Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 1 (5.1.1917)
- Date
- 1917-01-05
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Das Jüdische Echo Nr. 1 Brauerei, wie es die Löwenbrauerei München ist, bevorzugt?“ Auf diese Anfrage hat Staatssekretär Dr. H elfte r i c h, als Vertreter des Reichskanzlers, schriftlich kurz und bündig geantwortet: „Welcher Konfession die Gesellschafter der Münchener Hefenverwertungsgesellschaft sind, ist hier nicht bekannt, auch für die zutreffenden Entscheidungen unerheblich.“ Welzen für Jerusalem. Der kommandierende General einer Armee, Djemal Pascha, der am 19. Nov. 1916 Jerusalem besuchte, und von den Vertretern aller Gemeinden der Stadt feierlich begrüßt wurde, machte der Stadt eine Menge Weizen zum Geschenk. Die jüdische Gemeinde erhielt davon 76 Tausend Kilo Weizen zur unentgeltlichen Verwendung für die Armen. Außerdem erhielten die Juden von der Stadtverwaltung 50 Tausend Kilo Weizen, die unter allen jüdischen Zweiggemeinden der Stadt verteilt werden sollen. Staatssekretär Dr. Zimmermann über die Juden in Polen. Staatssekretär Dr. Zimmermann hat der „Nat.-Ztg.“ zufolge unlängst Mr, Lionel Markus, den Vertreter der Jüdischen Armenhaus-Gesellschaft in New York, betreffs der jüdischen Hilfsaktion in Polen empfangen. Dabei äußerte sich der Staatssekretär folgendermaßen: Die deutsche Regierung betrachtet die Juden genau in demselben Lichte wie die Angehörigen irgend einer anderen, unter ihrer Jurisdiktion stehenden Rasse. Dies hat sie immer getan, im Kriege wie im Frieden. Und bei der Reorganisation Polens kann man versichert sein, daß keinerlei Unterschied in der Behandlung von Personen jüdischer Abstammung und solcher anderer Rasse gemacht werden wird, und daß ihnen alle Rechte und Privilegien eingeräumt werden sollen, welche den Gesetzen der Menschlichkeit und der Unparteilichkeit entsprechen. Diese Worte enthalten keinerlei Anhaltspunkte für das was uns im Augenblick das Wichtigste erscheint: ob nämlich die deutsche Regierung Vorsorge treffen wird, die Juden gegen eine Vergewaltigung der Gesetze seitens der Polen zu schützen. Trotzdem werden die Versicherungen des Staatssekretärs vermutlich einen günstigen Eindruck auch auf die einflußreichen jüdischen Kreise Amerikas machen. Die Volkszählung in Warschau und Lublin hat folgende Ziffern ergeben: am 1. März 1916 betrug die Bevölkerung Groß-Warschaus 984,640 Köpfe, darunter 596,939 Christen und 351,521 Juden; in Lublin wurden 33,460 jüdische und 25,260 christliche Einwohner bei einer Gesamtzahl von 58,720 Köpfen gezählt. Jüdische Liga zur Verteidigung nationaler Rechte. In einer Versammlung des Warschauer „Merkas“ (der zionist. Jugendgruppe) nahm man einstimmig folgenden Beschluß an: „In Anbetracht der Wichtigkeit und des Ernstes des gegenwärtigen Augenblicks und der großen Verantwortlichkeit, die das jüdische Volk für alle seine Schritte zu tragen hat, fassen wir den Beschluß, daß die zionistische Organisation in Polen verpflichtet ist, sofort die Initiative und Anführung wegen der Vereinigung aller jüdischen nationalen Richtungen zu übernehmen, zwecks Schaffung einer zentralen jüdischen Liga zur Verteidigung der nationalen und bürgerlichen Rechte der Juden in Polen.“ Ein neuer jüdischer Verein zur Verbreitung von Kultur, namens Obrasowanje (Bildung) ist in Rußland gegründet worden. Er hat die Erlaubnis erhalten, alle Arten von Bildungsanstalten zu errichten: Kindergärten, Volksuniversitäten, Bibliotheken, Lesehallen, Seminarkurse usw. Die Arbeit dieses Kulturvereins wird sich auf ganz Rußland erstrecken. Einstellung der „Hazefirah“. Am 28. Nov. v J. hat die einzige hebräische Zeitung „Hazefirah“ in Polen ihr Erscheinen eingestellt. Die Unterstützung der Zeitung durch die jüdischen Kreise war sehr gering. Da die Abonnentenzahl nicht zunahm und die Geldmittel vollkommen erschöpft waren, sahen sich die Leiter und Arbeiter, die sich mit einem ganz geringen Lohn begnügten, genötigt, das Erscheinen einzustellen. Der russische Ministerausschuß sollte, wie von vielen Seiten erhofft wurde, Reformen in der Judengesetzgebung beschließen. Man rechnete mindestens auf Aufhebung einiger der drückendsten Ausnahmegesetze. Statt dessen hat der Ausschuß des Ministeriums des Innern neuerdings beschlossen, daß jüdische Chemiker nur während der Dauer ihrer Prüfungen in Petersburg und Moskau wohnen dürfen. Die Erörterung der Ausnahmegesetze bezüglich der Zugehörigkeit von Juden zu Aktiengesellschaften wurde bis zur allgemeinen Revision des betreffenden Gesetzes zurückgestellt. Ein Pogrom im russischen Kaukasus. Im Städtchen S u d j u n i (Gouv. Kutais), in dem 2 Drittel der Bevölkerung grusinische Juden sind, die eine der ältesten jüdischen Gemeinden im Kaukasus bilden, ereignete sich vor kurzem ein Pogrom, bei dem das Vermögen aller Juden der Stadt geplündert wurde. Die wenigen reichen Juden der Gemeinde sind Besitzer von großen Manufaktur- und Galanterie-Engros-Geschäften. Die meisten Juden aber sind kleine Händler, die ihre Waren in der Umgebung verkaufen. Die Mehrzahl der männlichen Mitglieder der Gemeinde verläßt an den Werktagen die Stadt und kehrt zum Sabbath mit dem Rest der unverkauften Waren in das Städtchen zurück. An einem Samstag, an dem sich in der Stadt eine große Menge Waren angesammelt hatte, brach der Pogrom aus, durch den alle Waren der Juden bis zum Hausgeschirr und den Kleidern vom Mob zerschlagen und geplündert wurde. Zum Glück ging es ohne Menschenopfer ab. Der Rektor der New Yorker Universität. Professor Brown, hat ein Schreiben an die amerikanisch-jüdische Studentenvereinigung „Menorah“ gesandt, in dem er den Mitgliedern empfiehlt, hebräische Literatur und jüdische Geschichte zu studieren, um auf diesem Wege die spezifisch jüdischen Tugenden zu erhalten. Er spricht die Meinung aus, daß die Juden für Amerika von großer Bedeutung sein können. Juden im amerikanischen Heere. Die Zahl der Juden, die in den verschiedenen Zweigen der amerikanischen Armee dienen, beträgt gegenwärtig 3821 (gegenüber einer Gesamtzahl vc-n Heeresdiensttuenden von 66 182). Die Zahl der jüdischen Heeresmitglieder beträgt also 6 Prozent, während die jüdische Bevölkerung nur 3 Prozent der Gesamtbevölkerubng ausmacht. Die „Hebrew Sheltering and Emigrant aid Company“ hat mit dem Präsidenten Wilson vereinbart, daß für die Dauer des Krieges die aus den kriegführenden Ländern Eingewanderten nicht zu-