Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 1 (5.1.1917)
- Date
- 1917-01-05
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 1 Das Jüdische Echo 7 Eine erste Gruppe von ihnen, den Israeliten sehr nahe verwandt, setzte sich im Ostiordanlande fest. Anscheinend hat nur das gleichzeitige Vordringen der Amoriter in umgekehrter Richtung sie verhindert, sich über den Jordan nach Westen zu schieben. Sie überließen diese Aufgabe und damit den Erwerb der vollen Seßhaftigkeit den nachdringenden Israeliten. Ihre späteren Versuche, den Jordan zu überschreiten, hatten keinen Erfolg mehr. — In diese Gruppe gehören im Osten die Stämme Ammon und Moab, im Süden Edom und Midian. Ihre Sprache und Schrift war, wie uns der Mesa-Stein lehrt, hebräisch, höchstens dialektisch verschieden vom westjordanischen Hebräisch. Bei so naher Verwandtschaft war ein Herüber und Hinüber von Stammesteilen nur eine Frage politischer Konstellation. So nahmen im Osten Moab und Ammon die Stämme Rüben, Gad, Gilead, Machir auf und verschmolzen allmählich mit ihnen, während an der Südgrenze Simeon nie recht seßhaft wurde und zum Teil in Edom aufging (I. Chron. 4, 42), zum Teil vielleicht im nördlichen Arabien neue Sitze fand (vgl, Dozy, Die Israeliten in Mekka, 1864). Umgekehrt ist Edom in späterer Zeit (Johannes Hyrkan) im Judentum aufgegegangen, dem es in Herodes dem Großen den kräftigsten Herrschier nach David und Jerobeam II. gab. Die israelitischen Stämme selbst (die „zwölf Stämme“) waren, wie heute als feststehend betrachtet werden kann, keine ursprüngliche, sondern nur eine historische Einheit, und auch das nur für etwa hundert Jahre, unter Saul. David und Salomo. Die beiden Reiche, in die sie beim Tode Salomos auseinanderfielen, Israel und Juda, entsprechen zwei von jeher durch Schicksal und Traditionen verschiedenen, wenn auch sehr nahe verwandten Gruppen, deren Kern im Norden Ephraim, im Süden Juda war. Die nördliche Gruppe ist vom Osten her eingewandiert und hat die Erinnerung an den Jordanübergang als das entscheidende Ereignis jahrhundertelang in dem alten Heiligtum von Gilgal (bei Jericho) bewahrt. Die Südgruppe dagegen ist allem Anschein nach aus dem Süden eingedrungen, von der Sinaihalbinsel und aus dem östlichen Teile des Nildeltas, worauf ihre ägyptischen Traditionen hinweisen. Während die Ephraimstämme durch den Jordanübergang dem Wüstenleben endgültig absagten, gelangten die Judastämme erst ganz allmählich; von Norden nach Süden her zur vollen Seßhaftigkeit (zuerst der Stamm Juda). Vom Südrande des Kulturlandes her nahmen sie noch lange Zeit befreundete halbnomadische Stämme und Geschlechter in ihren Verband auf (Simeon, Levi, Kaleb, Kajin, Kenaz, Jerachmeel). So ist es durch die Entwicklung erklärlich, daß zwar im Nordreich früher eine vielseitige Kultur sich ausbildete, der Süden dagegen sich länger frisch und erhialtungsfähig zeigte. Auch das Verhältnis zu der eingeborenen Bevölkerung bedingte Unterschiede. Im Norden außen hauptsächlich kanaanäische Stämme, mit denen gewiß eine starke Verschmelzung stattfand; die Südstämme dagegen hatten den schweren Kampf mit den streibaren Amoritern und später den Philistern durchzuführen, und es ist darum gewiß kein Zufall, daß die Männer, welche die Hegemonie der Philister brachen und