gearbeitet wird. Die Reihen der Arbeiter haben sich zwar seit Kriegsausbruch erheblich gelichtet: ein Teil von ihnen hat das Land verlassen, ein weiterer Teil wurde zum türkischen Heere oder für Wegebauten und Pionierarbeiten eingezogen. Die Gebliebenen bemühten sich nach Kräften, die Pflanzungen zu erhalten. Trotzdem ist selbstverständlich die allgemeine Stimmung gedrückt, und voll banger Sorge fragt man sich, was bei einer noch langen Dauer des Krieges aus den schwer betroffenen Kolonien werden soll. Noch immer machen sich die furchtbaren Folgen der Heuschreckenplage, die im Frühling 1915 das Land heimsuchte, bemerkbar. Die Schwierigkeit des Geldverkehrs mit dem feindlichen Auslande wird gleichfalls mit der längeren Dauer des Krieges immer drückender. Leben doch zahlreiche Familien in Palästina, die bis zum Kriegsausbruch den größten Teil ihrer Einkünfte aus dem Boden- oder Effektenbesitz bezogen, den sie in Rußland hatten. Und eine große Zahl von Schülern der jüdischen Lehranstalten, die früher von ihren in Rußland lebenden Eltern erhalten wurde, muß jetzt auf Gemeinschaftskosten erhalten werden. Die Tatsache, daß durch strenge Zensurbestimmungen der Verkehr mit der Außenwelt fast völlig unterbrochen ist, wirkt gleichfalls deprimierend auf die Bevölkerung. Einige wenige, schon früher in Palästina ansässige Personen, die aus bestimmten Gründen das Land verlassen hatten, haben die Erlaubnis erhalten, dorthin zurückzukehren; anderen, die an ihre zeitweise verlassenen Posten zurückzukehren sich sehnen, wurde jedoch die Erlaubnis verweigert.