Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1916-12-22 · 51 (22.12.1916) · p. Seite 496

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
51 (22.12.1916)
Date
1916-12-22
Page
Seite 496 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9072829-9102942-9138073--01193-9074019
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

496 Das JQdtsche Echo Nr. 51 haben. Dasselbe ist auch beim „Betragen“ der Fall. Der Verfasser meint dazu: „Die Ursache dieser Erscheinung liegt wohl unzweifelhaft zunächst in der größeren Lebhaftigkeit der Juden, die als Schwätzer und Ruhestörer — wie jeder Lehrer bestätigen wird — die christlichen Mitschüler überragen. Leider ist die an sich schätzenswerte Lebhaftigkeit der jüdischen Schüller mit einem Mangel an Zucht verquickt, mit der mangelnden Fähigkeit des Innehaltens angesichts äußerer Eindrücke. Der jüdische Schüler empfindet das unstillbare Bedürfnis, auf jeglichen Reiz sofort nach außen zu reagieren.“ Wenn es vielleicht auch verfehlt ist, auf Grund der einen statistischen Untersuchung, die der Verfasser angestellt hat, deren Ergebnisse als unbedingt allgemein für die jüdischen Schüler überhaupt anzusehen ,so bestätigen doch zahlreiche Wahrnehmungen vorurteilsloser und ganz gewiß nicht antisemitisch empfindender Christen und Juden diese Ansicht Dr. Nemeceks. Wir, glaube ich, sollten die Letzten sein, diesen Mangel zu bestreiten; die Klage über die fehlende Disziplin erscheint zu oft in unseren jüdischen Blättern, als daß sie hier wiederholt werden müßte. Es folgen nun in der Abhandlung die Ergebnisse einer Reihe von hochinteressanten psychologischen Versuchen. Der Raum erlaubt es nicht, länger bei dem Binetschen Versuche der Bildbeschreibung zu verweilen. Es wurde von einer großen Zahl Schüler die Beschreibung eines Bildes verlangt, das einen Ausbruch des Ätna darstellte. Die Beschreibungen werden nach den in der Darstellung vorherrschenden Elementen gruppiert, wobei sich ergab, daß gegenüber dem rein beschreibenden und dem beobachtenden, d. h. das Bild als einen Vorgang auffassenden Typus, der bei den Christen überwog, die Juden zum größeren Teile dem sogenannten „emotionellen“ Typus angehören, d. h. die von ihnen verfaßten Darstellungen zeigen neben reiner Beobachtung auch die Wirkung von Empfindungen, die das Bild auslöst. Es kommt auf diese Weise zu einer Reihe höchst interessanter Feststellungen, als deren Kern sich ergibt: „Der christliche Schüler denkt real, der jüdische verbal, der christliche Schüler lebt sich in die zu beschreibende Szene ein, und trachtet sie in einem anschaulichen Bilde festzuhalten, der jüdische Schüler schwelgt in den Gefühlswirungen der dargestellten Vorgänge.“ Hiebei kommt dem jüdischen Schüler eine auffällig hervortretende größere Sprachbeherrschung zu gute. Auch über andere Versuche berichtet der Verfasser, so über den Aschaffenburger Versuch der Woiitreproduktion und Versuche ''über die Schreibgeschwindigkeit, mit dem Ergebnis einer größeren Schreibgeläufigkeit der Juden als „Folge eines rascheren, lebhafteren Vorstellungsverlaufes“ und als „Ausdruck der rascheren Reproduktionsfähigkeit.“ Sind bisher die reinen Resultate der statistischen Vergleichung ujnd der praktischen Versuche angeführt worden, ohne die Ursachen näher zu untersuchen, so befaßt sich der Autor in dem vierten und letzten Abschnitte mit der Frage der Rassenunterschiede, d. h. mit der Frage: „Welche psychischen Grundqualitäten bedingen die Unterschiede in den Leistungen der christlichen und jüdischen Schüler?“ „Lebhaftere InteLlekltujalität“ und stärkere „Emotionalität“ sind nach Dr. Nemeceks Ansicht diese Grundqualitäten. Der jüdische Schüler hat eine stärkere Begabung für das Abstrakte, Begriffliche, eine stärkere intellektuelle Veranlagung; daneben aber eine Vorliebe für das Sentimentale als Folge der lebhafteren Emotionalität. Die Ergebnisse der Untersuchungen der früheren Kapitel gipfeln in ^diesen Feststellungen, die obenerwähnten Resultate der Zensurstatistik und der Versuche ergeben, nebeneinandergestellt, dieses Endresultat. Die Frage, welches die Ursache dieser psychischen Grundqualitäten ist, führt zum Rassenproblem. Ob die Juden als Gesamtheit eine Rasse sind, läßt der Verfasser unerörtert, er beschränkt sich darauf, die Psychologie der in den Wiener Schulen studierenden Juden festzuhalten, allerdings in der Absicht, damit einen neuen Beweis für die für ihn feststehende Tatsache zu erbringen, daß das Judentum inerhalb unserer Gesellschaft eine besondere psychische Persönlichkeit darstellt.“ Seine Schlußworte aber geben uns einen Fingerzeig, aus dem Würrwarr der verschiedenen jüdischen Rassentheorien einen Ausweg zu finden und mehr Licht in das Dunkel jüdischer Rassenpsychologie zu bringen. Wie Dr. Nemecek hier streng wissenschaftlich und mit nicht genug zu rühmender Objektivität die psychische Eigenart eines kleinen Teiles der mitteleuropäischen Judenschaft erforscht hat, so wäre es Aufgabe unserer Gelehrten, diese Art Untersuchung an zahlreichen anderen Stellen des jüdischen Volkskörpers fortzusetzen. Dann erst werden die Grundlagen für die Untersuchung des jüdischen Rassencharakters im allgemeinen geschaffen sein, von dem heute noch die konträrsten und unsinnigsten Ansichten verbreitet sind. A. Teena („Selbstwehr“). Eine Flüchtlingsnotschule in Prag.*) Von Auguste Hauschner. In der Hauptstadt Böhmens lebt ein Geschlecht von jungen Männern, neuzeitliche Dichter von Bedeutung sind dabei, die mit Wort und Schrift für den Zionismus kämpfen, für den Traum, das in der Welt zerstreute, durch Rassegleichheit mehr getrennte als geeinte Volk der Juden, durch die Gemeinsamkeit des Raumes zur Nation zu schweißen. Sie setzen ihre stärkste Hoffnung auf die Stammesbrüder aus dem Osten, die ihnen als die auserwählten Träger der messianischen Idee erscheinen. Als die Woge der aus Galizien und Polen weggejagten Juden Prag überschwemmte, haben sie sich nicht damit beschieden, die körperliche Not der Flüchtlinge zu stillen, auch ihrem Geist brachten sie Nahrung zu und trachteten danach, den Kindern ein Erdreich zu bereiten, daß sie darin für eine glücklichere Zukunft reiften. In Prag und anderen Städten Böhmens wurden für die noch und schon dem Unterricht Verpflichteten Notschulen eingerichtet, die nach Ablauf eines Jahres die Früchte ihrer Tätigkeit weiteren Kreisen vorzuweisen suchten. Es war eine Ausstellung, die sich äußerlich nicht von ähnlichen Veranstaltungen unterschied, nur der Schauplatz gab ihr die besondere Prägung. Auf kleinen Tischen waren, in hergebrachter Weise, die Proben der Schülerleistungen gebreitet, doch den Saal, in dem die Tafeln standen, umliefen, in Deckenhöhe, farbige Schilderungen jü- *) Aus dem Sammelwerk „Das jüdische Prag“.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.