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Das jüdische Echo · 1917-01-05 · 1 (5.1.1917) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
1 (5.1.1917)
Date
1917-01-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Das Jüdische Echo Nr. 1 Asdod.“ Dies aber sind die bekannten Philisterstädte. Ob nun die Berichte von der Körpergröße der Amodter Fabel sind oder einen Kern von Wahrheit enthalten (was wir glauben), wichtig ist hier nur die Gleichsetzung von Philistern und Amoritern — Dasselbe gilt für „Rephaim“. Als „Land der Rephaim“ werden ausdrücklich Amoritergebiete im Ostjordanland bezeichnet; im Westjordan trägt ihren Namen das Tal Rephaim bei Jerusalem, also ebenfalls im Amoritergebiet. Außerdem aber werden nur noch als Rephaim bezeichnet der Philister Goliath und einige andere. Demnach dieselbe Gleichung. Besonders klar leuchtet diese Beziehung hervor aus der Simsonsage. Simson ist der Held des Stammes Dan, welcher seinen Wohnsitz zunächst auf dem Westabhang des Gebirges Juda hatte. Hier konnte er sich jedoch gegen die Amoriterstämme der Ebene nicht halten (Jud. I, 34) und war gezwungen, sich neue Wohnsitze im Norden zu suchen (Jud. 18). In der frühen Zeit des alten Wohnsitzes spielt nun die Sage vom Helden Simson; seine Gegner sind aber bekanntlich — die Philister! Über Herkunft und: Aussehen der Philister sind wir nun aus ägyptischen Quellen der XIX. und XX. Dynastie recht gut unterrichtet. Sie erscheinen zuerst unter Mernephtah (ca. 1220), dann unter Ramses III. (um 1180) auf Schiffen im Nildelta, vereinigt mit einer Reihe von Stämmen, die von den Ägyptern als „Nordvölker“ bezeichnet werden, und deren Namen mit großer Sicherheit als Tyrrhener, Sarden, Sikuler, Teukrer, Maxyer, Achäer und Dardaner gedeutet worden sind. Wir haben also in den Philistern und ihren Genossen griechische oder thrazische Stämme zu sehen, die die große griechische Expansion einleiten. Zui gleicher Zeit sind nach derselben Quelle diese „Nordvölker“ auch in Vorderasien erschienen. Sie zertrümmern das Hethiterreich, erobern Syrien, dringen bis nach Carchemisch am Euphrat vor und wenden sich dann zu Lande gegen Ägypten. Ramses III. aber zwingt sie an seiner „gerüsteten Grenze“ durch einen Sieg zur Umkehr. — Diese Scharen scheinen also wie die früheren mdogermänishen Invasionen den Landweg von Thrakien her genommen zu haben. Dafür spricht auch, daß diese phönizischen Küstenstädte fest in semitischer Hand bleiben. Zu Wasser und zu Lande von Ägyptern geschlagen, erscheinen nun die Philister an der nahen Küste Südpalästinas und nehmen die Küstenstädte in Besitz, von der amoritischen Bevölkerung, die mit den Israeliten in schwerem Kampfe lag, wohl als Verwandte begrüßt. Für den Namen Philister haben wir noch keine griechische Analogie; an seiner Stelle aber finden wir mehrfach andere Namen, die die Sachlage unzweideutig klären. So Ezech. 25, 16 den Namen „Kreter“; daher heißt auch Davids philistäische Leibwache Kreti und Pleti. Zweimal (II. Reg. 11, 4, 19) finden wir die Bezeichnung „Karer“. Wer denkt dabei nicht an die karischen Söldner in Ägypten? Endlich heißen sie auch „Kaphtorim“ nach ihrer Heimat, der Insel Kaphtor (Jerem. 