Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 2 (12.1.1917)
- Date
- 1917-01-12
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Das Jüdische Echo Nr. 2 Er sagt, einzelne Regimenter hätten keine Juden als Offiziere zugelassen. Welches war das Regiment in Preußen — und wäre es nur ein einziges gewesen — in dem es vor dem Kriege auch nur einen jüdischen Offizier, ja auch nur einen aktiven jüdischen Unteroffizier gab? Und dabei spricht Schmoller von einer Beherrsch ung des Heeres durch d&e Juden! Wo sind die Anzeichen dafür, daß das preußische subalterne oder hohe Beamtentum sich auch nur einer Mindestzahl von Juden erschlossen hätte, nachdem es weder im höheren Richterberuf noch in der Staatsanwaltschaft noch in irgendeiner Regierungsbehörde jüdische Beamte gibt? Und dabei spricht Schmoller von einer Beherrschung der Beamtenschaft durch die Juden! An wieviel preußischen Universitäten ist mehr als ein einziger jüdischer ordentlicher Professor vorhanden? wieviel preußische Universitäten gibt es, die auch nur diesen einzigen aufzuweisen haben? Und dabei spricht Schmoller von einer Beherrschung der Universitäten durch die Juden! Was nun die allerhöchsten Posten im Staate betrifft, die Schmoller auch schon den Juden zur Beute fallen sieht, so möchten wir in diesem Punkte keinen geringeren zitieren als — Herrn Geheimrat Schmoller selbst. Er sagt nämlich: „Wir sind für Rechitsgläubigkeit wie Preuß, aber wir verzweifeln nicht, wenn irgend ein großes politisches Talent jüdischer Rasse heute noch nicht so rasch den für ihn passenden Ministersessel findet.“ Er spricht ausdrücklich dabei von Rathenau, der ähnliche Ansichten wie Preuß vertrete und bemerkt dazu: „Ich hätte gar nichts dagegen, wenn Rathenau dieses Ziel selbst erreichte. Ich glaube aber, er hat jetzt dem Staat durch seine Tätigkeit ebenso viel genützt, als wenn er auf einem Ministerstuhle säße.“ In diesen Worten liegt ein offenes Eingeständnis, daß ein Mann wie Rathenau sicherlich ebensoviel Anspruch auf einen Ministersessel hätte wie mancher andere aber — nun nicht einmal er hat ihn bisher erhalten. Aber noch etwas anderes liegt in dem Satze Schmollers: die Ansicht nämlich, daß man dem Juden Rathenau ebenso wie den Tausenden jüdischer Soldateb, die heute im deutschen Heere dienen, unbedenklich das Recht einräumen darf, alle ihre Kraft und Intelligenz, ihr Gut und Blut dem Staate zur Verfügung zu stellen. Nur (selbst wenn man wirklich einmal bei einem Manne wie Rathenau eine Ausnahme machen sollte) von den Ämtern und Ehrenposten, mit denen der Staat die Aufopferung des einzelnen bezahlt, soll man sie möglichst fernhalten, denn ein jüdischer Ordinarius oder Staatsanwalt oder Offizier könnte allzu leicht „fünf und mehr andere Juden nach sich ziehen“. Das aber wäre sicherlich ein Unglück für den preußischen Staat (wieso, Herr Geheimrat Schmoller, wieso?), und darum müssen sich die Juden weiter damit begnügen, „dem Staate durch ihre Tätigkeit ebensoviel zu nützen als wenn.“ Sollte Geheimrat Schmoller gemeint haben, daß der Staat den Juden ja genügend Entgegenkommen dadurch beweist, daß er ihnen gestattet, für ihn zu bluten ,zu sterben und ihre Kraft zu opfern, als er den Satz schrieb: „Die Benachteiligung der Juden im preußischen Staatsleben ist heute fast schon dem Verschwinden nahe und macht bereits dem Gegenteil da und dort Platz?“ Zur Lage in Palästina. Die Nachrichten, die aus Palästina kommen, sind spärlich und verschweigen aus naheliegenden Gründen vieles Wesentliche. Dennoch ist es möglich, sich aus den Mitteilungen, die auf eine oder die andere Weise herübergelangen, ein ziemlich deutliches Bild von den zur Zeit herrschenden Verhältnissen zu machen. Dieses Bild ist allerdings nicht sehr erfreulich. Noch wird in den Obstplantagen, auf den Feldern, in Schulen und sozialen Instituten weitergearbeitet, aber da nun seit Kriegsausbruch bereits die dritte Orangen- und Weinernte eingebracht worden ist, ohne daß man eine Möglichkeit gehabt hätte, sie ins Ausland zu exportieren, ist natürlich die finanzielle Lage der Plantagenbesitzer höchst bedenklich geworden. In Amerika wird gegenwärtig erwogen, ob man sich nicht die Erlaubnis der amerikanischen und türkischen wie der englischen und französischen Regierungen dazu verschaffen könne, auf einem amerikanischen Schiff, das demnächst Medikamente und Verbandstoffe nach Palästina bringen soll, eine Ladung Orangen von dort zu exportieren. Eine Zeitlang erschien der Fortbestand der Pflanzungen im höchsten Maße gefährdet: Auf weiten Gebieten Palästinas wird bekanntlich der Pflanzungsboden künstlich bewässert, und zwar wurden seit langer Zeit die Bewässerungsanlagen durch Petroleummotoren in Betrieb gesetzt. Der im Lande vorhandene Petroleumvorrat, der vor dem Kriege aus Amerika, Rußland und Rumänien bezogen ward, war natürlich nach einiger Zeit sehr knapp, und frisches Petroleum gelangte nicht ins Land. Zum Glück ist es möglich geworden, die Bewässerungsanlagen dadurch zu erhalten, daß man die Petroleummotoren — freilich unter erheblichen Kosten (ungefähr je 1000 Francs) — in Sauggasmotoren umgebaut hat, die mit Holzkohle gespeist werden. Allerdings beginnen nun auch die Vorräte an Holzkohle stellenweise zu versiegen. Der Mangel an einer Reühje unentbehrlicher Nahrungsmittel dauert fort Am bedenklichsten ist natürlich die herrschende Brotknappheit. Vor wenigen Wochen hat man sich in Jerusalem dazu entschließen müssen, die Brotmenge pro Kopf der Bevölkerung auf V* kg herabzusetzen. Nach europäischem Vorbilde gibt die jüdische Lebensmittelkommission in Jerusalem jetzt Brotmarken aus. Ferner hat vor einiger Zeit die Jerusalemer Stadtverwaltung die noch vorhandenen Bestände an Bohnen, Linsen, Graupen, Sesam und Zucker aufgekauft, um die Abgabe an die Bevölkerung zu regeln. Der Bestand an Zucker ist allerdings im ganzen Lande gering. Die Hausfrauen suchen durch Beigabe von eingekochtem Trauben- und Aprikosensaft sowie durch Honig zu den Speisen den Mangel an Zucker zu erset- Eigene Verkaufsstelle: Cognac Macholl München den besten französischen Marken ebenbürtig — überall erh<lioh. Karlsplatz 25 (Hotei Künigshof)