damit alle israelitischen Stämme einigten, der Benjaminit Saul und der Judäer David waren. Die Erbitterung dieses Kampfes und die Tatsache, daß die Philister nicht unterworfen, sondern zurückgedrängt wurden, dürfte im Süden zu einer geringeren Blutmischung und zu einer kräftigeren Reinhaltung der jüdischen Eigenart geführt haben. Betrachten wir die wenigen Abbildungen, welche uns Assyrien und Ägypten von israelitischen Stämmen liefern, so springt die Ähnlichkeit mit dem Typus des heutigen Juden in die Augen. Die Diener, die den Tribut des Jehu bringen, würden auch im modernen Gewände keinem Zweifel über ihre Abstammung Raum geben. Es bedurfte einer langen Entwicklung, bis die Juden ihre Eigenart erwarben und festigten, aber sie haben ihre Eigenart dann unter einem einzigartigen Schicksal mit unerhörter Zähigkeit festgehalten. Und es erhebt sich die schicksalsphilosophische Frage, ob dieses Schicksal Ursache oder Folge ihrer Eigenart ist. Welt-Echo Sitzung des amerikanischen Kongreßkomitees. Ein Kabel-Telegramm aus New York meldet, daß das Vereinigte Kongreßkomitee am 25. Dezember eine Sitzung in New York hielt. Anwesend waren 140 Mitglieder. Die Forderung, der Wiederaufbau der vernichteten jüdischen Besitztümer solle durch das Joint Distribution Committee geschehen, wurde abgelehnt. Zum permanenten Vorsitzenden des Komitees wurde der bekannte Zionist Nathan Straus gewählt. Zum Sekretär sowie für die Kontroll- und Verwaltungsämter wurden ebenfalls Zionisten gewählt. Der Schatzmeister ist ein Vertreter der nationaljüdischen Richtung. Unter den Vizepräsidenten ist nur ein einziger Gegner des jüdischnationalen Gedankens. Diese Wahlliste bedeutet also einen bedeutenden Sieg der ursprünglichen (d. h. aus Zionisten und Nationalen bestehenden) Kongreßpartei. Vom Amerikanisch-Jüdischen Kongreß. Die neue Vereinbarung, die das Amerikanisch - Jüdische Kongreß-Komitee mit dem Süb-Komitee der Konferenz amerikanisch-jüdischer Organisationen in der Frage des amerikanisch-jüdischen Kongresses getroffen hat, ist den Delegierten der Philadelphia-Vorkonferenz in einem zweiten Referendum zur Abstimmung unterbreitet worden. An der Abstimmung haben sich 221 Delegierte beteiligt, von denen 217 für und nur 4 gegen das neue Abkommen gestimmt haben. Es scheint demnach, daß in dieser Sache nun doch eine einheitliche Aktion der amerikanischen Judenheit erwartet werden darf. (Vergl. vorhergehende Notiz. D. R.) Die Münchener Hefenverwertungsgesellschaft m. b. H. Wir berichteten kürzlich, daß der Reichstagsabgeordnete Dr. Prendel auf Veranlassung von Dr. Schlittenbauer folgende Anfrage an den Reichskanzler stellte: „Aus welchem Grunde hat die Reichs-Futtermittelstelle und die Bezugsvereinigung der Münchener Hefenverwertungsgesellschaft m. b. H. gemäß der Verordnung vom 28. Juni 1915 (24. März 1916) den gesamten Anfall an Naßhefe den Münchener Brauereien zugewiesen? Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß diese Gesellschaft aus fünf Münchener Israeliten besteht, dem Großkaufmann Emil Zeckendorf, dem Großhändler Jakob Buckfath, dem Rechtsanwalt Dr. Jul. Schülein, dem Kaufmann Dr. Fritz Schülein, der Unionsbrauerei & Co. Geschäftsführer Jos. Schülein? Mit welchem Rechte werden diese Herren gegenüber einer so leistungsfähigen und renommierten