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Das jüdische Echo · 1917-01-12 · 2 (12.1.1917) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
2 (12.1.1917)
Date
1917-01-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Vierfelj. M. 1.—, Halbj. M, 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V er 1 a g des „Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, Anzeigen: Die viergespaltene, Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— ‘ Dieselbefür kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 2 München / 4. Jahrgang 12. Januar 1917 Gustav Schmollers „Neuorientierung“. Qeheimrat v. Schmoller hat im 4. Heft seines Jahrbuches einen Aufsatz „Obrigkeitsstaat und Volksstaat“ veröffentlicht, der in weiten, nicht zum mindesten in antisemitischen Kreisen bedeutendes Aufsehen gemacht hat. Der Aufsatz befaßt sich mit dem Inhalt zweier Bücher, deren eines von Hans Delbrück geschrieben und in seinen Grundgedanken aristokratisch-konservativ ist, während das andere von Professor Hugo P r e u ß im demokratischen Sinne verfaßt ist. Der wesentliche Kern der Schmollerschen Ausführungen, auf den hier nicht im einzelnen eingegangen werden kann, ist eine Verteidigung des preußischen Staates gegen den Vorwurf eines zu strengen Klassengeistes und eine Ablehnung der Volksmajorität. „Unsere Offiziers- und Beamtenschaft“, sagt Schmoller, „kann nach unten sich noch etwas freier öffnen; aber ihre aristokratische Stellung wird bleiben, wie die aristokratische Stellung der Führer in der Sozialdemokratie sich noch mehr befestigen wird.“ Für uns wesentlich sind diejenigen Teile des Schmollerschen Aufsatzes, in denen er sich gegen die Anschauungen des Professors Hugo Preuß wendet. Schmoller wehrt sich dagegen, daß Preuß — den Schmoller als einen der begabtesten neueren Staatsrechtslehrer anerkennt — die Entwicklung der demokratischen Staaten Westeuropas Deutschland zum Muster hinstellt, und dabei behauptet, das Deutsche Reich, besonders Preußen sei im Zustande des Obrigkeitsstaates stecken geblieben, statt sich zum Volksstaat zu entwickeln. Hierbei gestattet sich Schmoller folgende Sätze: „Er (Preuß) ist einer der Häuptlinge des Berliner kommunalen Freisinns geworden, der, sozial auf semitischer Millionärbasis beruhend, unsere Hauptstadt mehr oder weniger beherrscht, und es will mir immer Vorkommen, daß in diesen Kreisen, so tüchtig und ehrbar sie sind, der politische Horizont und das politische Urteil doch zu sehr von dem einen Gedanken erfüllt ist: in ihren Kreisen sei eine solche Überlegenheit von Intelligenz, Charakter und Talent, daß es ungerecht und schädlich für Staat und Gesellschaft sei, daß ihr eng zusammenhaltender Kreis die Universitäten, das Heer, das hohe Beamtentum noch nicht so unbedingt beherrsche, wie das bezüglich der Stadt Berlin und ihrer Verwaltung der Fall sei. Bei den meisten, auch wohl bei Preuß unbewußt wirken derartige Stimmen beeinflussend auf ihr politisches Denken.“ In einem verschließt sich Schmoller den Ausführungen von Preuß nicht, der eine Unwahrhaftigkeit des Systems darin sieht, daß man zwar die Religion als Ausschließungsgrund benutzt, das aber öffentlich bestreitet und gerade die nach ihrem Charakter Ungeeignetsten befördert. Wörtlich sagt Schmoller: „Ich verkenne nicht, daß in diesen Vorwürfen ein Keim von Wahrheit liegt: Der jüdische Assessor, der sich taufen läßt, um gewisse Ämter zu erreichen, der jüdische Gutsbesitzer, der das gleiche tut, um in der Selbstverwaltung emporzukommen, ist sicher nicht der beste seines Glaubens und seiner Rasse. Aber deshalb ist es doch entfernt nicht allgemein richtig, daß wir die Rechtsgleichheit unserer Verfassung gröblich verletzen, weil einzelne Ämter noch nicht jedem jüdischen ungetauften Bewerber erreichbar sind, weil einzelne Regimenter das ihnen zustehende freie Wahlrecht des Offizierkorps noch zum Judenausschluß benutzen, weil an den Universitäten noch nicht alle zahlreichen jüdischen Privatdozenten so rasch Professoren werden, wie sie persönlich glauben, es nach ihrem Talent zu verdienen. Das große Ideal der politischen und rechtlichen Gleichberechtigung läßt sich nur in dem Tempo durchsetzen, als das Volksbewußtsein sich dem Standpunkt des Gesetzes angej)aßt hat. Seine Durchführung findet da zeitweise natürliche Hemmungen, weil eine Minorität der Rasse, des Glaubens und so weiter sich bei freier Zulassung rasch zur intoleranten Herrscherin des Staates bezw. der betreffenden Verwaltung, der einschlägigen Organe zu machen weiß. Wie rasch haben die jüdischen Privatdozenten und Professoren zugenommen! Wie rasch haben die Juden es erreicht, daß an einzelnen Kliniken jahrelang nur jüdische Assistenten an gestellt wurden, wie bewahrheitete sich in manchen Fakultäten die Prophezeiung, daß der erste jüdische Ordinarius in zehn Jahren fünf und mehr andere Juden nach sich ziehe. Die Beteiligung der Juden im preußischen Staat sieben ist heute fast schon dem Verschwinden nahe und macht bereits dem Gegenteil da und dort Platz.“ Dies stellt ein Mann von dem großen Einfluß Gustav Schmollers fest — und natürlich triumphiert die gesamte antisemitische Presse. Zu einer Zeit, da weite Kreise bemüht sind, alles was faul im Staate ist, auf das Schuldkonto der Juden zu setzen, ist den Judenfeinden natürlich ein Bundesgenosse von so eminenter Bedeutung willkommen. Wir aber müssen Herrn Geheimrapt Schmoller um die Beweise seiner Behauptungen bitten:

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