47, 4), eine Bezeichnung, die völlig gleichbedeutend mit Philister ist (Deut. 2, 23, Arnos 9, 7). Kaphtor aber ist Kreta oder Cypern. Demnach ist völlig klar: Die Philister sind ein griechischer oder pelasgischer Stamm, die Amoriter ebenfalls. Beide sind bei ihrer langen Berührung mit semitischen Stämmen sprachlich und kulturell semitisiert worden. Die Darstellung der Philister auf ägyptischen Denkmälern entspricht durchaus diesem Bilde. Sie sind aus vielen anderen Völkerschaften sofort herauszuerkennen. Schlank und hochgewachsen, das Gesicht stets bartlos, die Nase gerade und meist die geradlinige Fortsetzung der Stirn, Charakteristisch ist für sie ein kammartiger Helmbusch, wie ihn die homerischen Griechen tragen, deren Zeitgenossen sie sind. Er findet sich ähnlich nur noch bei einem Teukrer auf ägyptischen Darstellungen, also ebenfalls einem Griechen. Für die Geschichte der Israeliten sind die Philister von ausschlaggebender Bedeutung geworden. Ihre Festsetzung an der Küste hinderte die Iraeliten, ans Meer zu gelangen. Als die Israeliten die Küste unter den Makkabäern, tausend Jahre später, errreichten, war sie bereits griechisch. In ihrer Verbindung mit der Weltwirtschaft und ihrem Güteraustausch blieben die Israeliten dauernd abhängig von den Phöniziern, Philistern und den Aramäern von Damaskus. Nur ganz kurze Zeit, unter David und Salomo, wurde diese Einschnürung gesprengt. Schuld und Verdienst der Philister ist es, daß das Bergvolk Israel, abgeschnitten von den großen Handels- und Heerstraßen, trotz seiner gefährdeten Lage zwischen zwei sich bekämpfenden Großmächten, jahrhundertelang sich in Ruhe die Bevölkerungsreste Palästinas angleichen und eine starke, bleibende, eigene Kultur schaffen konnte. Die Philister, ein Kriegs- und Handelsvolk, brachten den Hebräern die Kenntnis des Eisens, dessen Bearbeitung ihr Geheimnis war (I. Sam. 13, 19—22). Sie vermittelten nicht nur den Seehandel und die Einfuhr ägyptischer Waren, wovon zahlreiche Funde in ihren Städten Zeugnis ablegen, sondern sie versuchten sich auch die große Handelsstraße, die von der Küste nach Damaskus zieht, zu sichern. So breiteten sie sich früh nach Norden aus, besetzten Japha, Dor (Tantura), Akko, den Eckpfeiler der Ebene Jizreel, dann in dieser Aphek am Eingang ins Tal von Dothan, weiter Megiddo, Taanach, Sunem und am Ostausgange ins Jordantal Betschan (Beisan). Dieser Keil zwischen den israelitischen Stämmen im Norden und Süden, verbunden mit dem Druck der Philister in der kürzesten Verbindungslinie nach dem Jordantal über das Gebirge Ephraim zwang diese Stämme zur politischen Einigung unter Saul, David und Salomo und schuf damit die Grundlage der jüdischen Geschichte. Kurz hinweggehen können wir in diesem Zusammenhang über die politisch so wichtigen Aramäer, weil ihre Einwirkung auf Palästina erst später, etwa zur Zeit Davids einsetzt, und weil sie Palästina nicht zu ihrem Siedlungsgebiet gemacht haben, sondern an seiner Nord- und Nordostgrenze geblieben sind. Daß dies geschah, ist eben das große Verdienst Davids, dessen kräftige Abwehr den Strom der wandernden Aramäer nach Norden ablenkte, wo sie den Hethiterstaaten bis an den Taurus ein Ende machten. Selbst das wichtige Damaskus hat ihnen David für einige Jahrzehnte entrissen. — Die Aramäer sind ethnisch nahe Verwandte der hebräischen Stämme, deren Sprache sie seit dem babylonischen Exil so vollkommen verdrängten, daß Hebräisch zur Schrift- und Gelehrtensprache herabsank, während Aramäisch die herrschende Sprache Vorderasiens, selbst für Regierungserlasse der persischen Großkönige, wurde. Schließlich müssen wir noch unseren Blick auf die hebräischen Stämme richten, denen es Vorbehalten war, das Erbe aller übrigen anzutreten.

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